18.3.2014    16

GRAUFILTER + PORTY-LOOK = DOPPELT KRASS

18. März 2014 | Lichtsetups

Heute geht es um zwei fotografisch eher fortschrittliche Dinge. Einmal fortschrittlich, weil es eher „fortschrittliches Geld“ kosten wird. Und dann fortschrittlich, weil eben gewisse fotografische Fähigkeiten gebraucht werden. Für den einen ist das Erstgenannte schwieriger zu bekommen, für manch Anderen mag es letztere Punkt sein :-).

Einmal geht es heute nämlich um den sog. PORTY-LOOK (1) und dann geht es weiterhin um die Verwendung von EXTREMSTER OFFENBLENDE (2) unter Gebrauch von Graufiltern bei genau diesem Porty-Look.

Porty = Leistung und Leistung = Geld. 🙂 Soviel zum ersten Punkt. Aber auch da gibt es Relativierungen in der Neuzeit, durch relativ günstige mobile Blitzgeneratoren. Beim zweiten Punkt müssen wir uns etwas genauer über das Warum und Wie bei der Verwendung von Graufiltern unterhalten.

Viele mögen jetzt an dieser Stelle vielleicht voreilig mit der Hand winken und mich für veraltet halten. Porty-Look, Graufilter wegen Offenblende. Heute hat man doch SUPER-SYNC und kann jede Sync-Zeit an der Kamera mit einem einfachen Billig-Porty gehen!!! Ja, theoretisch schon aber in der Praxis ist das eben immer noch eine stümperhafte Geht-So-Naja-Methode.

Die Super-Sync-Funktion nutzt das Abbrennen eines langsamen Blitzes aus, um während des Abbrennens mit dem Schlitzverschluss das Foto zu belichten. Das Blitzlicht ist also ein Dauerlicht mit dem Problem, dass das Blitzlicht nicht immer gleich hell brennt sondern einen Verlauf bekommt. Und der Verlauf ist teilweise sehr stark, geht von der Kamera immer von unten nach oben (im Querformat weil es von den verbauten Verschlüssen abhängig ist!). Zudem entsteht nicht nur ein Helligkeitsverlauf sondern ein Farbverlauf. Das Blitzlicht im Bild ist unten eher bläulich und oben eher warm. Eben wie eine Glühbirne die ausgeschaltet wird, fällt auch das Blitzlicht am Ende warm ab.
Meistens erkennt man diese Effekte nicht so stark, denn das Motiv und oftmals eben auch die RAW-Entwicklung kann schon so einiges wieder ausgleichen. Trotzdem ist es eben keine perfekte Lösung und Graufilter bzw. der Einsatz einer Zentralverschlusskamera sind die optimalen Lösungen. Und weil wir hier auch zeigen wollen wie es richtig geht, nutzen wir heute die Graufilter-Lösung.

Dazu kommt, dass eine Graufilterlösung jederzeit perfekt zu berechnen ist. Kein Herumprobieren sondern alles beherrschbar. Super-Sync ist immer ein ordentliches Gefummel weil die Regulierung des Blitzes weg fällt und man die Leistung dann über Distanz oder über Belichtungszeit irgendwie kontrollieren muss.

Zusammenfassung: Super-Sync klappt aber klappt eben nicht 100% perfekt. Oftmals ist die Schlampigkeit des Super-Sync gar nicht zu erkennen aber oft sieht man es sogar sehr deutlich.

Genug dieses Exkurses, schauen wir uns doch erstmal Fotos an. Was ist denn dieser Porty-Look genau und wie schaut das Bild mit Unschärfe kombiniert aus.

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Auf den Fotos erkennt man deutlich den krassen Look. Krass in einer Art und Weise weil die perfekte, künstliche Lichtführung einfach erstaunlich stark wirkt und die Unschärfe tut noch Ihresgleichen hinzu. Das Besondere an dieser Kombination ist die Tatsache, dass normalerweise solche Fotos eben nicht so häufig zu sehen sind. Unschärfe ist oftmals verbunden mit kurzen Verschlusszeiten, Reflektoren oder gar keinem zusätzlichen Licht. Selten sieht man extrem viel Blitzleistung in Kombination mit dieser starken Unschärfe und so starker Zeichnung in den Bildelementen. Unschärfe wird eben selten mit diesem kontrastreichen Porty-Look verbunden und genau das ist das Reizvolle daran. Die Zeichnung wirkt einfach abgefahren und wir haben sowohl die Charakteristik des Lichts auf dem Hintergrund als auch das perfekte Licht auf dem Motiv im Bild. Einfach total faszinierend.

Wir haben hier mit 24mm auf f1.4 fotografiert und hatten 5 Blenden Graufilter in Verwendung. Zusammengesetzt waren diese 5 Blenden aus zwei Filtern mit unterschiedlicher Stärke. Einmal 2 Blenden (NDx4) und einmal 3 Blenden (NDx8). Als Option für dieses Objektiv könnte man ein einfaches 30mm Objektiv verwenden oder das geliebte 50mm 1.8.

Es rechnet sich also relativ simpel. Wir haben das Objektiv auf f1.4 gestellt, haben aber 5 Blenden ND-Filter vorne drauf. Es kommt also genauso viel Licht auf den Sensor als hätte ich f8 eingestellt. f1.4 MINUS 5 BLENDENSTUFEN!!!

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Dazu hatten wir einen Blitzgenerator im Einsatz.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Der Blitzgenerator war von der Firma Richter und ein 1500Ws starker GALOOMA. Aber siehe da, die 1500Ws haben wir garnicht gebraucht. Die Leistung war auf 1/8 eingestellt. Das heißt also, 750Ws, 375Ws, 187,5Ws… 🙂 Hey, siehe da, man braucht garnicht so viel. Warum? Weil wir extrem nah ans Model mit dem Licht heran gegangen sind. Die Entfernung sieht man auf dem Foto oben gar nicht soooo deutlich. Aber mehr als 1m betrug die Distanz zum Portrait nicht. Die Softbox war nur mit dem Fronttuch bespannt, das mittlere Tuch hatten wir frei gelassen. Und schon haben wir mächtig Leistung gespaart.

Wäre die Distanz 2m gewesen, dann hätten wir schon 1/2 Leistung, also ganze 750Ws benötigt. Für die identische Helligkeit. (Helligkeit verhält sich über die Distanz im Quadrat! NICHT VERGESSEN!!!)

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Von der Herangehensweise ist ein derartiges Foto sehr simpel. Man belichtet ganz ohne Blitzgerät auf den Himmel und den Hintergrund. Zeichnung im Himmel und keine tief schwarzen Bereich im Hintergrund ist dabei unser Ziel. Manueller Modus an der Kamera, ISO auf 100, Zeit auf 1/125s und Blende eben wie gewünscht oben auf 1.4. Die Graufilter sorgen für die entsprechende Helligkeit und werden dazu oder abgeschraubt. Hat man das Umgebungslicht perfekt ausbalanciert, dann schaltet man den Blitz dazu und reguliert die Leistung so lange hoch oder runter, bis das Motiv die entsprechende Helligkeit ab bekommt.

Fertig ist das Foto! Los gehts mit dem Fotografieren!

Aber ACHTUNG: Die Graufilter nehmen das Licht auch vom Autofokus weg. Und das ist dann beim Fotografieren mit 5!!!! Blenden Lichtreduktion das größte Problem. Man sieht kaum noch was, geschweige denn, dass man normal fokussieren kann. Das erfordert wirklich viel Erfahrung und wird beim ersten Mal extrem viel Ausschuss produzieren.

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FAZIT: Heute haben wir hoffentlich verschiedene Dinge gelernt.

  1. Looks kombinieren gibt noch tollere Looks. Porty-Look + Unschärfe Look!!!
  2. Graufilter sind immer noch die qualitativ hochwertigste Lösung!
  3. NÄHE!!! Nähe schenkt kostenlose Leistung! Nur über Nähe brauchen wir nicht Unmengen an Licht!

Viele Grüße

Martin & Marc

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Kommentare (16)

16 thoughts on “GRAUFILTER + PORTY-LOOK = DOPPELT KRASS

  1. Hmm, ich habe letztens mal versucht sowas zu machen, allerdings sind die Farben bei einer Modeprduktion durch den Graufilter so weggesuppt und alle Bilder waren unscharf. War so ein Stärkeregelbarar von Hama.

  2. Aber ihr hättet doch einfach eure Phase One mit einem leaf shutter Objektiv nehmen können… 😉
    Ich mag die Bilder, da habt ihr echt meinen Geschmack getroffen! Obwohl ich das Licht eher ein wenig seitlicher genommen hätte.

  3. D.h. ich kann daraus entnehmen, dass Graufilter > HSS ist, um mit Offenblende Outdoor zu fotografieren?
    Weil die Blitzleistung mit nem Graufilter nicht so sehr ansteigt wie als wenn man mit HSS bei z.b. 1/2000 belichtet? (um das selbe Bildergebnis zu bekommen)

  4. Kapier nicht warum Ihr nicht endlich mal den Hot Sync von Priolite testet, der soll doch genau das alles können ohne jegliche Gedönses 🙂

  5. Beim Stichwort „Nähe“ fällt mir auch die Verwendung von Aufsteckblitzen ein. Dann kann man vielleicht nicht auf Offen-Blande-8 😉 gehen aber so einen Look sollte man damit doch auch hinkriegen oder?

    vg Frank

    1. Da kannst du aber in schwierige Bedingungen stossen. Guck dir das Beispiel von Martin & Marc an: Verschlusszeit war 1/125s. Jetzt 5 Blenden dazu, und du müsstest schon mit 1/4000s fotografieren. Bei der 6D wärst du jetzt schon am Anschlag, und bei anderen Kameras hast du auch nur noch 1 Blende Luft nach oben. Es muss jetzt nur noch ein klein wenig heller sein, und schon stehst du da. 🙂 Nene, Graufilter haben schon ihre Daseinsberechtigung, weil man einfach mehr Luft nach oben hat.

      Grüssle
      Pino

  6. Hi liebes K&G-Team,

    habe auch schon ab und zu solche Fotos gemacht und kenne das Problem mit dem Fokussieren und dem Graufilter. Um das etwas zu kompensieren hab ich mir nen roten Laserpointer auf meine Kamera mit Klebeband befestigt und ihn so ausgerichtet das er die mittlere Messkammer trifft…mit der ich dann fokussiere… funktioniert bei offenblende echt klasse…und man trifft den Fokus erheblich besser…als Pi-mal Daumen…

    man muss nur aufpassen dem Modell nicht immer in die Augen zu leuchten und versuchen statt aufs Auge auf die Augenbrauen zu fokussieren…

    Gruß,

    Chriss

      1. Hi Nicola,

        will jetzt nicht böse sein, aber eine Taschenlampe bringt dir hierbei rein gar nichts, es sei denn das Modell hält sie und leuchtet direkt in die Kamera. Der Graufilter schluckt bei solchen Aufnahmen schon einiges an Licht und wenn schon die Sonne nicht stark genug für den AF ist wird auch keine Taschenlampe der Welt das schaffen!

        Ein Autofokus arbeitet vorwiegend mit Kontrasten um zu erkennen worauf scharf gestellt werden soll. Deshalb ist auch ein roter Pointer gut geeignet, da alles andere nur noch ziemlich dunkel und kontrastarm ist.

        Meine Herangehensweise ist folgende: Neben der Kamera vorbeischauen. mit dem Laserpointer schauen das Fokus auf der Stirn des Modells liegt, Kamera fokussieren lassen, AF-locken, durch den Sucher schauen und den Bildschnitt wählen ohne Möglichst den Fokus zu verschwenken.

        Einen Nachteil hat meine Methode übrigens: Fokus sitzt meistens, aber die Wahl des richtigen Bildschnittes ist immernoch ein wenig glückssache, da man ja durch den Sucher kaum was sieht. Alternative dazu wäre allerdings im Live-View zu fotografieren, wo die Kamera ja meistens im Vorschaubild die Iso hochzieht, um es gleich hell wirken zu lassen.

        Gruß,

        Chriss

  7. Total starkes Shooting. Das Thema interessiert mich sehr. HSS mit all den kleinen Problemen oder vermeintlich sicheres Arbeiten mit Lichtreduzierung durch Graufilter? Die ideale Lösung gibt es allerdings noch nicht, außer Arbeiten mit Zentralverschlussobjektiven. Und das wird teuer. Vielleicht findet sich künftig eine gute Lösung mit einem leistungsstraken Blitz, der all diese Schwächen unter Verwendung einer Softbox meistert und kurze Verschlusszeiten bei großer Blendenöffnung zulässt.

  8. Wegen Fokussierung: hier kann es gerade für den diesbezüglichen „Anfänger“ einfacher sein, den Live-View Modus zu benutzen. Dann wird das Bild auf dem Display hell genug, und man kann problemlos fokussieren (ist halt langsamer usw.).

    Frank: da kannst du aber in schwierige Bedingungen stossen. Guck dir das Beispiel von Martin & Marc an: Verschlusszeit war 1/125s. Jetzt 5 Blenden dazu, und du müsstest schon mit 1/4000s fotografieren. Bei der 6D wärst du jetzt schon am Anschlag, und bei anderen Kameras hast du auch nur noch 1 Blende Luft nach oben. Es muss jetzt nur noch ein klein wenig heller sein, und schon stehst du da. 🙂 Nene, Graufilter haben schon ihre Daseinsberechtigung, weil man einfach mehr Luft nach oben hat.

    Grüssle
    Pino

  9. Hmm, vielleicht verwechsle ich HyperSync mit SuperSync. Bei dem normalen HyperSync-Verfahren kann ich die Leistung des Blitzes sehr wohl regulieren und das sieht man auch im Bild. Ich mache das seit mehr als einem Jahr outdoors fast nur so: Elinchrom Quadra per PocketWizard FlexTT5 und MiniTT1 auf einer Canon 5D-II. Zeiten bis 1/4000.

  10. Das macht sowas von Lust es auszuprobieren! Tolle Bilder.
    Ich als Strobisten-Anfänger habe noch kein großartiges Equipment, außer demnächst einen zweiten Blitz (YN-568EXII), sowie die genialen Funktransceiver YN-622C und ein paar Graufilter, jedenfalls aber keinen Porty.
    Trotzdem möchte ich gern in die Richtung ausprobieren.

    Frage bzgl. der Yongnuo Transceiver: welche günstigen Lichtformer kann man damit verwenden? Ich dachte erst an sowas wie den Mettle Beauty Dish 42cm, oder vielleicht eine mittelkleine Softbox, so 50 oder 60cm.
    Aber die Transceiver sind ja doch seeeeehr lang und klobig, und trotz der Vorwarnung, dass diese 9 cm lang sind, habe ich mich beim Auspacken doch etwas erschrocken.

    Habt Ihr Erfahrungen damit? Im eBook „Lichtformer für Aufsteckblitze“ wurden ja viele Geräte getestet, aber über die Verwenbarkeit der YN-622c steht da nichts, oder? Dennoch habt Ihr diese Teile ja als quasi genial beschrieben, Martin. Kannst Du mir etwas raten?

    1. Kleiner Nachtrag: ich suche den Lichtformer für Outdoor. Für Indoor würde mir erstmal ein günstiger Durchlichtschirm reichen, ich habe aber ohnehin nicht viel Platz in der Wohnung zwecks Aufbau eines Lichtsetups.
      Also bitte in dieser Richtung antworten. Z.B. würde mich brennend interessieren, ob jemand evtl. auch schon die YN-622C zusammen mit der SMDV Firefly Pro Beauty Softbox 60 cm ausprobieren konnte.

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