25.1.2012    13

EINSTEIGER: WEITWINKEL

25. Januar 2012 | Einsteiger Fashion und Portrait

Das heute Posting mag auf den ersten Blick auf die Fotos nicht wie ein Anfänger-Tutorial wirken. Der Broncolor Senso Generator* ist ein absolutes Profiwerkzeug aber darum soll es heute garnicht gehen. Die Blitzausrüstung, die Kamera, das alles soll an dieser Stelle mal in den Hintergrund treten denn es geht heute um den Einsatz des Weitwinkels in Verbindung mit Fotografie von Menschen. Und damit meine ich gerade keine Fotos wo sich irgendwo im Bild ein Mensch befindet sondern bei dem die Person der Hauptinhalt des Fotos ist das Foto möglichst füllt.

Also um dieses Thema ansprechen zu können, wollen wir an erster Stelle mal das Foto zeigen, dann im Abschluss schauen wir darauf wie das Foto gemacht wurde und dann kommen wir direkt zum Weitwinkel-Thema. Denn für alle, denen das Weitwinkelthema schon bekannt ist, die können evtl. am Setup vorab etwas lernen und sich neu inspirieren lassen. So lernt jeder heute etwas dazu.

Also, hier ist das Foto! Heute mal etwas mehr Sexappeal.

TECHNICAL Vergleich Fotos

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Man sieht den Einsatz des Weitwinkels schon extrem! 🙂 Sehr extremer Shot! Und jetzt möglichst kurz und knackig wie das Foto gemacht wurde. Wir beginnen mit einer Übersicht des Zimmers. Wir waren in einer unglaublich kleinen Suite und hatten dazu noch mit den Schrägen zu kämpfen.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Genutzt wurde ein Blitzkopf und eine Pulsoflex 140 x 80 cm Softbox. Also ordentlich große Lichtquelle und daher musste der Generator in diesem Falle auch auf ganze 600Ws hochgefahren werden.

(10 ist die maximale Leistung am Senso mit maximal 1200Ws und 9.0 bedeutet dann gleichfalls eine Reduktion der maximalen Leistung um eine Blende. Das entspricht dann genau 600Ws.)

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Aufgrund der räumlichen Enge waren wir gezwungen die Softbox im Hochformat zu positionieren. Nach links und rechts und oben und unten war einfach absolut kein Platz mehr! Wir haben also die maximale Größe der dortigen Location genutzt.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Auf dem Übersichtsbild hat man sofort erkannt, dass der Platz für den Fotografen mit dem Einsatz der großen Softbox sehr beschränkt wurde. Im Endeffekt bleibt nur der kleine Raum vor der Softbox und ganz nah drumherum übrig. Und genau von dort haben wir auch fotografiert. Wir haben uns vor die Softbox gekniet.

Auf der Übersicht erkennt man die Positionen und die Kameraeinstellungen!

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Und ein weiterer Aspekt wird offenbart. Es wurde ein 12-24mm Objektiv verwendet. Und das an einer APS-H (Crop 1.3) Kamera. Im Endeffekt also Ultra-Extrem-Turbo-Weitwinkelobjektiv. Mehr Weitwinkel ist schwer bis garnicht möglich. Das besondere an dem eingesetzten Objektiv ist, dass es kein Fishauge ist. Es ist ein „möglichst entzerrtes“ Weitwinkelobjektiv.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Und da fragt man sich doch direkt, wer so ein 12-24mm Objektiv überhaupt baut. Und die Antwort ist sehr einfach, denn entweder man kauft ein Nikkor Objektiv oder eben ein Sigma 12-24mm*. Und genau das Objektiv haben wir auch eingesetzt. Ein Sigma Ultra-Weitwinkel für Canon-EF Bajonett*. Aufgenommen haben wir das Bild an der maximalen Stellung bei 12mm.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

So haben wir also das Foto gemacht. Distanzen von maximal 80-90cm von Kamera zu Modell zu Lichtquelle zu Schrank. Im Endeffekt wäre mit „normalen“ Objektiven in dieser Location nur ein Close-Up Portrait möglich gewesen. Wir haben einen glamourösen Ganzkörpershot erstellt und zudem sieht das Bild noch unglaublich extrem ungewohnt aus und auch wenn „extrem“ nicht zwangsweise toll sein muss, bei diesem Bild fesselt die Optik und gibt dem Bild einen ganz besonderen Style.

TECHNICAL Vergleich Fotos

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Was genau ist denn so interessant an einem Weitwinkel-Objektiv?

  • Die Masse an Informationen auf dem Bild. Man bekommt mehr Location als gewöhnlich auf ein Foto.
  • Die Verzerrungen die sowohl die Nähe zum Motiv herstellen als auch die Räumlichkeit herstellen.
Und genau darum ist ein Weitwinkel-Objektiv in der Peoplefotografie ein Muss. Ok, vielleicht nicht zwangsweise 12mm aber warum nicht gleich richtig? Es geht um den Bildlook der damit vermittelt werden soll. Schaut euch nochmals das Bild oben ganz genau an und fragt euch beim Betrachten, wo genau ihr den Eindruck bekommt im Bild, im Zimmer, vor der Frau zu sein? Was sagt euch das Bild? Es schreit förmlich heraus, dass ihr mit im Zimmer seit. Ihr seit keine Spanner sondern mit dabei (sozusagen!). Der Bildbetrachter wird durch den extremen Weitwinkel ins Bild integriert.
Es gilt also Brennweite ganz gezielt einzusetzen. Nämlich nach dem entsprechenden Verwendungszweck. Vergesst Aussagen wie „85mm für gute Portraits“. Sowas ist Schwachsinn. Es gilt die Frage, wo ihr den Bildbetrachter hinpacken wollt. Was soll er sehen und wie soll er das Gesehene warnehmen.
Natürlich gibt es Verzerrungen bei Weitwinkelobjektiven. Sonst wären es ja keine Weitwinkel. Die Sichtweise wird naturgemäß eben gestreckt oder verzogen um auf einen flachen Bildsensor zu passen.  Aber genau das muss ebenfalls kein Weltuntergang sein. Wir haben oben ein Foto, welches das beste Beispiel dafür ist, dass Verzerrungen auch extrem toll und faszinierend sein können. Nämlich die Beine der werten Dame, die schießen förmlich in den Himmel.
Warum? Weil der Randbereich des Bildes gestreckt wird. Schaut euch diesbezüglich mal die nächste Skizze an.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Auf der Skizze finden sich viele harte Fakten die man sich merken sollte.

  • Die roten Striche teilen das Bild in Drittel und symbolisieren die Grenze an denen die extremen Verzerrungen anfangen. Das heißt, alles über und unterhalb der Drittelgrenzen wird extrem verzerrt. Die Mitte hingegen ist relativ normal dargestellt.
  • Der orangene Bereich kennzeichnet den generell recht unkritischen Bereich was Verzerrungen angeht. In diesem Bereich werden Objekte / Menschen relativ natürlich dargestellt.
  • Das blaue Strichmännchen kennzeichnet eine sehr positive Positionierung eines Menschens im extremen Weitwinkel. Platziert man den Kopf gerade an der Grenze zur Verzerrung und die Beine sehr stark an den Bildrand, dann erreicht man, dass der Körper noch möglichst natürlich dargestellt wird, die Beine hingegen werden stark gestreckt. Den oberen Bereich muss man jedoch leider zwangsweise leer lassen. Da bietet sich aber an das Bild nachträglich zu beschneiden.
Damit hätten wir jetzt wirklich einige handfeste Infos zum Thema Weitwinkel bei der Menschenfotografie geklärt. Versucht es doch mal ganz gezielt. Spielt mit Blickwinkel und Perspektiven aber eben auch mit Brennweiten und versucht damit Bildwirkungen zu erzielen. Es geht dabei nicht nur um das was zu sehen ist, sondern das wie man es sieht. Was denkt jemand, der das Bild sieht? Wo positioniert er sich selbst als Betrachter?

Martin & Marc

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Kommentare (13)

13 thoughts on “EINSTEIGER: WEITWINKEL

  1. Hallo Martin und Marc,

    Der Zufall hat es so gewollt das ich am letzten Samstag mein Weitwinkel

    17-35 2,8 bewußt bei 17mm Vollformat in der Peoplefotografie eingesetzt habe. Nebendem zuvor beschriebenen ist mir auch aufgefallen das man jenachdem wie die Kamera in der Höhe zum Model positioniert ist mit der Neigung der Kamera zur optischen Achse das ganze auch Steuern kann.

    Der Artikel kam gerade zur richtigen Zeit.

    VG Hans-Peter

  2. Mal wieder ein sehr schöner Beitrag, wie immer gute Arbeit.

    Der Porti sieht ja mal stylisch aus; dagegen wirken meine Ranger RX ja richtig altbacken 🙂

  3. Hi,

    wie immer tolle Fotos! wobei ich zustimmen muss das der Look schon sehr extrem bzw speziell ist was ich jetzt nicht negativ meine. Mich würde mal interessieren was das für ne Art Shooting war…Auftrag? Sedcard? eigenes Projekt oder so?

    LG Chriss

  4. Sehr geil!

    Habe & Liebe dieses Objektiv! Allerdings habe ich es selten auf Menschen gerichtet, da es am Vollformat echt schwer zu bändigen ist! Aber habt ihr sehr genial gelöst!

  5. Endlich finde ich mal einen vernünftigen Beitrag zum Thema „Peopleshooting mit 12mm“. Lange musste ich suchen, da ich genau diesen als Kaufentscheidung für mein M.Zuiko 12mm gesucht habe.
    Vielen Dank Martin und Marc!

    Gruß
    Oliver

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