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LICHTSETUP: DAS FENSTER IM FENSTER

15. Oktober 2012 | Lichtsetups

Heute geht es um das Thema Reflektoren. Und zwar um ein doppeltes Fenster. Fenster im Fenster sozusagen. Das „Fensterlicht“ ist ein unglaublich beliebtes Licht für Portraitfotografen rund um den Globus. Ich will garnicht wissen wie viele Fotos vor oder an einem Fenster gemacht worden sind.

Und natürlich gibt es dafür Gründe. Im Endeffekt ist ein Fenster in einen Raum hinein eben eine Art kontrollierbare und kontrastreiche Lichtquelle. Man hat Schatten- und Lichtseite und kann mit diesen beiden Elementen arbeiten.

Schauen wir uns doch einfach mal das Foto des heutigen Setups an und daran können wir direkt erkennen, was mit Schatten- und Lichtseite gemeint ist.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Jetzt mag man sich fragen wie dieses Foto zustande kam und wo es bloß so ein Fenster gibt und wie das Fenster aussehen mag. Die Antwort ist einfach zu geben, indem wir zeigen, wie wir dieses Foto gemacht haben.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Heee???? Warum jetzt das? Lauter Abschatter und Reflektoren. Hatte ich nicht gerade selbst geschrieben, dass ein Fenster eine tolle Lichtquelle dar stellt, warum jetzt sowas? Die Antwort ist aber genauso logisch wie die Aussage selbst.

Ein Fenster mag eine tolle Einzellichtquelle sein. Eine Fensterfront, 4m hoch und 7m breit ist aber so groß, dass es oftmals einfach zu viel Licht ist. Lichtführung heißt immer, dass man mit dem Licht arbeitet und es gezielt setzt. Ein normales Fenster ist dafür ideal, denn es ist im Endeffekt eine große Softbox. Zu viel Licht ist aber eben schädlich für jedes Foto und zwar gerade dann, wenn es unkontrollierbar umherfliegt.

Deswegen wurde hier die Technik so eingesetzt, dass das Licht kontrollierbar und steuerbar wurde. Im Endeffekt haben wir den ganzen Aufbau so gesetzt, dass wir das unkontrollierbare Licht, steuerbar gemacht haben.

Und genau darum geht es bei der fortgeschrittenen Arbeit mit Reflektoren. (Bitte Sprüche verkneifen wie: Das hätte man aber ganz ohne Reflektoren an einem Fenster mit Vorhang machen können!) Als Hobbyfotograf kann man sich noch nach den Gegebenheiten richten. Ist kein tolles Licht, dann geht man woanders hin oder lässt es ganz. Da geht die Welt nicht unter. Lichtsetzung ist aber für Fotografen gerade oft die Möglichkeit trotz einer schlechten, ungeeigneten Situation ein perfektes Licht setzen zu müssen. Und wie stark Lichtformung ist, das zeigt dieses Beispiel.

Stellt euch vor wie viele Portraitfotografen prominente Leute vor der Kamera haben und irgendwo in der miesesten Location sitzen. Da passt oft garnix aber eine andere Chance kriegt man durch das Management nicht. Also muss man etwas basteln und das schlechte Licht toll machen. Und genau das zeigt dieses Beispiel.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Wir haben als erstes einen sauberen Hintergrund geschafften. Ein schwarzer, großer Reflektor sei dank. Wie man aber auch in der Rückenansicht sieht, bildet der schwarze Reflektor nicht nur den Hintergrund, er schattet das Modell schon im Rücken und an der Seite vom vagabundierenden Streulicht im Raum ab. Wir bekommen einen schwarzen Hintergrund und mehr Kontrast über das Motiv auf die jetzt noch dunklere linke Seite.

Dann haben wir uns um das Licht für das Motiv gekümmert und einen Swatter als Fensterersatz genommen. Eine ca. 1m große supersofte Lichtfläche für das Portrait von der Seite. Super softe und tolle Lichtübergänge, kaum extreme Highlights und trotzdem noch viel Kontrast über das Motiv.

Schlussendlich hat uns der gewischte und glatte Parkettboden noch das Leben schwer gemacht. Nämlich mit einem nervigen, gelben Licht von unten auf das Kinn und die Wange. Und genau dafür haben wir einen weiteren Abschatter genutzt. Der blockte das Licht von unten ab und somit blieb für das Modell nur noch oben die Lichtquelle als aktive Lichtquelle über.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Die linke Seite ist nur deshalb nicht komplett schwarz, weil es noch restliches Streulicht im Raum gibt. Das hellt die beiden Seiten einheitlich auf.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Unser mobiles Fotostudio war damit gebaut und wir konnten tolle Fotos machen. Betrachtet dabei nochmals die Nähe und die Enge des Raumes für das Modell. Viel Bewegungsfreiheit gab es nicht. Anstatt Bewegungsfreiheit gab es aber ein tolles, softes und bezauberndes Fensterlicht von der Seite.

Und wer sich jetzt fragt, warum das Fenster nicht einfach so ausgereicht hätte, der soll sich einfach mal selbst mit dem Modell an eine so große Fensterwand stellen. Ohne die Abschatter und den Swatter wäre von Lichtführung nix zu sehen gewesen. Nein im Gegenteil, wir hätten noch unschöne Schlagschatten gehabt. Die gibt es nämlich auch mit bewölktem Himmel…

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Übrigens dürft ihr euch nicht wundern, warum da so viele Reflektoren rum stehen. Wir haben das Foto auf einem Coaching gemacht. Dort war die Thematik eben“REFLEKTOREN“ und da waren eben nur diese Dinge rumgestanden. Es ist nicht unsere Ausrüstung sondern es wurde mit Leihware gearbeitet.

So, das wars für heute… Viel Spaß beim Fotografieren!

LG

Martin & Marc

PS: Fotografiert wurde das Bild übrigens mit der Olympus OM-D*. Aber daran kann man nur zwei Dinge erkennen. 1. auch spiegellose Kameras machen gute Fotos… :-)… und 2. es kommt eben doch nicht auf die Kamera an, vielmehr auf das bezaubernde Motiv 🙂

PS2: Wer nicht gerade mal zufällig 10 Reflektoren um sich hat (was wir übrigens auch sehr selten haben), der braucht einfach nur ein ordentlich großes Laken und etwas schwarzen Stoff zum Erzeugen von Schatten und Kontrasten. Klappt auch, ist eben etwas fummeliger und schwieriger aufzubauen.

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Kommentare (6)

6 thoughts on “LICHTSETUP: DAS FENSTER IM FENSTER

  1. Nice! 🙂 mir gefallen auf dem Foto vor allem die Details…die roten Haare…die in der Hemdfarbe wieder aufgegriffen werden…leicht bräunliche Augen…insgesamt warmer bräunlicher Look…welches perfekt zur herbstlichen Jahreszeit passt! und eine sehr natürliche Ausstrahlung 😉

    LG Chriss

  2. Hervorragende Idee. Das Fensterlicht erzeugt einen sehr interessanten Effekt. Danke für die detaillierte Beschreibung. Das Endergebnis ist sehr zufriedenstellend. Ausgezeichnet.

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