12.10.2009    14

LICHTSETUP: BALANCE AVAILABLE LIGHT

12. Oktober 2009 | Lichtsetups

Länger ist es her, als das letzte SETUP-Tutorial online kam. Dafür ist das heutige umso cooler und einfacher… Wir waren ja erst kürzlich im Studio von Michael Quack in Düsseldorf und haben dort Fotos  zum Thema Aufsteckblitze gemacht . Und da gab es ein Setup, was besonders cool war. Aufsteckblitze waren es garnicht sondern nur EIN Aufsteckblitz und ein günstiger Schirm. Mehr nicht! Guckt euch mal das Foto an, dann gehts gleich los.


– click on image to enlarge –

Wir haben ja schon aufgelöst mit welcher Ausrüstung wir das Foto gemacht haben. Aufsteckblitz ist das Stichwort! Und damit ihr mir auch Glauben schenkt, kommen hier erstmal die Making-Of Fotos!

Setup Making_OF Blick hinter die Kulissen

Auf den Fotos sieht man deutlich das Setup. Es geht um ein großes Fenster, hell und mit einem schönen Muster im Hintergrund. Davor unser tolles Modell Rahel und dann kommt der Schirm mit dem Blitz.

Und um das klar zu stellen. Wir blitzen im manuellen Modus an der Kamera und am Blitz. Auf dem nächsten Foto seht ihr den Funkempfänger unter dem Blitz am Blitzschuh (das kleine längliche Teil unter dem Blitz). Wir stellten also die nötige Leistung am Blitz manuell ein.

Setup Making_OF Blick hinter die KulissenSetup Making_OF Blick hinter die Kulissen

So, und damit wir das Ganze mal etwas losgelöst von den Fotos betrachten können, kommt hier das Setup als Skizze. Mal wieder krolop’sche Kritzeleien. Wir haben da also die Sonne, das Fenster, die Vorhänge und den Blitz…

Setup Making_OF Blick hinter die Kulissen

Wir sehen auf der Skizze deutlich, dass wir zwei Lichtquellen haben. Einmal das Umgebungslicht und einmal das Blitzlicht. Und wenn wir weiter darüber nachdenken, dass erkennen wir sofort, dass eine Lichtquelle nicht veränderbar ist. Die Leistung des Sonnenlichts steht fix und foxi fest… Wir haben also eine Lichtquelle nach der wir das komplette Foto ausrichten müssen, das Sonnenlicht.

Und darüber geht es heute auch. Um die Balance zwischen Umgebungslicht und Blitzlicht. Es ist oftmals nämlich garnicht so wichtig ob ich jetzt ne Softbox, nen Schirm oder sonst was vor den Blitz schnalle. Zu 60% kommt es auf die Gewichtung der Leistung viel mehr an! Die Gewichtung der Lichtquellen, das Hell und Dunkel, definiert den Look des Fotos.

Warum eigentlich die Vorhänge auf beiden Seiten??? Ganz einfach… wir müssen schauen, dass der Unterschied zwischen Fenster/Hintergrund und Innenraum relativ groß ist. Denn dadurch können wir überhaupt erst von innendrin ein unabhängiges Licht setzen. Wäre es innendrin zu hell, dann wäre das Foto ja schon vordefiniert und wir könnten es nicht nach unseren Vorstellungen erschaffen. Wir haben dadurch also einen hellen Hintergrund, ohne aber Licht vor das Modell zu bekommen.

Lasst uns doch mal gemeinsam durch die Entstehung des Fotos gehen und vergesst einfach mal an dieser Stelle die genauen Kameraeinstellungen von oben.

1. Wir belichten das Foto korrekt auf die hellen Glanzstellen auf der Brust. Die hellste Stelle auf dem Körper von Rahel ist jetzt korrekt belichtet. Dadurch säuft natürlich der Schattenbereich ohne Blitzlicht total ab. Wir sehen aber deutlich, dass der Look nicht wirklich entsteht.

Setup Making_OF Blick hinter die Kulissen

2. Also haben wir das Foto etwas heller belichtet. Damit mehr Glanzstellen entstehen. Wir sehen auf dem Foto deutlich, dass der Look der überbrennenden Stellen aus dem Hintergrund deutlich sichtbar wird. Das Foto wirkt über den Hintergrund schon richtig „lichtüberflutet“.

Setup Making_OF Blick hinter die Kulissen

3. Nachdem uns das Grundbild wirklich gefallen hat, es wirkt jetzt schon super anziehend, haben wir den Blitz hinzu geschaltet und korrekt mit dem Belichtungsmesser eingemessen. Als wir dann das Foto gemacht haben, sind wir etwas aus den Wolken gefallen… denn… es wirkt platt und nicht mehr natürlich. Der Blitz ist korrekt eingestellt, die Leistung stimmt dem Belichtungsmesser zufolge… trotzdem ist das Ergebnis mies!!! Warum???

Setup Making_OF Blick hinter die Kulissen

4. Der Grund ist die „korrekte Belichtung“, denn damit haben wir den Grundlook verändert. Die Szenerie ist nicht mehr wie anfangs gewollt, sondern das Foto wird über das Blitzlicht geformt, nicht mehr über das Hintergrundlicht. Deswegen haben wir das Blitzlicht in seiner Leistung zurückgenommen und dadurch das Umgebungslicht stärker ins Foto einbeziehen können.

Setup Making_OF Blick hinter die Kulissen

5. Wichtig an dieser Stelle ist auch noch, dass die Position stimmen muss. Wir mussten Rahel so positionieren, dass auf die Brust überhaupt Licht vom Fenster fallen kann. Durch die Vorhänge haben wir ja nur einen relativ schmalen Streifen an Fenster und Hintergrund. Ihr seht auf dem Foto davor, dass wir zusätzlich zum zu hellen Blitzlicht auch noch eine völlig falsche Position des Modells hatten.

Den Unterschied der Reflexe, der Lichtern und der ausgewogenen Ausleuchtung definiert das Foto.

Setup Making_OF Blick hinter die Kulissen

Zusammenfassend kann also gesagt werden: WICHTIG IST DIE BALANCE ZWISCHEN UMGEBUNGS- UND BLITZLICHT. Es kann auf jedem Foto nur eine charakterisierende Lichtstimmung geben. Entweder ein Blitz, ein anderer Blitz oder das Sonnenlicht.

Was ist noch wichtig zu wissen????

  • Oftmals ist eine Location nicht perfekt bzw. man muss noch weiterarbeiten um die Location perfekt nutzen zu können. Was bedeutet denn diese Schwafelei??? Ist ganz einfach wenn ihr nochmals oben auf die Fotos schaut. Guckt mal die Leiter an!!! Das Fenster war großartig aber eben viel zu weit oben. Deswegen haben wir die Leiter gebraucht um die Location überhaupt nutzen zu können.Merkt euch einfach, dass man sich die Location oft auch ERARBEITEN muss.
  • ISO400 und f2.0 ist nicht schlimm sondern heutzutage absolut ausreichend. Ich kenne viele Fotografen die sich nicht trauen an ihrer Kamera auf ISO800 zu gehen. Zu viel rauschen???? Blödsinn. Es geht doch um die Voraussetzungen vor Ort und wie man das Foto überhaupt machen kann… Wenn nicht mehr Licht da ist, dann ist da eben nicht mehr da, dann muss und darf ich das Foto eben mit diesen Einstellungen machen.
  • Kleine und große Unterschiede kann man gut auf dem Display erkennen. Guckt doch mal weniger auf die Microdetails des Bildes als vielmehr auf den Gesamtlook!!!!! Und zu viel Blitzlicht ist eben oftmals echt blöde!!!

Dat wars aber auch für heute… und hier kommen nochmals die fertigen Fotos für euch!!! Als Abschied!!!

Rahel Fertiges Fodooo– click on image to enlarge –
Rahel Fertiges Fodooo– click on image to enlarge –

Kommentare (14)

14 thoughts on “LICHTSETUP: BALANCE AVAILABLE LIGHT

  1. Alles so weit gut verständlich. Ich wüßte aber genau, wo bei mir die Schwierigkeiten wären, wenn ich das Ganze praktisch umsetzen würde.

    Da würden vor allen Dingen die folgenden zwei Fragen auftauchen:

    1. Wie wurde das Ausgangsfoto eigentlich auf die Glanzstellen auf der Brust belichtet?

    2. Wie wurde der Blitz eigentlich mit dem Belichtungsmesser eingemessen? Wurde der Belichtungsmesser nicht durch das Umgebungslicht irritiert?

    Zorro

  2. Super Arbeit, macht immer wieder Spass 🙂

    Ja das richtige Einstellen in solchen Mischlicht Situationen ohne Belichtungsmesser und dann auch noch alles Manuell Einstellen kann eine Weile dauern, aber nicht verzagen, irgendwann findet man die Richtige Einstellung.

    MFG

  3. Mal wieder ein super Beitrag!

    Die Bilder sind eine wucht!

    Kann man sich irgendwo eine Setcard von Rahel anschauen, Model Kartei oder ähnliches?

    Wenn du eine Info hättest wäre ich dir dankbar.

    Bei diesem Beitrag ist mal wieder zu sehen wie schön mit wenig Aufwand und Köpfchen der Aufsteckblitz Arbeiten kann. KLASSE!

  4. Und die Yongnuo RF602 Blitzauslöser. Zeigt dass man nicht immer die Pocket Wizards braucht, auch wenn die schon deutlich cooler sind. Aber auch 10 mal so teuer.

  5. @Zorro: zu 1.: Positionier dein Model, stell die Kamera auf Spotmessung, geh etwas näher an das Model und lass die Kamera messen. Entweder du stellst mit T(v) deine Blitzsynchronzeit ein und lässt dir die Blende berechnen oder du stellst mit A(v) solange die Blende ein, bis die errechnete Zeit innerhalb deiner x-sync liegt. Mach dabei den Autofokus aus und fokussiere manuell, die Stelle an der du messen möchtest darf gerne leicht unscharf sein. Beim ersten Bild kam da vermutlich f2.8 bei 1/160s und ISO 400 raus. Also die Werte in den manuellen Modus übertragen und für die gezielte Überbelichtung dann die Blende weiter öffnen – hier auf f2.0.

    zu 2.: Auf Bild 1 und 2 siehst du, dass der zur Kamera zeigende Bereich des Models sehr schattig ist – da gibt es also sehr wenig Umgebungslicht, was den Belichtungsmesser irritieren könnte. Halte den Belichtungsmesser an den Hals oder an die dem Fenster abgewandte Wange, die Kalotte (diese weiße Halbkugel) des Belichtungsmessers zeigt dann Richtung Blitz oder Kamera oder dazwischen (diese feinen Unterschiede hab ich auch noch nicht verstanden 😉 ). ISO400 + 1/160s sind am Belichtungsmesser eingestellt, jetzt stellst du solange am Blitz rum, bis da ebenfalls Blende 2.0 bei rumkommt. Dann bekommst du Bild 3. Jetzt musst du halt anhand des Vorschaubildes entscheiden, ob dir das gefällt und wenn nicht den Blitz hoch oder runter regeln, bis dir die Lichtstimmung zusagt. Hast du keinen Blitzbelichtungsmesser musst du Pi x Daumen mit Probeaufnahmen regeln.

    Problem bei dieser Szene: Ziehen Wolken vor die Sonne (was ja die Hauptlichtquelle ist) verhaut es dir das komplette Setting.

  6. Sehr schönes leerreiches Tuto und wie immer perfekt!

    @ Tyndal, die Messkalotte des Belis sollte den Winkel zwischen Kamera und Blitz halbieren. 😉

    @ Martin wie haben sich die Yongnuo RF 602 geschlagen, würde mich schon interessieren.

    Gruß Frank

  7. Also das war für mich persönlich ein sehr lehrreicher Beitrag. Ich finde es oft schwierig, die Balance zwischen Blitz und Umgebungslicht korrekt hinzubekommen. Wobei ich meistens irgendwie den Blitz zu sehr einbeziehe und damit das Bild irgendwie kaputt mache, so wie in Eurem Beispiel auch. Aber ich lerne ja noch 🙂

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