13.12.2009    15

LICHTSETUP: IN DIE ZANGE NEHMEND

13. Dezember 2009 | Lichtsetups

Ein wahnsinnig wichtiges Setup für jeden Fotografen ist das klassische „vertikale Zangensetup“. Vertikales Zangensetup klingt ziemlich spannend und wahnsinnig schwierig. In Wirklichkeit ist es aber eines der einfachsten Setups überhaupt. Schauen wir uns direkt das fertige Foto an.

 Vergleich Fotos

 

– click on image to enlarge –

Ein klassisches Portraitsetup. Der Grund dafür ist einfach. Eine Zange kann man nicht auf zwei Meter aufbauen sondern eben sehr gut um das Portrait. Damit hätten wir aber schon wieder einen Schritt zu weit erklärt, denn wir müssten ja erstmal klären, was eine Zange ist, und warum, wie und wo diese eingesetzt wird.

Setup HOW TO Tutorial Photo

Auf dem Foto sieht man deutlich, dass wir eine Lichtquelle für dieses Setup brauchen. Eine Hauptlichtquelle genau überhalb des Modells und darunter ein Reflektor. Die Zange wird also gebildet durch das Hauptlicht und den Reflektor von unten. Der Fotograf nimmt dann den Platz zwischen den Lichtquellen ein und fotografiert hindurch.

Weil die Lichtquellen genau von oben und unten auf das Modell treffen, bekommt man ein Zangenlicht auf vertikaler Ebene. Von oben und unten eben.

Setup HOW TO Tutorial Photo

Setup HOW TO Tutorial Photo

Das wichtige an der ganzen Sache ist die Verteilung von Hauptlicht und Aufhellung. Also die Leistungsverteilung. Das Verhältnis beider Lichtquellen bestimmt die Art des Looks.

Welche Kombinationen können wir uns denn vorstellen?

  • 1:1 – Damit hätten wir eine gleichmäßige Ausleuchtung ohne Schatten unter Kinn oder Nase. Von oben kommt genauso viel Licht wie von unten. Ein silberner, sehr lichtstarker Reflektor so nahe wie möglich am Modell, fast schon an den Rändern des Fotos zu sehen.
  • 3:2 – Ein leicht schwächeres Licht von unten. Hinzubekommen mit einer silbernen Beschichtung des Reflektors, relativ nahe am Modell. Damit bekommen wir einen sehr sehr weichten, schattenlosen Lichtwurf, trotzdem noch erkennbares Hauptlicht von oben.
  • 2:1 – Eine Blende weniger Licht von unten als von oben. Damit hätten wir deutliche Schattenwürfe auf dem Gesicht. Da brauchen wir einen weißen Reflektor, relativ nahe am Modell.
  • 3:1 – Der weiße Reflektor weiter entfernt gibt dann eine ganz ganz schwache Aufhellung von unten. Damit haben wir einen kompletten Hauptlichtlook von oben. Der Reflektor schützt gerade noch die dunklen Bereiche vom „Absaufen“.

An dieser Struktur erkennt man deutlich, dass die Aufhellung ja niemals stärker als die Lichtquelle sein kann. „Gleichstark“ geht theoretisch auch niemals, praktisch ist das fast aber dem gleichzusetzen. Über Entfernung und Beschichtung regelt man die Stärke des Effekts.

In unserem Beispiel haben wir einen weißen Reflektor in mittlerer Entfernung verwendet. Das resultierende Verhältnis war zwischen 3:2 und 2:1… deutliches Hauptlicht von oben aber kaum Schattenwürfe.

Je nach Charakteristik kann man dabei auch das Hauptlicht härter oder weicher nehmen. Je weicher das Hauptlicht wird, umso weniger ist eine Aufhellung nötig.

Daher meine Empfehlung: Ein sehr weiches Hauptlicht, dafür umso höher und steiler von oben auf das Modell. In unserem Falle ein 85cm Schirm weit über dem Modell. Auf dem nächsten Foto sieht man deutlich, dass die Unterkante des Schirms über Kopfhöhe liegt.

Setup HOW TO Tutorial Photo

Damit hätten wir nun ein wirklich wirklich wichtiges Setup erklärt. Absolut essentiell sind bei der Ausführung zu beachten:

  • Absolut mittiger Aufbau von Lichtquelle und Reflektor.
  • Kaum Veränderungen über die Entfernung von Reflektor (keine Schwankungen)
  • Modell festzemmentieren!!!!

Das Foto wurde übrigens bei MICHAEL QUACK im Visual Pursuit Studio gemacht.  Und für alle die noch mehr Infos wollen. Das Foto wurde mit einem Aufsteckblitz gemacht. Die Leistung am Aufsteckblitz, einem 580 EX II von Canon stand auf 1/128 +0,7. Das ist fast die geringste mögliche Leistung an einem Aufsteckblitz, viel weniger als ein normaler Studioblitz jemals gehen könnte/würde.

Und als zweites verstecktes Feature gibt es da noch die wendete Auslösetechnik. Wir haben beim Shooting das YONGNOU-Set verwendet. Günstig und einfach einen Aufsteckblitz zünden. Sieht man deutlich auf dem Foto!

Setup HOW TO Tutorial Photo

So, dat war es auch schon… jetzt seid ihr schon wieder schlauer… das Setup ist ein absoluter Evergreen und wird seit JAHRTAUSENDEN verwendet.

Kommentare (15)

15 thoughts on “LICHTSETUP: IN DIE ZANGE NEHMEND

  1. Servus… die Exifs waren komplett geraten, im Bild waren alle Exifs gelöscht. Da steht also nix von A-Modus drin, das war ebenfalls geraten (dachte du machst vielleicht ne TTL-Demonstration). Statt über die Exifs solltest du dir jetzt also Gedanken machen, ob du schon zuviel über dich verraten hast, dass „Fremde“ dich schon so durchschauen können (ISO, Objektiv, Blende, Verschlusszeit, Blitz) ^^ Den Reflektor hätte ich (im Bild) nicht erkannt… Jetzt frag ich mich aber, wie in dem steril weißen Studio so ein beiger Hintergrund entsteht o_O

    1. Zu viel verraten… neeeeee…. solange bei Workshops noch solche Bilder mit Aufsteckblitzen enstehen 🙂

      Also der Schirm war ca. 80 cm an ihrem Gesicht geklebt 🙂 Und ich hab den Schrim schon verbogen um fotografierne zu können….

  2. Ich widerspreche ja immer noch der Blitzschonung durch höhere ISO-Werte. Wenn ich den Blitz auf 1/1 laden lasse und dann auf 1/64 runterregle erfolgt anders als bei Studioblitzen kein „abblitzen“, die Kondensatoren sind also weiter voll geladen. Der Aufsteckblitz reguliert die Lichtmenge ja nicht über die gespeicherte Energie, sondern über die Abbrenndauer… es jagt also die gleiche Energie durch die Blitzröhre wie bei voller Leistung, nur wird der Stromfluss früher wieder unterbrochen. Ob die kürzere Belastung schonender ist als eine längere Belastung entzieht sich aber meiner Kenntniss. Sicherlich schont es die Akkus und ermöglicht somit mehr Blitze. Im gezeigten Beispiel wäre bei ISO 100 und entsprechender Blitzleistung von 1/32 +0,7 EV aber vermutlich deutlich dunkler geworden.

    1. Was wäre dunkler geworden…

      es geht weniger um die Kondensatoren als vielmehr die Blitzröhre… und das gehäuse… und die akkus… Wir machen immer so wenig wie irgendwie nur möglich und „ISO400 ist ISO100“ bei der 5D Mark II… jedenfalls auf A4 Sedkarten!

  3. Mal wieder ein super Setup, danke dafür 🙂

    Stichwort ISO400 : Ich lehne mich mal etwas weiter aus dem Fenster und behaupte, das bei allen „neueren“ DSLR (ich zähle meine D200 mal mit dazu 😉 ) ISO400 absolut UNPROBLEMATISCH bei DIN A4 ist, auch bei den kleinsten DSLR Modellen von Canon/Nikon

  4. Ups… „wäre der Hintergrund deutlich dunkler geworden“ wollte ich schreiben.

    Aber da ich schon auf die Krolop-Gerst-DVD warte, will ich jetzt gar nicht weiter stören 😉

    Ist jedenfalls ein feiner Beitrag zum Thema „less gear – more brain – better photos“.

    Wenn das Finanzamt die Bilder sieht, bekommt Herr Quack bestimmt die Kosten für das Studioequipment als „nicht notwendiges Betriebsvermögen“ aberkannt 😉

  5. Saustark Martin! Respekt. Tolles Licht und das mit nur einer Quelle! 🙂

    Ich versuche mich die ganze Zeit mit einem 110er Reflexschirm, aber bekomme keine so schönen Ergebnisse hin – wodurch unterscheidet sich der Durchlichtschirm gegenüber dem Reflex (außer das man „durch“ blitzt und beim anderen eben hinein)?

    Wie passt du deine Reflektoren an? Beim Dauerlicht kann man das ja sehr schön sehen, aber beim Blitzen?

  6. Das nenne ich mal Schmetterling. Ich würde meine D200 nicht zu den neuren DSLRs zählen und nehm lieber ISO 200 und 1/128. Habt ihr zufällig schonmal aufsteckblitz mit einer Dish getestet? Die würde sich doch auch perfekt für so etwas machen oder?

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Anzeigen