7.11.2011    17

EINSTEIGER: DEN SENSOR NUTZEN

7. November 2011 | Einsteiger Fashion und Portrait

Der heutige Beitrag hat es nur in den Blog geschafft, weil wir so verdammt viele Anfragen danach bekommen. Das ist ein starkes Signal dafür, dass es darüber mal einen Beitrag geben mag. Mal wieder ist es ein Beitrag aus der Reihe der Einsteiger in die Peoplefotografie. Aber ich denke der eine oder andere jahrelange Fotograf wird sich auch mal wieder ertappt fühlen. Niemand muss sich aber outen.

Es geht um die Portraitfotografie und darum, ein Portrait in das Bild zu setzen. Damit ist im eigentlich der Schnitt gemeint aber viel wichtiger als der Schnitt ist oftmals der Platz drumherum. Sehr weit verbreitete Teufelsmeinungen sind nämlich:

  • NACHTRÄGLICH SCHNEIDEN IST SICHERER
  • WEGSCHNEIDEN IST EINFACHER ALS HINZUFÜGEN
  • WAS DA IST, KANN NACHHER NOCH WEG
  • ICH HAB SO VIEL MEGAPIXEL, DAS IST DOCH KEIN PROBLEM
  • DANN BRAUCH ICH MICH BEIM FOTOGRAFIEREN NICHT ENTSCHEIDEN

Alle Aussagen sind restlos falsch und völlig schwachsinnig.

Schauen wir uns aber mal ein Foto an, wie es oft auf Hobbyisten-Kameras bei uns auftaucht. Jedenfalls anfangs noch :-)…

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Und jetzt im direkten Vergleich das Foto, wie es aufgenommen werden sollte. Bei gleichen Einstellungen und absolut identischer Blende/ISO/Zeit-Kombo.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Es gibt an dieser Stelle nämlich genau drei Punkte zu klären.

Gehen wir einfach Schritt für Schritt durch jeden einzelnen Punkt.

  • ENTSCHEIDUNGEN TREFFEN 

    Das ist der absolut wichtigste Punkt der Drei. Fotografie ist nix für entscheidungsunwillig Leute und Entscheidungen müssen BEIM Fotografieren getroffen werden und nicht erst danach. Denn dann kann man nix mehr ändern oder korrigieren. Man kann nur noch versuchen zu reparieren was bereits verbockt wurde.In diesem Punkt steckt zudem auch noch der Mut beim Fotografieren sich auf eine Idee festzuelgen. Ich weiß aus Erfahrung, dass gerade am Anfang der Mut nicht groß ist etwas zu wagen und sich auf eine z.B. Bildidee festzulegen. Und genau darum muss man es machen. Denn erst mit der Entscheidung kann ich mich auch vollends auf eine Idee fokussieren.

    Als Fotograf muss man beim Fotografieren wissen was genau soll auf das Foto, was soll nicht drauf, was soll weggeschnitten werden und was drauf bleiben.

  • UNSCHÄRFE & BILDLOOK 

    Schaut euch mal beide Fotos im Detail an. Gemacht mit einer Blende von 8 und im zweiten Foto ist die Schulter in der Unschärfe, während im ersten Foto die Schärfe das komplette Motiv abdeckt.Ein häufig komplett vergessener Punkt zum Thema Schnitt ist nämlich die Unschärfe. Die hängt nämlich mit der Fokusdistanz zusammen und je enger wir schneiden, umso mehr Unschärfe haben wir. Glaubt mir, die Blende kann man garnicht so viel auf machen, dass man dieses Manko entsprechend überdeckt. Rein mathematisch nimmt die Schärfe in höherem Maße zu indem man mehr auf das Foto nimmt, als dass man über ein paar Blenden wieder zurück holen könnte. Daher haben wir im Makrobereich selbst bei so irren Blenden wie 48 oder 64 immernoch Unschärfe im Bild. Wir haben hingegen Portraits gemacht, bei denen bei f8 nur die Nase und die Augen in der Schärfe lagen.

  • AUFLÖSUNG 

    Und dann kommt noch der dritte Punkt. Die Auflösung. Dieser Punkt wird wohl am häufigsten aufgeführt, im Gegensatz zu den beiden oberen Punkten ist er aber schlichtweg lächerlich. Natürlich ist die Auflösung nicht irrelevant, aber viel schlimmer ist es doch, gar nicht zu wissen was man wirklich fotografiert, wo man den Fokus des Betrachters hinlenken will und was man garnicht auf dem Foto haben möchte, als dass die Auflösung von 21 auf 10 Megapixel schrumpft. Und gar keine Unschärfe in ein Bild zu bringen, obwohl es sogar mit f8 so einfach wäre, das sollte man können. Gerade auch weil am Anfang Objektive mit f1.2 und Vollformatkameras mit riesigem Chip eben nicht zu Grundausrüstung gehören. Man kann auch mit einer D90 und f5.6 Kit wahnsinnige Unschärfe erzeugen. Einfach schneiden was das Zeugs hält! Seht euch nochmals das Foto oben bei f8 an! Unschärfe auf den Schultern!Aber zurück zum Thema Auflösung. Dort gilt, dass man meistens mehr wegschneidet als man denkt. Und da wir über Fläche sprechen, also Länge mal Breite, so ist selbst ein kleiner Schnitt oftmals sehr „einschneidend“.

    Wir haben hier einmal in das Foto von oben ein imaginäres 2:3 Foto aufgelegt. Einmal haben wir 1/4 der Fläche gelassen, dann beim zweiten Foto ist es 1/2 und dann beim dritten Foto ist es etwas über 1/2. Im Endeffekt bedeutet das, dass wir aus der Auflösung einer 1D mit 12 Megapixel selbst beim dritten Schnitt eine Auflösung von knapp über 6 MP übrig haben. Egal was jetzt zu viel oder zu wenig ist, die Hälfte der Auflösung ist auf einem normalen Print definitiv ein sichtbarer Unterschied in Brillianz und Detail.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

SETUP HOW TO Tutorial Photo

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Natürlich ist uns nicht unbekannt, dass es andere Meinungen zu dem Thema gibt. Aber es gilt mal wieder: Unser Blog, unsere ehrliche Meinung. Und weil unsere Meinung aber auch immer ist, dass heißer gekocht als gegessen wird, so gilt es auch wieder bei diesem Thema einen kleinen Abstrich zu machen. Ich denke 5-10% Rand ist noch im absolut erträglichen. Martin als Brillenträger sieht z.B. nie 100% was aufgenommen wird. Da muss man etwas raten und man muss auch nicht immer voll auf Risiko mit dem Schnitt gehen. Was man nicht gut genug sieht, das kann man auch nicht auf den Millimeter beschneiden. Trotzdem gelten die gerade gemachten Aussagen vollumfänglich. Entscheidung, Look und Auflösung müssen beim Fotografieren fest stehen.

Probiert es aus! Entscheidet euch, manchmal vielleicht falsch aber entscheidet euch wenigstens. Schneidet und schneidet auch manche Bilder kaputt. Aber schneidet in der Kamera BEIM Fotografieren und nicht erst Tage danach. Dann ist es zu spät!

So, damit dann gute Nacht für heute… und viel Spaß beim Fotografieren.

Martin & Marc

Kommentare (17)

17 thoughts on “EINSTEIGER: DEN SENSOR NUTZEN

  1. Klitzekleiner Gedanke zum Thema:

    Ich bin im Portrait-Tagesgeschäft fast täglich dabei, im Nachhinein Bildausschnitte festzulegen. Hat an dem Punkt wenig mit Unentschlossenheit beim Fotografieren zu tun sondern vielmehr damit dass ich mir angewöhnt hab, grundsätzlich einen kleinen Beschneidungsrand zu lassen. Zum Einen bin ich wie Martin Brillenträger und es kommt am Ende nie genau der Schnitt aus der Kamera den ich im Sucher sehe. Zum Anderen stehe ich so oft vor der Situation dass ich schön fotografierte Schnitte ruinieren muss, damit das Bild am Ende in einen 13×18 Bilderrahmen passt dass ich mir wirklich fast abgewöhnt habe direkt i den Schnitt zu fotografieren.

    Mir ist allerings auch klar, dass Ihr auf dieses Situation hiermit nicht rauswolltet und über genanntes Beispiel brauchen wir auch garnicht diskutieren. Ich wollte es nur mal als kleines Beispiel „gegen“ das Fotografieren in den finalen Bildausschnitt einbringen 😉

  2. Ich fühle mich ertappt, erst gestern habe ich bei einem Foto ziemlich kräftig geschnitten 😉

    War aber immerhin kein Sicherheitsdenken beim Fotografieren, sondern einfach ein Rahmen, den ich vorher nicht gesehen hatte…

  3. Könntet ihr das mit der Bildunschärfe bitte noch etwas genauer erklären? Meint ihr, daß ich bei gleicher Brennweite näher rann gehe und damit der scharfe Bereich insgesamt geringer wird?

  4. Hallo ihr Beiden,

    sehr interessanter Beitrag. Ich hätte noch eine Frage zum Thema Unschärfe:

    In welchem Brennweiten Bereich ist das geschnittene Bild aufgenommen? Die Brennweite und der Abstand zum Motiv sind ja doch wichtige Faktoren wenn es darum geht, mit F8 Unfschärfe zu erzeugen.

    Danke im voraus!

    Grüße

    Micahel

  5. Guter Beitrag, ich arbeite schon lang nach dem Motto „näher ran“. Und trotzdem habe ich meistens noch viel zu viel zum Wegschneiden. Vor Allem durch das Fokussieren mit dem Mittensensor bei der 5DII verfällt man schnell in einen „Das obere Drittel ist leer“-Modus. Also hin und wieder die Checkliste im Kopf abklappern und wieder richtig machen…

    LG Stefan

  6. find ich gut eure meinung 🙂 ich hatte gerade neulich das thema – war zum probearbeiten in einem studio und sollte protraits von nem mädel machen. hinther kam dann der kommentar, dass ich noch lernen müsse etwas mehr drauf zu lassen beim fotografieren, damit man hinterher variabler schneiden kann. die begründung schien mir zwar auch einleuchtend: der kunde möchte oft hinterher plötzlich ein bild in einem anderen format und dann kann man nur schwer von 2:3 auf 3:4 oder quadratisch schneiden… da ist sicher was dran, und mit 5-10% „überschuss“ sollte das vlt auch realisierbar sein, aber im prinzip finde ich, dass ihr recht habt 🙂 man sollte sich schon was bei denken, wenn man ein foto macht 😉 …und wenn man ein bild halt genau so fotografiert hat, wie man es im kopf hat und haben will, dann muss der kunde vlt auch mal damit leben, dass es gerade dieses bild nunmal nicht in quadratisch oder 15×20 cm gibt…oder? was meint ihr? was wird aus „der kunde ist könig“? oder macht ihr einen unterschied, wenn ihr zb im studio protraits macht oder wenn ihr auf hochzeiten seid?

    LG Katharina

    1. Das ist ein heikles Thema. Kunden haben immer irgendwie Vorrang und man macht wofür man bezahlt wird.
      Ich kann dir da nur raten gerade durch deine Arbeitsweise möglichst „gefährliche“ Kunden abzuschrecken und damit dich von vorne herein klar aufzustellen. Du besprichst vorab was er möchte, du legst eine Art Protokoll an in kurzer Notizform und dann wenn er mehrere Schnitte haben möchte, dann fotografierst du eben unterschiedliche Schnitte. Niemand sagt dir, dass du in 10 Bildern fertig sein musst. Und wenn er mehr möchte, dann mach mehr drauf aufs Bild.

  7. Ein guter Beitrag, der auch wieder motiviert, etwas zu wagen. Ich selbst habe nämlich genau dieses Problem, dass ich mich nicht traue eng zu schneiden, aus Angst, immer zu viel zu schneiden und dann das Bild nicht mehr nutzen zu können. Eine Einstellungssache… 🙁

  8. Was mir persönlich auffällt ist das mir enge Schnitte sehr viel besser gefallen, mir es aber auch schwer fällt diese im Nachhinein zu setzen. Die besten Bilder sind eigentlich die Bilder wo ich näher rann gegangen bin, als ich eigentlich für gut befunden habe.

    Generell find ich sollte man so schneiden wie man es für gut befindet, solange der Kunde kein Format wünscht, Wenn dann statt 10*15 13*18 gewünscht wird, sollte man darauf hinweisen, dass von dem so guten Schnitt halt nicht mehr viel übrig bleibt.

  9. „Unser Blog, unsere ehrliche Meinung.“ und genau darum lese ich diesen Blog! Zum Thema, muss ich gestehen, das mir der Punkt „Unschärfe“ entgangen war. Daher vielen Dank für diese Hinweise!!

  10. Toller Beitrag. Möchte in Zukunft noch mehr darauf achten.

    Der Bildbeschnitt ist bei mir immer noch ein Hauptbestandteil der Nachbearbeitung. Eine gewisse Verbesserung ergab sich durch die Verwendung von Festbrennweiten (50mm und 85mm am KB Format). Die zwingen einen zur Auswahl, weil schon gar nicht mehr so viel aufs Bild passt.

  11. Andere Aussagen als schwachsinnig und falsch beurteilen halt ich für keine gute Idee.

    Es gibt einige Gründe wo es Sinn macht diese Thesen zu unterstützen.

    Wo es einfach die Umstände und Verwendungszwecke zulassen.

    Ihr solltet echt mal versuchen weniger technisch zu denken 🙂

    Anyway…mit 70 % des Beitrags geh ich konform.

    lg Calvin

  12. Ich finde das erste Bild WESENTLICH geiler als das „wie es sein sollte“.

    Die Wirkung ist eine ganz andere.

    Kein Vergleich.

  13. In der Fotografie ist es echt schwierig zu sagen was richtig ist und was falsch weil es immer drauf ankommt was ein Foto ausdrücken soll, deshalb ist es manchmal nötig die Regeln zu brechen. Ich persönlich entscheide normalerweise beim Fotografieren, nur selten beschneide ich hinterher noch um ein Bild noch zu korrigieren. Ich finde aber auch daß es besser ist wenn das Motiv das Bild nach den bekannten Regeln ausfüllt, besonders daß über dem Kopf nicht so viel Luft bleibt. Ich finde das sieht immer ein bißchen komisch aus…

  14. Guter Beitrag,

    ich muß sagen dass ich auch genauso arbeite, ich hab es mir schon ewig angewöhnt so zu Fotografieren wie das Bild bzw. der Schnitt später werden soll, eigentlich schon seit meiner analogen Fotografie :-), ich hab das Bild beim Fotografieren im Kopf und genauso mache ich den Schnitt, klar kommt es immer wieder vor dass ich später noch ein wenig zuschneide aber in der Regel nicht, besonders bei Portraits. Martin und Co macht weiter so ich lese gerne Deine/ Eure Beiträge, bisher hab ich hier noch nie was geschrieben aber das mußte einfach mal gesagt werden, schöne Grüße da Steve

  15. Ich finde solche Überlegungen sehr wichtig, auch wenn das hier als Einsteigerthema klassifiziert wird. Man sollte sich als Fotograf schon die Mühe machen, es bereits im Moment der Aufnahme „richtig“ zu machen und nicht einfach eine Larifari-Aufnahme nach dem Motto „mach ich alles später“. Im Prinzip läuft es doch auf die Arbeitsweise hinaus, dass man „seine“ Bilder macht, bei denen man auch beim Anschnitt etc. seine Vorstellungen umsetzt, dann aber noch einige Sicherheits-Bilder hinterher schießt, bei denen man noch Beschneiden kann. Mir haben solche Aufnahmen jedenfalls schon mehr als einmal den Allerwertesten gerettet, daher sollte man sich IMHO angewöhnen, diese als Backup zu machen, sollte man sich mit den Hauptaufnahmen mal verhauen.

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