20.2.2012    13

EINSTEIGER: DER PORTRAITSCHNITT

20. Februar 2012 | Einsteiger Fashion und Portrait

Heute möchte ich in einem kurzen und knackigen Tutorial ein mir oft unterkommendes Problem ansprechen. Auf der Photokina und anderen Events gibt es Teilnehmer, teilweise mit hochtechnisierten Ausrüstungskoffern, Technik im Wert eines Kleinwagens allerdings mit genauso viel Angst wie Ausrüstung im Gepäck. Angst vor was mag man sich da fragen? Wovor kann man denn Angst haben? Um einen falschen Bildschnitt.

Dafür mag es mehrere erklärbare Gründe geben.

  • Viele Fotografen möchten beim Fotografieren nichts „kaputt machen“ und schneiden daher mit einem 2000%igen Sicherheitsrand.
  • Viele Fotografen haben irgendwelche bescheuerten Regeln aus irgendwelchen bescheuerten Blogs (www.krolop-gerst.com) im Kopf, die irgendwas besagen von wegen: Das darf man nicht tun / so schneidet man nicht etc.
  • Zudem halten sich auch viele mit dem mittleren Fokuspunkt im Auge auf und lösen dann einfach aus!

Dann entsteht ein Bild wie dieses hier. Entspricht einem ordentlichen Bild der deutschen Vollzugsbehörden… 🙂 Man sieht das mehr oder minder runde Gesicht im eckigen Bild, mittig und zentriert positioniert. Wenn das Modell so außergewöhnlich ist wie die Leonie im unteren Foto, dann findet der Betrachter immernoch spannende Bildinhalte. Hat man aber kein wirkliches Charaktergesicht, dann killt dieser Schnitt die meisten Fotos.
SETUP HOW TO Tutorial Photo

An dieser Stelle also der erste Tipp. Der Mensch hört oben mit dem Kopf auf und geht nach unten hin mit dem Körper weiter. Einfach das Portrait etwas nach oben schieben im Bild und schon füllt sich das Bild spannender. Man hat nur den Kopf im oberen Teil und mehr Dekolletee oder Brust,.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Im direkten Vergleich sieht man, dass das Bild gefüllter und Näher wirkt am Motiv. Das Bild ist einfach abgeschlossener in sich.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Und unser nächster Tipp wäre dann, den Schnitt noch krasser zu setzen. Im menschlichen Gesicht sind  Stirn und Oberkopf die unwichtigsten Dinge für ein Portrait. Dort findet sich meist keine persönliche Information wieder, es sei denn die Frisur ist ganz besonders. Dem Gesicht stört es nicht, wenn Stirn und Oberkopf fehlen. Informationen die wichtig sind, sind Augen, Nase und Mund und viel wichtiger das Dekolletee. Aber nicht die Stirn…

Also seid mutig und schneidet ruhig auch durch den Oberkopf! Das juckt niemanden und kann viel intimer aussehen als immer den ganzen Kopf auf das Bild zu bekommen.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

 WICHTIG: Die Hauptaufgabe des Fotografens ist Informationen zu filtern und zu sortieren für den Betrachter. Alles was weggeschnitten wird beim Fotografieren, muss sich der Bildbetrachter auch nicht beim Angucken des Bildes antun. Damit wird im Umkehrschluss das übrig Bleibende viel wichtiger und bildbestimmender. Ohne Schneiden kann man nicht fotografieren.

Im Umkehrschluss möchten wir euch mal anregen, den Schnitt unsymmetrisch und „komisch“ zu setzen. Man muss nicht immer etwas wegschneiden um spannende Fotos zu machen. Es geht auch anders herum! Man kann einfach Material extra hinzufügen. Wie z.B. auf dem unteren Bild!

SETUP HOW TO Tutorial Photo

So, damit wären wir auch schon am kurzen und knackigen Fazit angelangt. Zusammenfassung: Schneidet assymmetrisch, lasst Sachen weg, schneidet durch den Oberkopf, lasst extra viel Rand da und verdammt noch mal, überlegt euch, was ihr zeigen wollt und was nicht. Was nicht, das muss weggeschnitten werden…

Viel Spaß bei tollen Fotos

Martin & Marc

PS: Übrigens machen das auch viele Fotografen ohne großen Ausrüstungskoffer falsch! 🙂

Kommentare (13)

13 thoughts on “EINSTEIGER: DER PORTRAITSCHNITT

  1. Da kann ich nur mit dem Kopf nicken! Offt ist es eine Überwindung die Stirn anzuschneiden, gerade wenn man Jahrelang nach Regeln arbeiten musste. 🙂

    Danke für diesen lesenswerten Eintrag.

    Benjamin

  2. Komischerweise neige ich persönlich immer wieder dazu bei Portraits den Bildausschnitt wie im ersten Beispielbild zu legen. Frag mich nicht warum, irgendwie finde ich genau diesen Ausschnitt am interessantesten. Heißt das jetzt, dass ich die Kamera besser weglegen soll, weil ich meine Bilder „kille“? Und ja, ich weiß, dass es andere AF – Punkte, als den mittleren gibt und, dass man auch schwenken darf. 😉

    1. Nix heißt Nix… Alex, komm schon, du weißt was wir meinen! Wenn dir der Ausschnitt gefällt, dann mach das so. Wir sagen ja nicht, dass man immer schneiden muss…

  3. @ admin

    Stimmt, diesen Satz habe ich wohl überlesen: „Wenn das Modell so außergewöhnlich ist wie die Leonie im unteren Foto, dann findet der Betrachter immernoch spannende Bildinhalte. Hat man aber kein wirkliches Charaktergesicht, dann killt dieser Schnitt die meisten Fotos.“ 😉

  4. Mir ist das mit dem Schärfepunkt nochnicht so klar, Martin meinst Du einfach mal Schärfe nicht auf Augen legen? Ich muß das mal im Hinterkopf behalten wobei ich da nochnicht soviel mit anzufangen weiß.

  5. Ein schöner, kurz gehaltener Beitrag mit einem Top Thema!

    Ich selbst muss da vermutlich noch die „Sehens-Routine“ bekommen.

    Ich werde das auf jedenfall demnächst mal ausprobieren. Grade die Sache mit dem Kopf abschneiden. Das mit dem letzten Bild leuchtet mir schon ein, liegt es doch schön auf dem Goldenen Schnitt.

    @ Benjamin, ich verstehe deinen Aspekt mit dem Schärfepunkt in dem Fall nicht. Das hat doch was mit dem Ausschnitt zu tun und nicht mit dem Schärfepunkt. Das wäre ja dann ein ganz anderes Thema. Oder was meinst du damit?

    schönen Gruß, Felix

  6. Interessanter Beitrag.

    Wunsch/Tipp: Ihr habt die Fotos zum Vergleich extra noch übereinander gestellt. Für Leute mit kleinem Bildschirm (Laptop, iPad, …) wäre in so einem Fall nebeneinander besser. Sonst kriegt man gar nicht beide gleichzeitig auf den Bildschirm ;-).

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Anzeigen