2.3.2013    14

LICHTSETUP: FENSTER + CAMERA + BILLIG 50MM

2. März 2013 | Lichtsetups

Heute gibt es ein Koch-Foto-Rezept für euch zum UNBEDINGTEN NACHMACHEN! Absolut genial und einfach zu machen. Es geht um folgendes Foto und wie so ein Foto zu machen ist…

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Für dieses Foto braucht ihr keinen Blitz, keinen Reflektor und auch kein Mega-Super-Duper-Objektiv. Ganz im Gegenteil, ihr braucht ein möglichst einfaches Objektiv. Nämlich das Canon EF 50mm 1:1.8 II*// Nikon AF Nikkor 50mm 1:1,8D* für um die 100€.

Überall um euch herum gibt es tolle Locations und viele dieser Locations haben auch eine Art der besonderen Lichtführung von Haus aus integriert. Fenster und Durchgänge sind allgemein solche Lichtformer der Natur. Natürliche Lichtformer 🙂 und schön auch, wenn die Fenster entsprechend auch milchig oder auch dreckig sind. Dann wird das Licht noch diffuser.

Zurück zum Thema… ihr könnt an einem Fenster tolle Fotos machen und zwar benötigt das oftmals etwas Mut. Mut zur gezielten Überbelichtung, zum Ausbrennen. Egal ob die Kamera bei der Anzeige blinkt und blinkt und blinkt, das Bild kann trotzdem gut sein. Denn während viele Fotografen normalerweise schräg zum Fenster oder mit dem Licht aus dem Fenster fotografieren, wurde das obige Bild genau in die andere Richtung aufgenommen. Nämlich genau GEGEN DAS FENSTER.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Ja, natürlich wird die Dynamik die der Kamera sprengen. Ja, das Bild wird definitiv überbelichtete Stellen haben. Ja, auf dem Display wird es dauernd nur Blinken vor lauter Warnanzeigen eurer DSLR. Ja, das Bild wird evtl. auch durch das Gegenlicht nicht die maximale optische Qualität erreichen.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Aber das ist alles völlig egal, solange das Bild außergewöhnlich ausschaut und einen tollen Look hat. Und genau das kann ein solches GEGEN-FENSTER-LICHT erzeugen. Eine grandiose Lichtstimmung!

Fotografiert haben wir mit folgenden Einstellungen an einer 1D Mark 3 mit dem besagten Canon EF 50mm 1:1.8 II*.

SETUP HOW TO Tutorial Photo SETUP HOW TO Tutorial Photo

Warum gerade diese Kombination. Wir werden durch das krasse Gegenlicht das Bild so hell belichten müssen, dass wir die Augen und das Gesicht des Modells sehen können. Das wird zwangsweise in solchen Situationen dazu führen, dass das Bild flau wird. Das extrem helle Licht was von vorne direkt in das Objektiv fällt wird so stark sein, dass das Objektiv leicht milchig wird. Und genau das wollen wir noch forcieren und noch stärker werden lassen.

Mit einem so günstigen Objektiv können wir den Effekt noch gezielt verstärken. Weg bekommen wir den Effekt selbst mit einem 50mm von CarlZeiss nicht ganz. Also wenn wir den Effekt nicht weg bekommen, dann machen wir das Überbrennen und den Milcheffekt so stark, dass er gewollt ausschaut.

Und by the way… er sieht gut aus. Denn er passt perfekt zur Lichtstimmung. Würden wir klare und abgegrenzte Ränder und Kanten haben, dann wäre das Bild für den Betrachter künstlich. Wir erwarten wenn wir gegen ein helles Fenster schauen, dass es eben hell und überstrahlend wirkt. Es gehört also zum Bildlook.

Eine wichtige Frage bei jedem Leser wird sein, wie genau das Licht einzustellen ist in der Helligkeit! Daher auch darauf hier jetzt die Antwort. Ich habe nachfolgend die Rohdatei einfach als von der Kamera gespeichertes JPG verkleinert und in Details nochmals zusammengefügt.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Was ist also bei der Belichtungsfindung unser Ziel? Wir müssen die Dynamik der Kamera bestmöglich ausnutzen. Das klingt jetzt komplizierter als es ist.

Schaut euch das Foto genau an. Natürlich gibt es im Bild weiße Stellen. Aber grundsätzlich ist das Bild (1) eher dunkel belichtet. Die Augen sind aber sichtbar, genauso wie Mund. Wir haben also die Belichtung nicht auf die Augen eingestellt sondern nur darauf geachtet, dass die (2) Augen im mittleren Bereich der Helligkeiten liegen. Dazu kommt, dass selbst die dunklen Bereich der Haare durch das diffuse Licht nicht komplett schwarz sind, sondern dunkel bis (3) fast Schwarz!

(Übrigens sieht man da auch das deutliche Rauschen der MarkIII in den Tiefen 🙁 ARG!!!, wie schön wäre da schon eine D800 gewesen! :-()

Macht euch keine großen Gedanken. Wenn ihr nicht den Fehler macht, das Bild direkt auf die Helligkeit der Augen zu belichten sondern ruhig auch das Bild gezielt dunkel belichtet, dann habt ihr schon alles an Wissen was ihr braucht.

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

FOTO-KOCH-REZEPT

  1. Fenster suchen!
  2. Modell davor stellen!
  3. Kamera anschalten und manuell Belichtung so einstellen, dass die Augen des Modells dunkel aber sichtbar sind.
  4. Fotografieren!
  5. Genießen!

Viel Spaß euch beim Fotografieren!

Martin & Marc

PS: Hier noch ein paar Punkte die bei euch evtl. eintreten können und das Ergebnis verfälschen! Bevor Emails mit konkreten Fragen an uns kommen, hier die Besonderheiten auf die es vorher zu achten gilt.

  • Das Wetter draußen kann zu hell sein und alles überstrahlen. Wir hatten oben einen hellen, allerdings diffusen Tag mit Wolken gewählt.
  • Das Fenster kann im direkten Sonnenlicht liegen. Nix gut!
  • Der Raum selbst kann zu dunkel sein und damit zu wenig Licht reflektieren. Dann wird das Motiv zu sehr überstrahlt. Dagegen helfen evtl. ein großes weißes Laken hinter euch aufzuhängen!
  • Der Raum kann farbige Wände/Boden haben und damit das Licht färben. Kann unschön aussehen!
  • Eure Kamera kann überfordert vom Gegenlicht sein und das Fokussieren kann beinahe unmöglich werden. Dagegen hilft nur bessere Kamera kaufen 🙁 ARG! SORRY!

++++++++++++++++++++

*Affiliate Link zu Amazon

 

Kommentare (14)

14 thoughts on “LICHTSETUP: FENSTER + CAMERA + BILLIG 50MM

  1. Kommt das Rauschen nicht auch vor allem durch die Einstellung auf ISO 800? Warum ist diese denn so hoch gewählt? Würde man bei ISO 400 mit einer 1/80s nicht bessere Ergebnisse bekommen? (Die zunehmende Verwacklungsunschärfe dürfte doch von der reduzierten Rauschunschärfe wett gemacht werden, oder?)

  2. Ich glaube bei ’ner Mark3 brauchste Dir bei ISO 800 keine Gedanken um’s Rauschen zu machen … 😉

  3. Ich freu mich immer wieder, daß ihr so hochprofessionell Mut macht zum Bildfehler. Das macht die ganze Fotografie erst spannend. Danke und liebe Grüße. Anne.

  4. das mit dem Gegenlicht und Fokussierungsfehlern finde ich sogar ganz gut…so wird man mal wieder auf die gute alte manuelle Fokussierung getrimmt…die Meiner Meinung nach in solchen Extremsituationen dem allseits beliebten AF für faulere Fotografen überlegen ist 😉

    PS: Habe obiges 50mm von Nikon an einer D5000…und da funktioniert der AF eh nur manuell… für viele ein Hinderungsgrund das Objektiv zu nehmen…ich hingegen muss gestehen…i’m lovin it! und finde, so fühlt man fotografie noch besser! 😉

    Gruß,

    Chriss

  5. Wow! Danke für das tolle „Rezept“ :). Ich versuche mich dann auch mal damit. Würde aber eine Softbox von vorne dieses milchige nicht ein wenig reduzieren? Bzw. wenn man nur leicht von vorne aufblitzt und dem Model mehr Konturen verleiht. Aber ich muss mir bei ISO 800 bei einer 5D Mark II keine Gedanken machen oder? Hatte mich bisher gescheut so hoch zu gehen.

    Gruß,

    Sergej

  6. Hallo, erst einmal Danke für den Tip. Bin allerdings manchmal etwas langsam, zugegeben! Was heißt denn: „…manuell Belichtung so einstellen, dass die Augen des Modells dunkel aber sichtbar sind.“ Wie messt Ihr denn die Belichtung? Also mal angenommen, ich bin in Modus M. Ich messe dann gerne mittenbetont intergral. Würde meinen Fokuspunkt jetzt auf das Gesicht ausrichten und je nachdem Blende, Zeit oder ISO so einstellen, dass die Waage in der Mitte ist. Dann müsste der Hintergrund eigentlich schon überstrahlt sein, oder?

    Gruß

    Oli

  7. Warum eigentlich gezielt unterbelichten wenn Ihr in der Bildbearbeitung sowieso alles wieder aufhellt?

    Hat das einen besonderen Grund?

  8. Also ich finde das Bild klasse. ABER: Das Rauschen gefällt mir nicht.- gar nicht und ich bin ehrlcih gesagt merh als nur überrascht dass bei einer Mark 3 bei lediglich ISO 800 das Bild einfach ÜBERALL derart rauscht. Egal ob Tiefen oder mittlere Töne. Das verstehe ich nicht.

    Sonst cooler Look und hübsches Model!

  9. Tolles Tutorial !

    Die Anleitung gefällt mir sehr gut. und die Idee Fenster und Durchgänge als Lichtformer zu nutzen finde ich sehr gut.

    Aber warum habt ihr den die Kamera Objektiv Kombination (MK III und 50mm Billigobjektiv)gewählt ?

    Was wäre denn anderes gewesen wenn ihr das 50mm mit einer „kleineren“ Canon (die auch weiter verbreitet ist) umgesetzt hättet?

    Sprich was hätte sich geändertman das ganze z.B. mit einer 600D machen will?

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Anzeigen