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EINSTEIGER: DETAILS MÜSSEN ZUSAMMENPASSEN

20. Januar 2011 | Einsteiger Fashion und Portrait

Anhand der Ergebnisse einer Serie aus einem unserer Shootings, in diesem Falle entstanden im Kamerawerk im Saarland, lässt sich vorzüglich ein sehr wichtiges Thema der People- und Portraitfotografie aufzeigen. Es geht im Detail um eine Detailverliebtheit bzw. um die Transportation von Informationen über ein Bild. Um es kurz zu sagen: ein Foto muss oft mehr beinhalten als nur ein schönes Gesicht.

Kümmern wir uns also an dieser Stelle um die Details. Natürlich ist das Wort Detail sehr umfänglich zu verstehen und umfasst an dieser Stelle jegliche besonderen bzw. kleinen Bildinhalte. Detail kann sowohl eine Struktur, eine Maserung, eine Glanzstelle oder eine besondere Farbe im Bild darstellen. In gleicher Weise steht das Wort Detail aber auch auf der bedeutungstechnischen Seite. Tolle Fotos besitzen einen hohen Grad an Detail sowohl im Hinblick auf Inhalt und auf Bildwirkung. Oft ist es so, das Inhalt ohne Bedeutung/Bildwirkung nicht existieren kann und umgekehrt.

Als Fotografen spielen wir mit Bedeutungen in gleicher Weise wie mit dem offensichtlich Sichtbaren. Nehmen wir uns als Beispiel die nachfolgende Bildstrecke. Um alle Blogleser auch in technischer Hinsicht zu befriedigen, gibt es an erster Stelle ein MakingOf Bild auf dem die Entstehung zu sehen ist. Fotografiert haben wir mit einer einfachen Vollformatkamera,  einem 50 mm 1.8, einem Aufsteckblitz  und einer kleinen 40 × 40 cm großen Flash2Softbox. die Softbox wurde per Hand über das Modell gehalten. Ein einfacher, grauer bzw. dunkelgrauer Studiohintergrund rahmte das Foto ein. Ausgelöst wurde der Blitz über einen Funkauslöser (YONGNUO) und stand auf einer manueller Leistungseinstellung von 1/16.

Kamerawerk Fashion

Nachdem wir nun geklärt hätten wie das Foto entstanden ist, können wir uns allesamt nun auf den eigentlichen Inhalt konzentrieren. Wenn wir bereits oben auf das MakingOf Foto schauen, dann sehen wir deutlich das sich hier bereits viele Details im Bild haben. Wir haben das schöne Modell nicht nur vor einen Hintergrund gestellt, sondern wir haben durch Accessoires, Posing, Kleidung, Frisur  und Mimik das Bild arrangiert. Dabei wären wir bereits bei einem hohen Detailgrad angekommen. Schauen wir uns ein finales Ergebnis einmal genauer an.

Flash2Softbox

 

– click on image to enlarge –

Da wären wir auch schon beim ersten großen wichtigen Punkt dieses Posts angekommen. Hauptaufgabe des Fotografen im Peoplefotografiebereich ist und bleibt es die richtigen Bildelemente auszuwählen. Zum finalen Foto müssen zusammengesetzt werden:

  • Motiv = Bildidee
  • Modell
  • Outfit
  • Posing
  • Accessoires
  • Mimik
  • Styling/Visagie

An dieser Stelle hilft es sich vor jeder Aufnahme nochmals in eine Art Checkliste jeden aufgezählten Punkt zu vergegenwärtigen. Geht wirklich durch jeden der obigen Punkte und versucht möglichst genau alle Faktoren zusammen zu führen. Als Beispiel, um beim obigen Foto zu bleiben, haben wir die Lederjacke mit dem Accessoire „Gitarre“ zusammengebracht. Gerade besagte Lederjacke enthält über die Vielzahl an Nieten auf der Schulter den richtigen Rockerlook. Die Frisur ist schlicht und erzeugt eine Art Düsternis, dass Posing ist provokant, lasziv aber dennoch nicht penetrant gegenüber dem Bildbetrachter.

Wenn das Gesamtarrangement steht kommt dann in zweiter Linie ein weiteres Aufgabengebiet des Fotografen hinzu:

  • Licht
  • Brennweite
  • Blende
  • Perspektive
  • Ausschnitt

Bitte denkt nicht, dass diese Entscheidungen sich während des Fotografierens automatisch ergeben. Das wäre einer der größten Fehler die man als Fotograf begehen kann. Natürlich ist es möglich kleinere perspektivische Änderungen, zum Beispiel den Standort, zu verändern, es ist aber niemals!!! der Fall, dass sich darüber nicht wirklich Gedanken gemacht werden müsste.

Gerade auch der richtige Ausschnitt ist ein perfektes Beispiel wie sich vorher Gedanken gemacht werden müssen. Der Ausschnitt bestimmt nämlich ausschlaggebend die entsprechende Ausleuchtung, die Position des Blitzes, die Stärke des Blitzes und auch die Möglichkeiten mit Licht zu agieren. Weiß sich als Fotograf welchen Bereich des Motivs ich fotografieren möchte, so kann ich bereits im Vorfeld ganz anders Licht setzen als ohne dieses Wissen. Fotografiere ich einen CLOSEUP, dann verschwende ich nicht 500 W an Leistung um den gesamten Körper auszuleuchten.

Das falsche Objektiv und die falsche Blende können zum Beispiel spielend leicht dafür sorgen, dass ein Fotoshooting aus den Fugen gerät, wenn der Fotograf nur noch mit dem Wechseln der Linse beschäftigt ist. Bei der Blende passiert es oftmals genauso, denn die falsche Blende erzeugt automatisch ein unglaubliches Bedürfnis an Zeit um das Licht an eine andere Blende anzupassen.

Oftmals ist es auch so, dass sich aus der Idee und aus dem finalen Bildlook alle fünf Fragen spielend leicht beantworten lassen. Möchte ich einen harten knackigen Rockerlook, dann komme ich nicht mit Blende 1.4 zu meinem Modell. Möchte ich das Motiv erhaben zeigen, dann fotografiere ich nicht auf den Kopf hinunter. Möchte ich eine wunderschöne Frau fotografieren, dann wohl kaum mit einem Fischauge in einem Abstand von 30 cm.

Bei den beiden Fotos oben sieht man deutlich welch unterschiedliche Wirkungen die beiden Fotografien erzeugen. Eine jeweils andere Position der Kamera sorgt für den größten Unterschied im Look. Das unterschiedliche Posing, einmal hin zur Kamera und einmal weg von der Kamera, tut den Rest.

Kleine Unterschiede machen große Unterschiede in der Fotografie.

Auch die zweite Liste sollte vor den eigentlichen Aufnahmen in Checklistenform kurz durchgearbeitet werden. Gerade beim Einstieg in die Menschenfotografie ist es extrem wichtig sich nacheinander über jede Einstellung Gedanken zu machen. Nicht und niemals bitte gleichzeitig!!!

An dieser Stelle sind wir dann angekommen die ersten Fotografien zu machen und sich zusammen mit dem Modell in das Motiv und die Idee einzuarbeiten und ein zu fotografieren. Das Bild muss an dieser Stelle noch nicht komplett fertig und perfekt sein. Erst nachdem viele Aufnahmen im Kasten sind und die Kommunikation/Arbeit mit dem Modell klappt, erst dann kümmern wir uns um den finalen Detail-Boost!!!

Flash2Softbox

 

– click on image to enlarge –

Man sieht deutlich das wir im Unterschied zu den erst gemachten Aufnahmen in das gesamte Motiv noch eine kleine Story eingebaut haben. Das Anzünden der Zigarette und das gleichzeitige konzentrieren des Bildausschnittes auf das Porträt bewirkt, dass das Motiv noch interessanter wirkt. Auch sehen wir hier deutlich das oben bereits angesprochene zusammenwirken der Effekte. Das Hinzufügen des Zigarettenanzündens bewirkte auch gleichzeitig eine Zunahme der objektiven Detailfülle. Zigarette, Glut, Flamme, Feuerzeug, Hände, all das kam automatisch über die Verwendung hin zum Foto dazu.

Wichtig an dieser Stelle ist es aber auch, sich noch konzentrierter auf die Geschichte und den wirklich wesentlichen Teil des Fotos zu konzentrieren. Im Vergleich zu den Fotos oben haben wir deutlich deutlich enger geschnitten. Falsch wäre es aber gewesen zum Beispiel die Gitarre aus dem Motiv zuschneiden. Deswegen haben wir dem Modell aufgegeben, die Gitarre noch enger an das Porträt zu bekommen um gleichzeitig enger zu schneiden ohne das wichtige Accessoire zu verlieren. An dieser Stelle merkt man auch oft erst ob alle Entscheidungen wirklich passen, wie hier zum Beispiel das hohe Toplight, welches dafür verantwortlich ist, dass die Szenerie entsprechend düster wirkt.

Als vierten Detailschritt lässt sich dann an dieser Stelle bzw. nach den gerade eben gemachten Fotos ein weiteres Detail einbauen. Wir sind zum Beispiel herangegangen und haben mithilfe eines weiteren Blitzkopfes einen Flare auf dem Objektiv erzeugt. Im Endeffekt haben wir dadurch noch ein weiteres passendes Detail eingefügt, Gegenlichtflares  kommen schließlich bei jedem Rockkonzert vor und vergrößern den beim Bildbetrachter automatisch erzeugten Effekt einer solchen Szenerie. Außerdem verbindet der Bildbetrachter den Flare mit einer Art Dunstschleier, ergo der Gedanke an Rockkneipen und vollgerauchten Buden.

EDIT: Natürlich machen wir alle Fehler und auch wir haben den Fehler in der Bildstrecke gemacht, dass die Zigarette nicht mehr „neu“ ist, als diese angezündet wird. Natürlich ein böser Logikpatzer von uns. Das Foto ist aber soweit ich weiß auf dem Shoot nicht regulär entstanden, sondern ich habe insgesamt nur 5-6 Fotos gemacht, um zwischendurch etwas zu zeigen. Der Teilnehmer der gerade vor mir fotografiert hatte, hatte Andrea mit Rauch beim Ausatmen spielen lassen. Also: Richtig wäre gewesen auch hier eine neue Zigarette zu nehmen. Aber genau an diesem Beispiel sieht man auch, wie genau man mitdenken muss und wie sehr solche kleinen Logikfehler nachher ins Gewicht fallen. Fatal wie hier bei uns!

Flash2Softbox

 

– click on image to enlarge –

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Achtet auf Details in jeglicher Hinsicht. Ein Foto lebt über die Detailverliebtheit eines Fotografen und Details sind in jeglicher Hinsicht zu verstehen. Ob Bildaussage oder Bildinhalt. Geht bei der Entwicklung des Fotos Schritt für Schritt vor und vergrößert Schritt für Schritt den Grad der Details. Versucht vorher so viel wie möglich zu planen, es muss nicht immer gut gehen aber oft wird es durch die zusätzlichen Gedanken sogar noch besser gehen.

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Ich hatte ausprobiert mit Spracherkennung Texte zu verfassen und es sieht so aus, als ob wir doch noch ein paar Jahre tippseln müssten. Entschuldigung an alle Leser für die fürchterliche Rechtschreibung, der Artikel wurde wie gesagt, gesprochen und dann garnicht Korrektur gelesen. Hätte man nicht machen sollen, aber uns rennt etwas die Zeit gerade weg und Artikel in dieser Länge kosten über 1h Zeit.

In Zukunft werden aber die Beiträge wieder per Hand getippselt werden. Die 2-3 Kommentare bzgl. der Rechtschreibfehler habe ich gelöscht. Nicht sauer sein, ist aber ja nicht mehr aktuell!

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Kommentare (20)

20 thoughts on “EINSTEIGER: DETAILS MÜSSEN ZUSAMMENPASSEN

  1. Gefällt mir gut mal knapp zusammengefasst zu lesen, auf was man alles achten sollte, wenn man in der Peoplefotografie zufriedenstellende Ergebnisse erreichen möchte.

    Was mir aber nicht so gut gefällt ist das Zigaretten-Ding. Ich wette, das Model hat vorher noch nie ne Zigarette in der Hand gehabt. Das wirkt schon sehr aufgesetzt/arrangiert: Halb weggerauchter Klimmstengel, aber das Feuerzeug mit Flamme noch in der Hand. Und die Handhabung der Fluppe wie beim Nägel lackieren…

    Freue mich auf die nächsten Artikel.

  2. Das mit der Zigarette fällt einem echt sofort auf.

    Gleich drunter wird über Details gesprochen, und dann zündet sich

    die Lady ne Zigarette an die schon seit 4 Minuten brennt 🙂

  3. Ja, wirklich ein interessanter Artikel. Das Korrektur lesen würde sich aber wirklich lohnen – wie viele Fehler sind alleine im folgenden Satz?

    „Ein einfacher grauer bzw. dunkel grauer Studiehintergrund rammte das Foto ein.“

  4. Wow… ein sehr interessanter Artikel. Ich selber bin noch ein Anfänger in der Fotografie und habe mir bisher noch nicht soviele Gedanken gemacht im Vorfeld übers Fotografieren.

    Daher sehen meine Bilder auch eher normal aus.

    Jetzt wo ich den sehr hilfreichen Artikel gelesen habe 🙂 werde ich mir beim nächsten mal die Mühe im Vorfeld machen.

    Freue mich schon auf mehr 🙂

    Gruß

    Andy M

  5. Nicht vergessen, dass das Foto beim Workshop entstanden ist! Hätte das Model für jeden Teilnehmer und Versuch eine neue Kippe angezündet, wäre es a) teuer und b) schädlich für die arme Frau geworden 🙂 Grundsätzlich habt ihr auf jeden Fall Recht! Ist mir auch sofort aufgefallen, aber das worum es im Artikel geht ist trotzdem wichtig und richtig.

    Korrekturlesen? Wer braucht denn sowas? Kostet nur Zeit und bringt keine Lacher! Und würde das Blog nur kalt und distanziert erscheinen lassen… brrrr… Ne, das wollen wir doch nicht 🙂

  6. Hy,

    natürlich mal wieder ein klasse Beitrag!

    Der halb abgesenkte Glimmstengel gefällt mir irgendwie erst recht sehr gut!

    Ein echter Rocker raucht seine Zigarette nach einer Unterbrechung einfach weiter 🙂

    Find diesen Punkt also eigentlich ganz cool, besser also ne nagelneue Zigarette. Eine Alternative wäre hier dann noch eine etwas geknickte Fluppe.

    Also weiter so 🙂

    LG Andy

  7. Ich weiß gar nicht, was es an der „halben“ Zigarette auszusetzen gibt?! Kann mich meinem Vorredner nur anschließen, genau dieses DETAIL macht das Foto doch erst authentisch! Eine neue Kippe würde doch aussehen, wie „tu mal so, als würdest du dir eine Zigarette anzünden!“

    Da sieht man mal wieder, wie verschieden die Geschmäcker sind. DAS perfekte Foto für alle, wird es wohl (hoffentlich) niemals geben.

    Gruß Normann

    PS: Danke für diesem klasse Beitrag 🙂

  8. Hi ,

    wunderbarer Artikel…. aber die Zigarette find ich persönlich auch zu aufgesetzt und störend. Was mich hier meist ein wenig wundert ..ist der enge Schnitt der meist gewählt wird und dabei z.B. Füße oder hier die Schuhe abeschnitten werden.. hat das Model die Dinger umsonst an ? Finde die Person sollte ganz drauf sein würde mir besser gefallen ..

    Gruß

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