EINSTEIGER: DAS MODELL, DIE MUSE

18. Mai 2010 | Einsteiger Fashion und Portrait

Immer wieder kommt ein Thema auf. Wie kommt man denn an jemanden, um Fotos von dieser Person zu machen. People- und Menschenfotografie ist ja nur möglich, wenn es da überhaupt einen Menschen zum Fotografieren gibt. Ohne Mensch, nix Foto!

Also werden wir uns heute mal um dieses Thema kümmern. Und obwohl dieser Post in der Kategorie „BEGINNER“ ist, so bin ich doch versucht etwas mehr an Infos und Komplexität hineinzustecken. Vorab noch eine Info um die kommenden Worte zu spezifizieren. Menschen sind überall um uns herum. Finden braucht man Motive garnicht. Es gibt sie überall. Es geht eher um die Herausforderung, den Menschen auch wirklich vor die Kamera zu bewegen. Also werden wir uns um genau dieses Thema kümmern. Was kann ich wie wo machen um ein mögliches Motiv dazu zu bewegen fotografiert werden zu wollen.

Es gibt zwei Punkte mit denen mal als Fotograf zu einem Fotoshooting bewegen kann.

  1. die Fotos sind einfach total genial (und das ist sicherlich die beste Methode!!!)
  2. man macht mit Worten und Erklärungen den Mund wässrig!!!

Leider ist oft so, dass man mit Fotos nicht glänzen kann, denn entweder hat man keine dabei, oder man hat gar keine :-). Daher ist Variante Nr. 2 immer auch notwendig zu kennen. Variante Nr. 1 probieren wir ja mit diesem Blog und den anderen Posts zu unterstützen.

Ich habe schon einige Anschreiben von Kollegen und Hobbyfotografen gesehen und möchte daraus mal ein paar Schlüsse ziehen. Bei den meisten Absagen, und das merke ich auch aus eigener Erfahrung, „versaut“ man sich selbst jegliche Chance auf eine positive Antwort mit einer überhektischen und kurz „hin geschriebenen“ Mail.

Kommen wir also zu den wichtigsten Punkten des Anschreiben/Ansprechens:

  • Mühe muss erkennbar sein, denn Mühe ist Anstrengung ist Herzblut und das sollte aus dem Schreiben deutlich hervorgehen. Formuliert man emotionslos, dann kann man auch beim Gegenüber keine Emotionen erwecken. Worte wie, „es liegt mir am Herzen“, „wahnsinnig“, „ich könnte mir nichts Besseres vorstellen“, „da wäre ich echt geplättet“… oder sonst was sind wirklich wichtig.
  • Idee herausarbeiten! Niemand möchte „einfach mal geshootet oder fotografiert werden“. Wenn zu mir jemand käme, „willst du Fotos machen“, dann wäre meine Antwort „NEIN!!!!“. Daher ist es wichtig eine Idee zu formulieren und auszugestalten! Man muss klipp und klar sagen, was man für Fotos machen möchte denn…
  • … der nächste Punkt ist die Persönlichkeit! Man muss dem Modell klipp und klar sagen, warum gerade Sie und nicht die anderen Millionen von Frauen und Männer da da draußen. Denn erst dann erreicht man, dass das Modell das Besondere der Bildidee mit sich selbst verbindet und Lust dazu bekommt.
  • Die Aussage des Fotos beschreiben. Das ist ein besonders wichtiger Punkt, denn damit erreicht man, dass das Modell keine 100 Fotos möchte, weil von vorne herein, das Ziel ja schon fest steht. Die Aussage sollte man in der Art eines Politikers beschreiben. Und zwar so, dass man auch noch abweichen kann, was anders machen kann und das Ziel trotzdem erreicht wurde :-).
  • Wenn möglich eine persönliche Geschichte mit dem Anschreiben verbinden. Sowas in der Art: „Letztens war ich unterwegs und sah im Fitnessstudio ein Modell vor dem Fenster, angespannt aber doch gerade in Ruhe vor dem nächsten Gerät… genau dieses Foto hat eine Spannung transportiert, dass ich 10 Minuten vor dem Fitnessstudio stand und das Motiv mir vorgestellt habe… das muss ich umsetzen…“

    Damit erreicht man, dass das Modell persönlich sehr nahe kommt und damit wir die Möglichkeit der Absage wieder geringer!

  • Alle Fragen wirklich ansprechen. Dazu gehören Dinge, wie die Anzahl der Fotos, die Zeit für die Nachbearbeitung, Größe und Auflösung der Fotos, Logofreiheit fürs Book… alles was es zu klären gibt, sollte in kurzen knappen Sätzen drin stehen.
  • Absagen verkraft :-), NEIN gehören dazu! Trotzdem muss man sich beim nächsten Mal wieder die gleiche Mühe machen.

Ein Anschreiben kann ruhig über 30-40 Zeilen gehen. Teilweise sogar noch länger.

Oftmals sprechen wir Modelle direkt auf der Straße oder sonst wo an. Das macht die ganze Sache noch komplizierter. Da das Gespräch dann aus der Situation heraus lebt, kann ich das hier schlecht eintüten und einen Weg vorgeben. Trotzdem bleiben alle oben genannten Punkte genauso wichtig und aktuell. Es geht eben dann im direkten Blickkontakt mehr um das persönliche Auftreten, um den ersten Eindruck und darum, mit den ersten 3-4 Sätzen zu punkten. Ich würde dabei trotzdem immer mit dem Grund anfangen… WARUM GERADE SIE…

So, dat wars für heute… kurz und knackig! Ich hoffe damit habe ich auch der Modellwelt einen Gefallen getan. Was ich immer wieder von Anschreiben höre, das zieht einem echt die Beine wech.

Gibt bestimmt bald noch mehr zum Thema. Dranbleiben also!

Kommentare (9)

9 thoughts on “EINSTEIGER: DAS MODELL, DIE MUSE

  1. Danke Martin. Vielen vielen Dank…..

    Bin gerade erst in die Porträtfotografie eingestiegen, und seitdem laufend auf der Suche nach Modellen.

    Dein Beitrag ist für mich sehr hilfreich. Bin mal gespannt ob ich das in die Praxis umsetzen kann, und es in Zukunft viel besser klappt mit den Bewerbungen :-)).

    Gruß

    taylor

  2. Hallo Martin, schöner Beitrag mit vielen nützlichen Informationen für den „Einsteiger“.

    Ein Punkt sollte mE aber noch angeprochen werden. Es ist durchaus legitim über eine der vielen Modelagenturen ein Model zu buchen und zu bezahlen. Dies vor allem wenn der fotografische Neuling seine Sedcard erstmal füllen muss und hierfür entsprechende Referenzbilder benötigt. Das funktioniert bei „prof.“ Modellen relativ gut, da diese wissen wie sie sich zu präsentieren haben.

    Der Lerneffekt für den Fotografen hält sich dabei allerdings in Grenzen, da das Model seinen Job von alleine macht bzw. machen sollte.

    Gleichwohl sollte man sich auch bei dieser Vorgehensweise die von Martin oben benannten Kriterien zu Herzen nehmen.

  3. Hallo Martin,

    eigentlich mache ich es so, wie Du geschrieben hast. Allerdings habe ich festgestellt, dass auch die Disothek ein super Ort ist, um entsprechende Modelle zu finden. Hierzu habe ich auf meinem Handy (ok, das Display des Handys sollte schon etwas größer sein) einige meiner Aufnahmen. So können sich die angesprochenen Personen direkt ein Bild machen und die Atmosphäre ist auch lockerer. Ein Handy hat doch heute eigentlich jeder dabei 😉

  4. Hallo Martin!

    Es handelt sich hier m.E. um ein schwieriges Thema, insbesondere im Bereich der „Hobby“-Fotografie, in der sich ja wohl doch eher viele von uns befinden.

    Der Einsteiger hat es oft schwierig, ein Modell zu finden, weil er ja noch keine Fotos als Vorlage vorweisen kann. Und welches Modell sagt schon gerne zu einem Shooting zu, wenn nicht klar ist, dass auch Top-Fotos entstehen?

    Die Idee, ein Modell zu bezahlen, ist sicher gut. Aber hier kommt dann meiner Meinung nach ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu: Es fließt Geld. Und plötzlich ist die Situation eine ganz andere: Der Hauptfaktor Spaß (und darum geht es doch vor allem auch, oder?) ist plötzlich der Tatsache gewichen, das das Modell bezahlt wird und „nur“ einen Job macht, der Fotograf erwartet aber vollen Elan. Wenns am Ende nicht so stimmt, ist die Stimmung dahin, die Bilder werden vielleicht noch so pralle, das Geld ist weg und die schlechte Laune ist da! Außerdem hat sicher nicht jeder Hobbyfotograf immer das Geld flüssig, um ein Modell zu bezahlen…

    Deswegen ist TfP/TfCD meiner Meinung nach am Anfang die bessere Wahl. Wobei es ja TfP im eigentlichen Sinne eher selten gibt, denn wer zahlt wem die Fahrtkosten, wer das Mietstudio, wer die Visa und wer den Strom und die Bildbearbeitung? 🙂 Deswegen ist der Tipp, alles im Vorfeld (am besten schriftlich) zu klären Gold wert!

    Und dann kommt noch das Problem der Zuverlässigkeit auf. Gerade im Hobby-Bereich wird man immer auch mit Unzuverlässigkeit von Modellen (und Fotografen!) rechnen müssen, die sich dann doch nicht trauen und mal eben „die Oma sterben“ lassen oder plötzlich im Krankenhaus liegen. Das muss man mit einplanen (Ersatzmodell!).

    Ich denke, dass Online-Modelkarteien (gibt es diverse) gut geeignet sind, um gute Modelle zu finden, die auch zuverlässig sind, vor allem auch in der eigenen Region. Und wenn man dann die o.g. Tipps befolgt und ehrlich und motiviert rüberkommt, dann klappt das schon!

    Grüße,

    Nico

    1. Du hast völlig Recht. Mir ging es auch viel mehr um die Tatsache das niemand „sich einfach mal so fotografieren lässt“. Es geht darum zu begeistern und das ist unabhängig von der Anzahl bisher gemachter Fotos oder irgendwelcher Portfoliobilder. Darum geht es nicht. Viele unserer Modelle sehen kein Foto von uns und haben schon zugesagt… einfach weil die Beschreibung, weil die Idee schon da ist… die Idee ist das was Modelle zu Modellen werden lässt.

  5. Hallo Martin,

    ein interessantes Thema das du aufgreifst.

    Generell uebergebe ich meine Daten demjenigen, den ich auf der Strasse oder sonstwo anspreche. Die Person kann sich dann über die Webseite einen Eindruck meiner Arbeiten machen und sich dann von sich aus bei mir melden. Ich verlange deswegen NIE Daten der Person, die ich anspreche. ich denke das haelt die Ungezwungenheit in dieser Situation ein wenig am leben.Ich kann deswegen jedem nur dazu raten, sich im Internet eine Bild-Praesenz zu schaffen. In den Zeiten von Google Webalben und Picasa ist sowas auch ohne finanziellen und technischen Aufwand moeglich.

    VG Frank

  6. Um das Thema mal fort zu setzen wären folgende Aspekte interessanzt:

    – Nutzungsrechte, wer darf was mit den Bildern machen (darf der Fotograf zum Beispiel veröffentlichen lassen über Agenturen wenn es ein TfP-Shooting war)

    – Was sollte man dem Modell zahlen, wenn es ein Shooting zu Übungszwecken oder wie o.g. Shooting für Microagenturen ist ….

    – Umgang mit dem Modell

    Bestimmt für viele ein interessanter Punkt …

    LG, KS

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Anzeigen