21.12.2013    1

DOPPEL AUFSTECKBLITZ SOFTBOX VERTIKAL SETUP

21. Dezember 2013 | Lichtsetups, Photoschool

Neues Bild, neue Erklärungen für alle Aufsteckblitzer. Heute geht es um die Arbeit mit Aufsteckblitzen in deren Paradedisziplin. Es geht um das LOW-LIGHT-Blitzen. Kaum andere Blitze kommen so weit in der Leistung runter und können sich damit so gut an sonstige Dauerlichtquellen anpassen wie eben Aufsteckblitze.

Das ist bereits ein wichtiger Gedanke den es gilt bei der Arbeit mit Aufsteckblitzen im Hinterkopf zu behalten. Denn die richtige Ausrüstung ist nicht immer richtig und im Gegenzug, bei der richtigen Situation eingesetzt kann die richtige Technik eben den wirklich entscheidenden Unterschied ausmachen. Man kann eben nicht alles in jeder Situation einsetzen sondern die besten Ergebnisse bekommt man, wenn man die Ausrüstung so benutzt, wie die Ausrüstung benutzt werden möchte. 🙂

In unserem Falle waren wir in einem Fotostudio mit zwei stylischen Zimmerlampen. In der Zimmerlampe jeweils eine 40-60 Watt Glühbirne. Also nicht viel Leistung. Und wir haben die Blitze genutzt um das Model vor diesen beiden Lampen in Szene zu rücken. Hier ein Foto der Zimmerlampen von oben „reinfotografiert“. Deutlich zu erkennen die eine einzige Glühbirne in der Mitte.

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Arrangiert haben wir die beiden Lampen im Hintergrund des Zimmers. Warum, dazu kommen wir noch. Wie man auf dem Bild unten deutlich erkennen kann ist der Raum ausschließlich im Hintergrund erleuchtet. Das Motiv und der gesamte restliche Raum sind stock dunkel.

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Und genau an dieser Stelle wären wir schon bei einem großen Problem der Arbeit in LOW-LIGHT Situationen angekommen. Das Problem: es gibt kein wirkliches Licht zum fokussieren. Man sieht einfach nix als Fotograf. Und wenn man Licht anmacht, dann verliert man seine Lichtstimmung. Man braucht es also auf dem Modell dunkel, dann sieht man aber nichts. Sowas, würde ich jedenfalls sagen, ist eine Zwickmühle. Und aus dieser Zwickmühle kommen wir nur mit einem kleinen Trick heraus.

In den nachfolgenden Making-Of Fotos hier im Blog haben wir das Putzlicht im Raum angemacht. Zwangsweise um überhaupt etwas zeigen zu können. Fotografiert haben wir ohne das Putzlicht, nur mit den beiden Leuchten im Hintergrund.

Wir lassen das Licht abgeschaltet, wir halten uns die Lichtstimmung wie gewünscht, verzichten darauf das Posing des Models wirklich großartig sehen zu können und nutzen für den Fokus der Kamera ein Fokus-Hilfslicht. Jeder Aufsteckblitz hat ein solches Fokus-Hilfslicht und damit kann man selbst in tiefster Nacht toll und präzise fokussieren. Das Problem mit dem „nix sehen“ beim Posing kriegen wir aber nicht gelöst. Sonst müssten wir komplett auf Dauerlicht wechseln.

Wir haben aber die beiden Leuchten absichtlich in den Hintergrund gestellt. Damit erhalten wir perfekte Schärfe im Vordergrund durch das Blitzlicht und nur die Stimmung im Hintergrund über das Dauerlicht.

Und jetzt gibt es einen kleinen Gedankensprung. Wir kommen nämlich erstmal zum Lichtsetup und dann erst wieder zurück zum Aufsteckblitz auf der Kamera.

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Wir haben eine vertikale Doppelbox gebaut. Einmal eine große Box oben, einmal eine kleinere Box genau drunter. Dazwischen im Spalt die Kamera. Die größere Softbox oben war eine 60x60cm Quenox-Faltsoftbox und drunter war die gleiche Box in 40x40cm. Mit dieser Kombination bekommt man eine Art Lichtwand um die Kamera herum. Man bekommt glamouröses Licht von vorne auf das Model und das Licht nimmt nach hinten im Hintergrund stark ab. Somit vermischt es sich also nicht mit dem Drumherumlicht.

Der Knackpunkt im fertigen Foto liegt neben der richtigen Positionierung auch dann noch in der perfekten Ausbalancierung der Leistungen. Man hat zwei Blitze die jeweils getrennt gesteuert werden können und über diese beide Balancen kann der Bildlook stark verändert werden.

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Das Licht von oben haben wir als Hauptlicht gesetzt und das Licht von unten spielt bei uns nur eine Nebenrolle. Und zwar als Aufhelllicht. Erkennen kann man das an der Aufteilung der Leistung der Blitze. Wir haben oben einen YN560I genutzt und unten einen YN460II. Der 460er ist deutlich kleiner und schwächer. Beide Blitze standen auf 1/64. Bei der unterschiedlichen Ausgangsleistung ist aber ein gleicher Wert am Blitz trotzdem eine unterschiedliche Ausgabeleistung. Schätzungsweise kommt unten halb so viel Leistung raus wie oben. Die Boxgröße hat auf die effektive Leistung keinen großen Einfluss (wer wissen will warum, der soll an dieser Stelle einfach mal unser kostenloses eBook zu den Lichtformern lesen!)

Wir wollten ja zukünftig auch mehr über Verwendungsgründe und Hintergedanken zum eingesetzten Licht schreiben. Und damit fangen wir auch direkt an. Wir haben dieses Setup genutzt, weil wir erst angefangen haben wir mir einem Blitz. Der eine Blitz stand am Anfang noch relativ weit oben und weit weg von der Kamera. Schnell haben wir aber gemerkt, dass wir zu viel Schatten auf dem Model hatten. Das Herumwälzen und das Kreuz-Und-Quer hat war im Posing zu unkontrollierbar. Wir hatten zu viel Schatten im Gesicht und konnten den Schatten nicht wirklich bestimmen. Auch durch das fehlenden Einstelllicht der Blitze.

Also haben wir eine Position gesucht, die eben weniger kritischen Schatten erzeugt. Und genau das ist eben die Position über der Kamera. Dort werden nämlich alle Schatten nach hinten projiziert und sind kaum sichtbar. Das Licht so nah an der Kamera garantiert Sichtbarkeit des Motivs. In jeder Situation.

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Schlagen wir den Bogen zurück zum Aufsteckblitz auf der Kamera. Der Blitz war nämlich nicht nur wichtig für den perfekten Fokus sondern auch um die beiden anderen Blitze auszulösen. Auf den Bilder sind zwar noch Funkempfänger unter den Blitzen zu sehen, aber die haben wir garnicht eingesetzt. Wir haben die Blitze im S1-Modus gehabt. Das ist der Servo/Slave-Modus. Damit zünden die Blitze in den Softboxen mit einem anderen Blitz. Und dafür hatten wir dann den Blitz auf der Kamera nach oben geklappt und mit einem fest eingestellten Wert von 1/128 die beiden Blitze ausgelöst. Weil aber die 1/128 immer noch so stark waren, dass der gesamte Raum erhellt wurde, haben wir mit Klebeband den Blitz weiter abgeklebt. Damit kam wirklich nur noch sehr wenig Licht aus dem Blitz. Gerade genug um die Blitze oben und unten auszulösen, nicht zu viel um das Licht im Raum zu streuen.

Ja, eine andere Option ging damals nicht.

Heutzutage würde ich die Situation mit YN622 Funkauslösern regeln. Die haben ein eingebauten Hilfslicht für den Fokus und können auch gleichzeitig Blitze auslösen. Eine andere Option wäre auch damals schon gewesen über die ETTL Funktion der Canon-Blitze zu gehen. Wir hatten aber einfach keine 3 Blitze von Canon dabei :-)… Also war das einfach die einzige Lösung für uns! Und wir haben eben die Bilder so auch gemacht. Als Fotograf hat man nicht immer perfektes Drumherum. Meistens hat man das Gegenteil! 🙂

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Jetzt können wir uns aber endlich auch die fertigen Fotos angucken. Zu sehen sind verschiedene Entwicklungen aus den Rohdaten der Kamera. Farbe, schwarzweiß, kontrastreich und kontrastärmer. Für jeden Geschmack etwas mit dabei.

TECHNICAL Vergleich FotosTECHNICAL Vergleich FotosTECHNICAL Vergleich Fotos

Lieben Gruß

Martin & Marc

Kommentare (1)

One thought on “DOPPEL AUFSTECKBLITZ SOFTBOX VERTIKAL SETUP

  1. Hallo,

    wie immer ein sehr interessanter und informativer Beitrag. Es gibt nur bei einem solchen Setup ein Problem auf das man vielleicht aufmerksam machen sollte. Wenn man Lichtquellen mit unterschiedlichen Farbtemperaturen verwendend ist der Weißabgleich etwas schwieriger. Das muss nicht unbedingt störend sein, weil die Lampen etwas gelblicher wirken wenn man den Weißabgleich auf den Blitz einstellt, kann aber auch schon mal zu unschönen Mischlichtsituationen führen. Abhilfe schaffen hier eine orange Konverterfolie vor den Blitzen, die die Farbtemperatur der Blitze an die der Lampen anpasst.

    Gruß und schöne Weihnachten

    Alex

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