Freies Arbeiten mit Konzept // Planung vs. Spontanität

24. März 2016 | Einsteiger Fashion und Portrait, Lichtführung und setzung

Heute möchte ich etwas über Planung schreiben. Man sagt ja nicht ohne Grund, „Planung ist die halbe Miete“. Und genau so verhält es sich auch beim Fotografieren. Wir alle kennen einen unglaublich vollen Kopf während des Shootings. Unser Hirn arbeitet auf Hochtouren. Wo schneiden, wie framen, wie das Posing und wie steht überhaupt das Licht. Ist die Kamera richtig eingestellt und wird das Bild auch richtig fokussiert? Stimmt das Outfit und wann ist der richtige Moment für den perfekten Look? All das bringt uns zur 100% Belastungsgrenze und ohne vorherige Planung wird das Ergebnis niemals so perfekt wie es möglich gewesen wäre.

Und daher möchte ich heute auf dem Blog mal etwas von uns zeigen. Dabei handelt es sich nicht um einen Foto-Job sondern um ein freies Shooting mit der wundervoll bezaubernden Ella. Dabei picken wir uns gezielt die Planungen heraus in Punkto Outfit, Licht und Bildidee.

Im Vorfeld oder kurz vorher?

Offen bleibt dabei die Frage, ob man diese Planungen eher spontan im Vorfeld des eigentlichen Shootings macht oder wirklich die Planung chronologisch ins Vorfeld zieht und vielleicht schon Tage oder gar Wochen vorher Bescheid weiß. Sicherlich ist es für das Ergebnis besser, je früher die Planung gemacht wird und umso mehr sich der Kopf des Fotografen und des Models darauf einstellen können. Besorgungen können noch gemacht werden oder Kleinigkeiten noch aufgetrieben werden. Aber so wie es gewünscht ist, so klappt es nicht immer und manchmal kann man nicht Tage vorher alles fertig planen.

Im heutigen Beispiel hatten wir im Vorfeld mit Ella die ungefähre Richtung anhand von Stimmungsbildern und Beispielen abgesprochen und haben die konkreten Planungen vor Ort gemacht. Dabei lassen wir uns extrem viel Zeit und fangen erst relativ spät an mit dem Fotografieren. Im heutigen Beispiel haben wir insgesamt 5 Stunden zusammen gearbeitet und haben davon circa 3h vorbereitet/geplant, 1h fotografiert und 1h drumherum Quatsch gemacht.

„Das Scribble der Kreativität“

Was genau wurde jetzt also in den 3h vor dem eigentlichen Shooting gemacht? Was ist unter „spontaner Planung“ überhaupt zu verstehen? Die Antwort ist denkbar einfach. Es wird festgelegt was wie und wieso fotografiert wird. Und zwar gemeinsam mit dem Model und allen anderen am Shooting beteiligten. Sei es Visa, Styling oder auch Assistenz. Jeder hat und soll ein Wörtchen mitreden. Ganz anders als beim Kochen verderben in der Planungsphase viele Köche den Brei nicht. Sondern im Kreativen wird Input geschafften.

Es stehen also folgende Punkte auf der Toro-Liste:

  • Outfit
  • Posing, Mimik, Gestik
  • Message, Intention, Bildaussage
  • Licht-Idee
  • Reihenfolge

Bevor auch nur ein einziges Foto wirklich fotografiert wird, hat sich das Model circa 100 mal umgefühlt und gefühlte 1000 mal die gleichen Sachen in unterschiedlichen Kombinationen angezogen. Jedes gute Outfit, jede passende Idee wird dabei mit einer kleinen Kamera festgehalten.

Auto-Foto vor weißer Wand reicht völlig

Einfach vor weißer Wand und eine auf P-gestellte Kamera mit indirektem Aufsteckblitz im TTL Modus. Das geht notfalls auch gut mit dem Handy.

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Die dabei entstehenden Fotos sind Test- und Sortierungsaufnahmen. Gerade das 2D Bild hilft bei Bewertung/Betrachtung. Am Körper sieht vieles Anders aus als auf einem Foto und man kann eine Wirkung im fertigen Foto viel besser einschätzen anhand eines tatsächlichen Fotos.

 

Auf Papier bringen

Schlussendlich entsteht dabei ein Sammelsurium aus „guten Outfits“ und die Bilder werden gesammelt auf den PC übertragen und einfach kurzerhand auf Papier gedruckt. Danach erfolgt am Papier die Sortierung und Kreativphase mit Stift und Kaffee. 🙂

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Ideen werden skizziert und wie man oben sieht, schreibt man sich auch mögliche Optionen im Outfit auf. Besonders wichtig ist für uns dabei auch die Reihenfolge. Denn man möchte sich ja auch Arbeit sparen und nix doppelt und dreifach aufbauen. Dabei wäre es dann sinnvoll den gleichen Hintergrund oder die gleichen Lichtquellen hintereinander zu verwenden und nicht alles doppelt und dreifach aufzubauen.

In unserem Beispiel haben wir z.B. erst das restliche Tageslicht genutzt und sind erst später dann ins Studio gegangen um der Dunkelheit zu entfliehen. Zudem haben wir die meisten Outfits in verschiedenen Optionen fotografiert.

Versucht auch gezielte Gedanken zu machen über Schnitt, Posing, Motiv und Wirkung. Soll es ein freundliches Bild werden oder ein sinnliches. In Kamera gucken oder eher sinnlich weg schauend… alle Gedanken kommen als Papier aber OBACHT! nicht wilde Gedanken sondern gezielte Gedanken für EIN EINZIGES, fertiges Foto.

In professioneller Form?

Wer das Ganze in etwas professionellerer Form nutzen möchte, der sollte sich die Wacom App angucken. Für iPad kostenlos kann man damit Zeichnungen und Scribbles digital erstellen. Wir haben dazu schon einen Blogvideo gemacht.

Fehler VORHER ausmerzen!

Planung ist deshalb so wichtig, weil es Strukturen bildet und Zeit lässt Gedanken zu verfestigen. Entscheiden wir bei einem Fotoshooting einzig und allein aus dem Gefühl und der spontanen Kreativität, dann entscheiden wir oft falsch.

Es gibt „spontane Kreativität“ und „geplante Kreativität“. Am Besten ist eine Mischung aus beidem und niemals nur eine Form der Kreativität. Viele Fotografen verlassen sich aber zu sehr auf die spontane form der Kreativität. Völlig in Ordnung in Umgebungen, in denen der Fotograf wenig abgelenkt ist. Hat der Fotograf aber die absolute Entscheidungsmacht über sämtliche Details und Inhalte, vom Outfit über das Posing, das Licht, die Lichtformung, die Stimmung und die Wirkung, dann ist die spontane Kreativität oft arg in den Hintergrund gedrückt oder schlichtweg überfordert.

Fazit

Ein einfacher Zettel an der Wand mit 6 Outfits, Bildideen und aufgeschriebenen Gedanken kann helfen sich deutlich mehr auf das Foto zu konzentrieren. Nebeneffekt dabei ist zudem, dass halbgute Ideen vorher aussortiert werden und man sich mit dem gesamten Team mehr auf die Arbeit konzentrieren kann. Und übrigens macht das Umziehen den meisten Mädels jedenfalls noch super viel Spaß.

Schaut euch doch einfach mal die fertigen Fotos an. Diese Bilder sind in circa einer Stunde Shooting mit Ella entstanden. Die Ideen oben dazu seht ihr ja auf dem Scribble.

Viel Spaß beim Planen absofort…
Euer Martin

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Kommentare (3)

3 thoughts on “Freies Arbeiten mit Konzept // Planung vs. Spontanität

  1. Danke, diese ist eine wertvolle Info. Aber das Shooting selber kann aber einfach nur gelingen mit so einem tollem Model wie Ella.
    Mit der Aussage welche Einstellung und Posen wie das Licht sollte schon im Kopf sein. Denn ein Bild entsteht im Kopf. Die Kamera hilft dem Fotografen es nur umzusetzen.

    Die Fotos sind schon ein Hingucker.

    Gruß Rainer

  2. Ein spannender Beitrag. Ich arbeite selbst sehr viel mit Vorabplanung um am Set effektiv meine Ideen umzusetzen. Bisher habe ich mir für das von Dir beschriebene Vorgehen wenig Zeit genommen. Ich finde Deine Anregungen super und werde zukünftig beides kombinieren um noch bessere Ergebnisse zu erhalten. Danke für den tollen Tip.

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