EINSTEIGER: NACH EIGENER SCHNAUTZE

2. Juni 2011 | Einsteiger Fashion und Portrait

Im Zuges dieses Artikels HIER, machen wir heute weiter mit einer sehr wichtigen Grundlage für jeden Fotografen weiter. Egal ob Berufsfotograf und gegen Bezahlung für Fotoaufträge engagiert oder Hobbyfotograf, es bleibt die Frage: WIE SOLL ICH FOTOGRAFIEREN. So dass es mir gefällt, ohne Rücksicht auf Verluste und andere Meinungen oder eben so, dass andere die Fotos toll finden?

Und genau mit dieser Frage werden wir uns heute beschäftigen. In diesem Blogpost wird es kein Foto geben, es wird nix über Technik zu lesen sein, es geht rein um die Thematik ob man sich als Fotograf geschmacklich nach anderen Meinungen richten MUSS/SOLLTE oder es eben nicht darf.

Ich möchte euch diesbezüglich zwei kurze Erlebnisse von mir erzählen. Angefangen mal mit der nichtkommerziellen Variante.

  • Als ich ungefähr 3-4 Monate fotografiert, hatte ich die Chance ein Modell zu fotografieren, was auf meiner internen TODO-Liste ziemlich ziemlich weit oben stand. Ich hatte mir damals gar nicht erträumt eine Nachricht und die Frage nach einer gemeinsamen Zusammenarbeit zu bekommen. Natürlich war ich noch ziemlich unsicher, aufgeregt und machte mir viele viele Gedanken über das anstehende Fotoshooting. Und natürlich hatte ich eine Sache nicht mehr im Sinn: Meine bisher gemachten Fotos. Ich wollte alles anders und viel viel besser machen. Ich dachte mir, dass ich gerade nicht so „normale“ Fotos machen könne, wie ich sie bisher gemacht hatte. Denn bei so einem Topmodell wäre das ja viel zu wenig. Lange Rede kurzer Sinn, ich nahm mir vor, alles anders zu machen. BESSER! Und das tat ich dann auch… alles anders!
  • In der Zeit der ersten kommerziellen Aufträge ergab sich eine Chance für einen Designer zu fotografieren. Der Designer kam zur Besprechung zu mir, hatte Ideen und Vorschläge mitgebracht und es stellte sich beim Blick auf die Fotos heraus, dass eigentlich jedes erwünschte Foto so gar nicht meinem eigenen Style entsprach. Sogar noch extremer: Ich fand 99,9% der Vorschläge und Wünsche des Kundens absolut schlimm/schlecht/ekelhaft. Lange Rede kurzer Sinn, ich war jung, brauchte das Geld und nahm den Auftrag an.

Ich denke es ist schon klar was das Resultat aus beiden Erlebnissen war. Beides Mal ging die komplette Sache total in die Hose.

Beim Fotografieren mit dem „Topmodell“ war die Dame nachher maßlos enttäuscht, weil kein Foto im Endeffekt so aussah, wie sie es eigentlich wollte. Sie kam ja zu mir, weil meine Art Fotos zu machen und die daraus resultierenden Ergebnisse „ANSCHEINEND“ 🙂 faszinierend waren und mit meiner Art hatten die Fotos im Endeffekt nichts am Hut. Die Fotos waren nicht schlecht, aber einfach nur anders als zu erwarten gewesen wäre.

Der Designer wurde sogar aktiv enttäuscht denn ich war einfach nicht in der Lage Dinge zu fabrizieren, die mir so dermaßen gegen den Strich gingen, dass jede Auslösung im Kopf weh tat. Auch hier tat ich alles, nur nicht meinem eigenen Geschmack zu folgen.

Heute mache ich es komplett anders. Ich fotografiere nur noch, wie ich es möchte und wenn ein Kunde, ein Modell oder sonst wer das so nicht gefällt, dann bin ich wohl nicht der richtige Fotograf für den Job. Egal was da an Geld dran hängt, egal wie gut oder schlecht das Modell ist, darum geht es nicht. Es geht um die Tatsache, dass in der Fotografie die Kreativität das Bild macht. Hat man im Kopf etwas Anderes als seinen einen Sinn, dann macht es gar keinen Sinn überhaupt zu fotografieren. Dann kann man es gleich lassen.

Mein Tipp für euch also… macht rigoros nur noch was IHR selbst mögt oder gern habt. Schaut wirklich NULL-KOMMA-GARNICHT auf andere Meinungen während des Fotografierens. Fremdmeinungen sind gut, wenn man Zeit hat darüber nachzudenken, sie zu verarbeiten und sacken zu lassen aber niemals beim Fotografieren.

Belichtet wie es euch gefällt, ob zu hell oder zu dunkel, das ist völlig egal. Das Ergebnis zählt. Es gibt kein richtig und kein falsch, nur eure eigene Meinung. Und ganz ganz wichtig, wenn jemand Drittes zu euch kommt um Fotos zu bekommen, dann kommt diese Person ja genau wegen eurer bisherigen Fotos zu euch. Euch dann zu verändern, anzupassen oder etwas komplett neues zu machen ist gefährlich. In 99,9% der Fälle führt das eben zu Enttäuschungen und das sollte man verhindern. Und wenn man das tut, indem man einfach alles macht so wie es gefällt, dann ist es doch umso schöner.

Übrigens gilt das auch für die Bildbearbeitung. Ich habe auch noch Zeiten gekannt, da habe ich Bilder ohne konkrete Bezahlung nach fremden Wunsch bearbeitet und angepasst. Nachher war ich teilweise selbst nicht zufrieden mit den Ergebnissen, hätte lieber viel viel mehr oder viel viel weniger gemacht. Die Zeiten sind auch um. Wer Krolop & Gerst will, der kriegt auch Krolop & Gerst und nicht KFÜLOP & FÄRST.

Habt ein schönes verlängertes Wochenende…

Gruß

Martin & Marc

Kommentare (15)

15 thoughts on “EINSTEIGER: NACH EIGENER SCHNAUTZE

  1. „Schaut wirklich NULL-KOMMA-GARNICHT auf andere Meinungen während des Fotografierens. Fremdmeinungen sind gut, wenn man Zeit hat darüber nachzudenken, sie zu verarbeiten und sacken zu lassen aber niemals beim Fotografieren.“

    Alter Schwede…. ich bin ja Gott sei Dank in einer Situation wo ich viel Freiraum beim fotografieren bekomme. Aber mit so einer Einstellung würde ich nicht weit kommen.

    Weisst du was ich an dem Job liebe? TEAMWORK!!!! Ich mag es total wenn sich das Model oder der Rest des Teams mit einbringt.

    Gerade beim fotografieren kommt es oft vor das man etwas übersieht, ein Vorschlag ergänzt eine Bildidee usw.

    Die Empfehlung was du heute hier postest finde ich nicht gut.

    (Meine ich übrigens nicht böse und ich empfehle sicherlich auch viel was andere nicht mögen*g*)

    lg Calvin

  2. @ checker

    Hallo Calvin,

    ich glaub, da hast du den Inhalt des Postes falsch aufgenommen. Daher kurz ein paar Sätze um unsere Meinung richtig zu stellen.

    1. Teamwork ist prima aber das Team gilt auch nicht als Dritte Person. Wenn Martin fotografiert und Marc sagt etwas, dann gehört das mit zur „eigenen Meinung“. Es geht um AUßENSTEHENDE PERSONEN. Daher hatte ich ja auch geschrieben, wenn Krolop & Gerst Fotos machen, dann muss auch das raus kommen was Krolop & Gerst & Team eben immer rausbekommen.

    2. Stell dir vor ich möchte, dass du ein Foto machst, was anders geschnitten, anderes belichtet und anders gestylt sein soll, dann sollst du noch komplett anders bearbeiten und alles anders machen! Genau so, wie du es eigentlich nicht möchtest… denkst du das ist gut, denkst du, dass du deinen Kunden und oder dein Modell glücklich machen wirst oder wird es mehr Glückhormone geben, wenn du das machst, was du kannst und wie du es kannst.

    Also Zusammenfassung: Wenn ein Team da ist, dann sind die Leute im Team weil sich daraus eine gemeinsame Arbeit herausbildet. Dann ist die Meinung eben die des Teams. Das ist klar.

    Es geht in dem Post primär darum, dass man sich keine Meinung AUFZWINGEN lassen soll. Oder findest du das gut, wenn du nur noch gegen deine Meinung arbeiten musst?

    LG

    Martin

  3. Es gibt doch noch einen Mittelweg oder?
    Mit bischen Erfahrung und Feingefuehl sollte beide zufrieden zu bekommen sein.

  4. Wie im dazugehörigen Thema der Belichtung, ist auch dieser Artikel wieder richtig klasse geschrieben und jedem sei dies mal ans Herz gelegt, dass man die Bilder „FÜR SICH“ macht, seinen Stil/Art verfolgt und mit dem was man tut, einfach nur glücklich ist…egal was andere sagen.

    LG, Ronny

  5. so zum Thema „richtig“ belichten, hatte diesen Sonntag ein Shooting mit einer „Blackpearl“ Ich wie immer ein bisschen nervös und aufgeregt, hatte ja noch keine 100 Shooting’s sondern mein 4tes eigenes Shooting. Nun ich wollte ja auch die fehler der letzten Shootings nicht mehr machen, hab ich auch nicht, dafür einen neuen der so nicht hätte passieren dürfen. Habe doch alle Aufnahmen mit ISO 400 geschossen und nichts bemerkt wärend dem Shooting und der Bildkontrolle zwischendurch. Ja der „micro“Bildschirm an der 5D ist ja nicht so toll, aber hätte ich mal den Infoknopf gedrückt hätte ich es evtl. ja mal gemerkt. Zu 95% habe ich auf AV geschossen und da ist die ISO nicht oben auf dem Display angezeigt. Nun das wird mir nie mehr passieren, einfach an ISO,Blende,Zeit, wie der Martin immer zu pflegen sagt,denken dann passt’s.

  6. Hi!

    Ich kann dein Posting zu 100% unterschreiben. Ich habe auch lange dafür gebraucht, um das zu verstehen. Noch etwas länger dafür, um es um zu setzten.

    Jetzt bin ich so weit, das ich nur noch das mache, was ich will! Ich höre mir zwar Ideen und Wünsche an und versuche sie mit ein zu bauen – aber wenn es (mir) nicht passt, dann passt es nicht…

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