17.8.2011    6

LICHTSETUP: KÜNSTLICHER GEHTS NICHT MEHR

17. August 2011 | Lichtsetups

Heute gibt es mal wieder ein geschriebenes Fotosetup. Kein Video, kein Screencapture, nur Fotos und Text. Ist ja auch ein Blog und irgendwie kommt das auch zu kurz hier. Aber naja, mehr als gerade geht einfach nicht.

Dieses Setup ist jetzt schon 2 Jahre alt. Es geht heute um die Überfrachtung eines Portraits mit Blitzeffekten und der daraus resultierenden Künstlichkeit. Wir werden heute drei Fotos betrachten und wir werden erkennen, dass das Blitzsetup mit dem einfachsten Licht das neutralste Lichtsetup ist und dass beim letzten Foto, auf dem alle Blitze und Effekte aktiviert worden sind, das Modell beinahe schon untergeht.

Schauen wir uns die drei finalen Fotos an! Von oben nach unten kommt immer ein weiterer Blitz hinzu. Führungslicht von oben…

 Vergleich Fotos
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… dann die Aufhellung von unten (ok, ist kein Blitz gewesen, ist ein Reflektor!)…
 Vergleich Fotos
– click on image to enlarge –

 

… und dazu noch ein wirklicher Blitz im Hintergrund.

 Vergleich Fotos
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So sah das Setup aus… Softbox von oben, Refleektor von unten, Licht im Hintergrund auf einer Achse.

Setup HOW TO Tutorial PhotoSetup HOW TO Tutorial Photo

Fotografiert wurde mit einer Blende von 1.2 bei 85mm. Das wurde mit den Blitzen nur möglich, weil wir 4 Blenden Graufilter genutzt haben. Dadurch konnten wir die Blitzleistung genügend reduzieren für so eine offene Blende.

Setup HOW TO Tutorial Photo

Schauen wir uns nochmals kurz die einzelnen Ausleuchtungsregionen an. Welcher Blitz macht was?

Setup HOW TO Tutorial Photo

Gerade der letzte Blitz im Hintergrund macht im finalen Ergebnis einen gigantischen Bildwirkungsunterschied.

Setup HOW TO Tutorial PhotoSetup HOW TO Tutorial Photo

Wir haben also mehrere Elemente welche gleichzeitig bildbestimmend wirken und das finale Ergebnis muss dann all diese Elemente vereinen. Blitz, Aufhellung, Hintergrundeffekt, offenste Blende bei f1.2 und innen drin ist das arme Model.

Setup HOW TO Tutorial Photo

Und genau darum geht es auch in diesem Beitrag. Nachdem wir ein Setup kurz und knackig mit wenigen Worten vorgestellt haben, jetzt zum Wesentlichen. Genauso kurz und knackig gefasst.

Als Fotograf muss man mit seinen Geschützen vorsichtig umgehen. Natürlich ist so ein Setup gut um entweder anzugeben oder auf einem Coaching das Zusammenspiel von mehreren Blitzen zu zeigen. Aber genauso gut ist eben auch, um zu zeigen, dass oftmals weniger eben doch mehr ist.

Schaut euch die Fotos nochmals genau an und wahrscheinlich werdet ihr merken und erkennen, dass je mehr Licht und Effekte hinzukommen, umso mehr wird auch vom Motiv abgelenkt. Gerade in Verbindung mit der Blende von 1.2 ist das Bild heillos überfrachtet und das Auge weiß nicht mehr wohin. Daher mein Plädoyer für heute: Überlegt euch eure Lichtquellen lieber doppelt und dreifach. Zu viel kann man eben nicht mehr zurück nehmen. Die Aufhellung hat uns die Schatten und die Tiefe gekostet und macht das so perfekte Licht schattenlos und künstlich. Der runde Spoteffekt im Hintergrund ist zu ebenfalls wie aus dem Zeichenstift eines Comicbuchzeichners. Zu perfekt! Nur zwei Worte: TOO MUCH!

Glaubt uns bitte, dass diese ONE LIGHT PHILOSOPHIE nicht nur für eine DVD Produktion in unseren Köpfen war. Wir zeigen euch mit den Videos, den DVDs, den Tutorials und dem ganzen Blog auch unsere Entwicklung und es ist eben so, dass wir seit Monaten immer wieder denken. WENIGER IST MEHR!

Kommentare (6)

6 thoughts on “LICHTSETUP: KÜNSTLICHER GEHTS NICHT MEHR

  1. Wie so häufig im Leben ist auch in der Fotografie weniger oft mehr. Ein toller Artikel, der das super illustriert und verdeutlicht. Macht Spass so was zu lesen.

    Grüße aus dem Norden, Sven

  2. Auch wenn Du Recht hast, dass man bei der dritten Aufnahmen zu sehr durch den hellen Hintergrund abgelenkt ist, spricht mich diese Aufnahmen als erstes direkt an. Zumindestens bei den Previews. Groß betrachtet tendiere ich wohl doch ehr zur Aufnahme Nr. 1, schade, dass man die nicht groß neben einander sehen kann.

    Aber vier Blenden Graufilter? Hätte es nicht gereicht, einfach die Lichtquelle weiter nachhinten zu schieben oder die Leistung zu drosseln? Das hätte von der Lichtmenge doch reichen müssen, oder?

    Aber ich muss sagen, für Blende 1,2 wirken die Bilder echt knackig. Die Linse fehlt mir noch in der Sammlung 🙁

  3. Ich finde dieses „alles ist toll mit einem Licht“-Gebrabbel langsam nicht nur langweilig, sondern auch ermüdend und unsinnig.

    Eine ganz einfache Regel für Beleuchtung ist das zu verwenden, was man braucht.

    Manchmal ist das EINE Lichtquelle, manchmal 5 oder mehr.

    Völliger Unsinn, ständig darauf zu beharren, dass eine ja reicht und fasst immer besser ist.

    Manchmal ja, manchmal nein.

    Zu wissen, wann was besser ist ist Erfahrung, persönlicher Stil & Geschmack oder auch von den Vorgaben abhängig. Man kann eben nicht alles in Regeln oder Leitfäden pressen oder durch Lesen & Videos lernen.

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