16.11.2011    25

EINSTEIGER: KAMERAPOSITION BEI GANZKÖRPER

16. November 2011 | Einsteiger Fashion und Portrait

Guten Morgen die Damen und Herren und willkommen zu einem neuen Beitrag aus der Reihe für den ersten Einstieg. Heute werden wir uns mal ein ganz besonderes Thema ansprechen. Nämlich die Position der Kamera in Bezug auf die Höhe respektiv zum Modell. Klingt kompliziert, ist es aber nicht wirklich.

Im Endeffekt kann man durch die Position der Kamera nämlich auch das Modell „formen“ und „transformieren“. Wir wollen das hier auch so einfach wie möglich machen und euch im Endeffekt nur vier Höhen zeigen, die wirklich empfehlenswert sind und dann noch zusätzlich einen No-Go-Bereich.

Schauen wir uns einfach einmal zwei Fotos an. Gemacht mit 50mm Brennweite und aufgenommen mit einem Höhenunterschied von nur 50cm. Wir sprechen in diesem Post also ausschließlich über die Höhe der Kamera vom Boden bzw. respektiv zu Modell.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Die gleiche Frau, gleiches Outfit, alles identisch und trotzdem schaut es unglaublich unterschiedlich aus. Der Größenunterschied scheint wahnsinnig zu sein. Während auf dem linken Foto der Oberkörper deutlich länger wirkt als die Beine am Körper, ist auf dem rechten Foto die Frau einfach nur schlank, groß und die Beine sind ewig lang… Trotzdem ist das Foto auf der rechten Seite absolut natürlich und die Frau wirkt nicht durch den Weitwinkel gestreckt oder verzogen.

Der Unterschied beider Fotos ist schon schockierend, denn die werte Julija gehört schon zu den schlankesten und grazilsten Frauen dieser Erde und auf dem linken Foto ist davon nix mehr zu sehen.

Wir machen es heute schnell und schmerzlos. Die Auflösung! Probiert es aus und macht eure eigenen Erfahrungen mit unserem nachfolgenden Tipp. Es gibt in der Peoplefotografie folgende empfehlenswerte Positionen:

1. Augenhöhe: Wie das Wort schon sagt ist diese Position eben auf Augenhöhe und so ist auch oftmals der Eindruck. Bitte diese Position nicht im Ganzkörperbereich einsetzen sondern ausschließlich im Portraitbereich.

2. Brusthöhe: Deutlich unter Augenhöhe fängt es an interessant zu werden! Der Körper wird deutlich ausgeglichener dargestellt.

-> Die für uns perfekte Position für Oberkörpershots!

3. Kurz unter Bauchnabelhöhe: Wir fotografieren auf Höhe der Körpermitte und damit haben wir auch die perfekte Darstellung von oben und unten.

-> Die für uns perfekte Position für Ganzkörper für Modelle die keine körperlichen Korrekturen benötigen!  

4. Hüfthöhe: In Hüfthöhe zu fotografieren streckt die Beine und verkleinert den Oberkörper.

-> Die für uns perfekte Position wenn die Beine gestreckt werden sollen.

Nachdem diese vier Punkte jetzt aufgezählt wurden, kann man direkt erkennen aus welchen Höhen die beiden Vergleichsfotos gemacht wurden. Natürlich einmal auf Augenhöhe und dann auf Hüfthöhe.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Der rote Bereich ist für uns eine relative NO-GO-Area und zwar bis auf den Moment in denen das Modell nicht mehr steht sondern tiefer ist. Z.B. sitzt oder liegt. Wenn man nicht wirklich Aufnahmen im Fetisch-Bereich machen möchte oder die Boden vor dem Modell mit all seinen Krabbeltierchen ablichten muss, dann ist diese Höhe für Kameras ohne Telebrennweiten so gut wie Tabu.

Das Komische an der Sache ist, dass die meisten Einsteiger denken, dass man als Fotograf auf dem Boden rumrutschen und als Lappen agieren müsste. Je krasser die Position umso krasser das Foto. So scheint die Denkweise zu sein. Wenn man nicht mit allen vieren auf dem Boden rumrobbt und wenn das Bauchliegen im Dreck nicht weh tut, dann wird es kein gutes Foto. Natürlich (das sei hier nochmals gesagt) gibt es keine Position die zwangsweise schlecht oder gut sein muss/wird, trotzdem gibt es aber auch keinen wirklichen Grund das Rumrobben gedanklich mit einem besonders guten Foto zu verknüpfen.

Wir selbst haben auch so fotografiert. In den ersten Monaten und haben uns irgendwie gewundert, warum da nicht wirklich anständige Peoplefotografie raus kam. Natürlich mag es eine Bildidee geben, in der möchte man dem Modell mit der Kamera von unten kommen und damit den Blick auf das erhabene Modell eröffnen. Trotzdem bleibt die Erkenntnis, dass sowohl Marc als auch ich in den letzten 19 Monaten nicht ein mal auf dem Boden lagen. Sitzt man sich mit dem Po auf den Boden, hält den Oberkörper aufrecht, so erlangt man gerade perfekt Position Nr. 4. Aber diese Position ist weit weg vom Boden.

Also um das Ganze hier nochmals zusammenzufassen. Was ist denn überhaupt die Aufgabe der Kameraposition?

Die Kameraposition muss nicht das Bild spannend machen. Das Motiv muss spannend sein. Die Kameraposition muss die Person in das beste Licht rücken und das bedeutet, dass das Modell (wir sprechen hier ja über Peoplefotografie) so vorteilhaft wie möglich dargestellt wird, aber noch natürlich bleibt. Ein schlechtes Foto wird nicht durch eine „krasse Kameraposition“ gut sondern bleibt einfach nur schlecht. Trotzdem kann die richtige Positionshöhe dafür sorgen, dass das Modell komplett anders wirkt.

 

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Seid versichert, es kommt hier auf wenige Centimeter an. Im Bild oben sehen wir, dass wir den Unterkörper nur um ein paar wenige Prozente verlängert haben. Diese wenigen Prozente machen aber einen dicken Unterschied und so kann der Unterschied von Augenhöhe zu Brusthöhe schon frappierend sein.

Trotzdem muss man abermals sagen, dass unsere NO-GO-Area niemals 100%ig ist. Ausnahmen gibt es eben immer und auch hier kann man niemals für ALLE FÄLLE sprechen.

Im Endeffekt vielleicht noch eine persönliche Erfahrung. Aus all den Monaten der Fotografie hat sich eine sehr unwissenschaftliche Erkenntnis in Sachen Höhe aufgetan. Und zwar tut die perfekte Höhe meistens doch tierisch weh. Aber nicht weil man am Boden rum rutscht sondern weil die Höhe sehr unangenehm zu fotografieren ist. Man kann weder knien noch richtig stehen. Es ist eine Höhe die sehr unangenehm zum Fotografieren ist, weil man sich auf eine Halbhöhe ducken muss und das tierisch in den Rücken geht. Also gilt irgendwie doch „wenns weh tut ist es richtig“ :-).

Das wars für heute, wir sind den ganzen Tag auf Achse… Praktikanten-Vorstellungsgespräche stehen an.

LG

Martin & Marc

Kommentare (25)

25 thoughts on “EINSTEIGER: KAMERAPOSITION BEI GANZKÖRPER

  1. Klasse. Wieder was gelernt. Aber eine Frage. Wenn ich auf Hüfthöhe shoote und vorher mit meiner 5d II mit dem mittleren Fokuspunkt die Augen anvisiere und zurückschwenke, komme ich doch bei einer grossen Blende wahrscheinlich in die Unschärfe. Oder nutzt Du bei der 5d II die äusseren AF Punkte? Eher nicht oder, ich sehe Dich in den Videos auch meistens schwenken. Bei Blende 8 der 11 im Studio kein Problem. Aber Outdoor will man ja doch gerne freistellen.

  2. Vielen Dank für den lehrreichen Beitrag.

    Ich gehe mal davon aus, das die Kamera(Sensor) immer parallel zum Objekt(Model) sein soll.

    Bin etwas über die „stürzenden“ (senkrechten) Fugen in den Beispielbildern irritiert.

    Das mit der unangenehmen Körperhaltung kann ich nur bestätigen… besonders wenn man selber groß und das Model klein ist. Dann muß man(n) auch schon mal auf die Kniee fallen :-)).

    Auf Events helfe ich mir, wenn möglich, mit einem Stuhl, auf den ich mich setzte.

    Gruß und viel Glück bei der Assistentensuche…

    taylor

  3. Ja das mit dem Rücken merke ich auch immer wieder! Irgendwie steh ich halbe Zeit im Shooting wie ein S in der Gegend rum um auch die richtige Höhe zu haben. Auf dem Boden robben ist da fast schon Luxus 😉

  4. Euch vielen Dank für den tollen Beitrag. Auch wenn ich schon einige Jahre im Portraitbereich tätig bin, schleichen sich doch immer wieder Kleinigkeiten ein, die „suboptimal“ sind 😉

    Da helfen solche Beiträge sehr, sich mal wieder auf die Grundlagen zu besinnen.

    Bitte mehr davon!

  5. Hi,

    Danke für die Tipps. Werde sie jetzt noch bewusster einetzen.

    Frage, kann es sein, dass ihr die beiden letzten Bilder vertauscht habt mit der Skalierung?

    Kommt mir irgendwie sovor, von wegen längere Beine und Winkel Schuhe in Bezug auf den Übergang Wand zum Boden.

    Nichts für ungut,

    Danke, dass es euren Blog gibt!

    Lg

    Mercju

  6. für nen Anfänger mega hilfreicher Tipp. Voll geil. Mir fällt es schwer eigene Schranken durchzubrechen, drum bin ich immer froh um solche Anregungen zum Ausprobieren. Danke

  7. Ahhhhhh, das hatte ich vor vielen Monaten mal mit dem Wunsch gemeint, mehr über Perspektive in der Peoplefotografie zu erfahren. Danke, dass ihr das Thema mit etwas Verzögerung aufgegriffen habt!

    Peter

  8. Zudem hat es auch den Vorteil das die Geraden, von z.B. Gebäuden etc., vertikal verlaufen und nicht schräg bzw. sich nach oben hin treffen. 🙂

    Komisch ausgedrückt aber ich denke jeder weiß was ich meine.

  9. Wie die Großeltern schon sagten: Wer schöne Bilder machen will, der muß leiden 😉 … oder so ähnlich. Dann ist das wohl auch der Grund warum Photographen gerne mal die Models mit schrägen Bildideen quälen … die haben Schmerzen 🙂

    Im Ernst: Sehr guter Beitrag

  10. Ähm….bin ich jetzt doof?

    Sind bei den letzten beiden Fotos, die gelben Markierungsbalken(Kamerahöhe) nicht vertaucht?

    Müsse also nicht die niedrigere Kameraposition bei dem rechtem Bild sein?

  11. Super das habe ich immer gesucht..

    Bitte eine Frage die ich habe ist, welche Brennweite kann man verwenden, wenn man eine DSLR mit APS-C Sensor hat.. Ich habe gestern versucht mit dem 50mm 1.8 II von Canon zu fotografieren.. Jedoch hab ich fast nie den Gesamten Körper auf die Linse bekommen.

    BTW:

    Dachte auch, dass es Kamerapostion ist..

  12. Du kannst den Cropfaktor Deiner Kamera berücksichtigen, um die Brennweite auszurechnen, die benötigt wird um eine ähnlich formatfüllende Abbildung bei gleichem Abstand in Bezug auf das 50mm zu erreichen.

    Bei meiner Pentax ist es Cropfaktor 1,5, d.h. ein 30mm-35mm Objektiv bildet das Model bei gleichem Abstand ähnlich formatfüllend ab wie eine Kleinbildkamera mit 50mm Objektiv (z.B. m*1,5 = 52,5mm).

    Oder Du nimmst mit 50mm den anderthalbfachen Abstand des Kleinbildfotografen zum Motiv ein.

    Gruß

    Thore

  13. ´tschuldigung, da ist ein Fehler in den vorherigen Text gerutscht. Es heißt natürlich nicht (z.b. m*1,5 = 52,55) sondern (z.B. 35mm*1,5 = 52,5mm)

  14. Irgendwie ist das nach meinen Augen aber etwas Faul!

    Auf den Bildern ist ganz klar zu erkennen, dass zwischen Decke (oberer Bildrand) und Kopf verschiedene Abstände herrschen. Es sind zwei verschiedene Ausschnitte gewählt worden!

    Zieht man die Köpfe aber auf gleiche Höhe, so sind die Personen sichtlich gleich groß dargestellt und nur die Perspektive bleibt!

    Ich war mal so frei:

    http://www.abload.de/img/richtiggcu9v.jpg

  15. Würde mich auch interessieren, ob der Tipp auch bei nicht ganz so schlanken Models hilft. Das muß ich bald versuchen. Danke für den Tipp!

  16. Eine kurze Frage: Die Höhe der Kamera ist ja super erklärt, aber ich habe keinen Hinweis zum Winkel gefunden.

    Ist die Kamera immer waagrecht, speziell bei der Bauch- / Hüfthoch Variante?
    Oder leicht nach oben geneigt in Richtung Gesicht?
    Danke

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