22. März 2018


#TRANSPARENZ -> Das fertige Endergebnis, nämlich die freie YouTube Videostrecke DESTINATION NEUSEELAND ist finanziert durch Nikon Deutschland. Mehr Infos! Dieser Blogbeitrag hat nichts mit irgendeiner Abrede zu tun. Wir haben schon in Island und während Frankreich ein Tagebuch geschrieben. Hier gibt es auch keine Amazon Links und keine sonstigen „Werbelinks“. Einfach nur ein ehrliches Tagebuch über das Leid zweier armer kleiner Fotografenhanseln.

01.03.2018 – Der Tag fing mal wieder großartig an. Nämlich mit totaler Panik. Der Regenbericht war die Tage ja schon schlimm, aber so schlimm wie heute, war es nur damals am Tag der Landung. Da war aber auch die halbe Insel überflutet und lauter Straßen unbefahrbar.

Heute in der Früh zeigt das Regenradar fast 80% der Insel im Regen. Und zwar für die kommenden Tage. Und wir sitzen mitten drin.

Queenstown liegt mitten im Gebirgszug. Das Gebirge zieht sich auf der südlichen Insel von oben nach unten und ist der ideale Blocker für Wolken und wenn die Wolken sich da mal gefangen haben, dann ist da so schnell nichts mehr zu machen. Noch regnet es nicht aber das würde sich in den nächsten Stunden ändern.

Nach dem Frühstück samt einiger obligatorischer Regenwolkenfotos beschlossen wir NICHT auf die Pässe des Hochgebirges zu fahren, sondern die Route zu ändern. Wir wollten einen Sprung quer über die Insel machen. Fahrtzeit circa. 7h, von 9 Uhr bis circa. 16 Uhr. Aus dem Gebirge zurück an die Ostküste. Dort soll es nämlich die kommenden Tage nicht regnen, wohl aber sonst auf der gesamten Südinsel.

Marc ist nicht erfreut aber was solls. Nochmals ein paar hundert Kilometer mehr oder weniger machen den Kohl jetzt auch nicht mehr fett.

Die Fahrt verläuft ohne größere Zwischenfälle. Wir konnten uns gehörig unterhalten und auch einige Dinge abarbeiten.  Das BackUp erstrahlte in neuem Glanze und wir hatten auch etwas Zeit, einige gezielte Blicke in die Aufnahmen zu machen. Die versprechen wirklich Tolles.

Nur 5h später, Marc hatte es geschafft eine ganze Stunde rauszufahren, kommen wir an unserem Ziel an. Die Ostküste. Ein kleiner Campingbereich (es handelt sich um nicht um einen Campingplatz!) direkt an der Küste ist unser neues Zuhause. Der Himmel ist nicht blau aber immerhin regnet es hier nicht. Auf unserer Fahrt in den Osten wurden wir immer wieder eingeholt vom Regen.

Der nächstgrößere Ort hieß heute Dunedin. Genauer gesagt befanden wir uns im Warrington Recreation Reserve.

Kaum waren wir direkt nach der Ankunft auf dem Campingbereich mit all unseren Rucksäcken, Stativen, Kameras und Objektiven an den Strand gewackelt, zeigte sich Neuseeland abermals von einer erstaunlichsten Seite.

Was anfangs wie ein Stück Treibholz im Sand aussah, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als ein Tier. Nachdem wir dann der festen Überzeugung waren, dass ein armer Seebär gestorben und als Kadaver gestrandet sei, regte sich das Ungetüm dann plötzlich doch. Da standen wir aber kaum 4-5 Meter weit weg und waren dann plötzlich allesamt in seichter Panik.

Das sieht zwar auf den Fotos so fern aus, aber wir wissen ja alle als Fotografen was so ein Weitwinkelobjektiv mit der Perspektive aus Distanzen anrichten kann.

Marc war es auf jeden Fall schon etwas flau im Magen und eigentlich ist er der dicke Seebär, der sich von nix aus der Ruhe bringen lässt. Seine stoische Ruhe war aber mit dem schätzungsweise 500kg Koloss dann doch auch grenzwertig herausgefordert.

Wir haben probiert dem Dicken, und damit meine ich nicht Marc, nicht auf die Nerven zu gehen. Immerhin hatten wir ja das 200-500 dabei. Wir waren auch nur so nahe an ihm, weil wir einfach nicht verstanden hatte, dass da ein lebendes Tier liegt und seinen Mittagsschlaf macht.

Später haben wir dann auch die Drohne aufsteigen lassen und das war übrigens nicht mal ein Augenauf des Dicken wert. Wir haben die Drohne nicht absichtlich über das Tier fliegen lassen, sondern haben Aufnahmen vom Strand und der Weite gemacht. Nur beim Rückflug sind wir dann doch mal etwas über den schlafenden Koloss geflogen. In ordentlicher Höhe und nicht über ihn sondern nur „in die räumliche Nähe“. Auf dem Foto aus der Luft erkennt man wie nah unsere Sachen beim Seelöwen liegen. Der Rucksack ist kaum 50cm groß und in der Breite sicherlich eher 30cm. Das sind nicht viele Meter Entfernung und man sieht ja auch noch, wo wir im Sand standen um die Fotos zu machen.

Es war ein großartiges Erlebnis und so ein bisschen Schock hatten wir heute auch. Nicht wegen des Tieres, übrigens ein Raubtier, sondern weil unsere Köpfe langsam nicht mehr die Realität verarbeiten können.

Wir sind im Arbeitsrausch, fahren täglich stundenlang, dauernd irgendwelche Stops zum Fotografieren und Filmen, hohe Konzentration, Drohnefliegen, Kreativität auf Knopfdruck, Stress, Wetter, schlechtes Essen und wenig Schlaf. Dazu die Enge, die Intimität oder besser die fehlende Intimität oder auch BEIDES… und die Umgebung ändert sich in einem so raschen Tempo… der Kopf schaltet irgendwann aus.

Gestern standen wir noch im Gebirge, waren nur wenige Höhenmeter vor der Schneegrenze, jetzt sind unsere Füße im weißen Sand und das Meer rauscht. Die Tage davor hatte mein Kopf schon verdrängt.
Immer öfters passierte es, dass wir uns gegenseitig fragen, wann wir wo was gemacht haben.

Das Wetter war zu dieser Zeit nicht mehr prickelnd sonnig sondern die Wolken zogen von beiden Seiten auf uns zu. Na Prost, da hatten wir diesen riesigen Sprung mit unserem fahrenden Wandschrank gemacht und dann sowas. Wobei fotografisch und filmisch der Dunst über dem Meer mega geil ausschaut. Es ist eine Art Schleier über der Realität und verleiht den Szenen eine ungewohnte Plastizität. Also mussten wir einfach uns die Sache etwas schöner reden und die positiven Seiten erkennen.

Die Lichtsituation hat sich heute den ganzen Tag über 4-5 Blenden geändert. Unfassbar und absolut nicht gewöhnlich für unsere Breiten. Normalerweise kämpft man zwischen Sonne und Wolke mit 2, maximal 3 Blenden Lichtverlust. 4 bis 5 Blenden ist abartig viel. Das liegt auch an der Intensität der Wolken und der Stärke der Sonne. Schätze ich jedenfalls. Heute war der ND Vario-Graufilter das wichtigste Tool.

Heute war das mit dem Wetter auch irgendwie ok. Wir hatten dem Regen getrotzt. Auch wenn wir jetzt nicht dauernd einen blauen Himmel hatte, immerhin hatten wir nicht einen Regentropfen und der Blick auf das Regenradar zeigt, dass ganz Neuseeland im Regen verschwand. Wir hatten uns wirklich den einzigen Spot auf der gesamten Südinsel herausgesucht an dem das Wasser nur aus Richtung Meer und nicht vom Himmel kam.

Übrigens gucke ich immer so grimmig, wenn ich nicht gerade ein Tutorial mache. 🙂 Ja, gebe ich offen zu… so ein Strahlemann bin ich oftmals gar nicht ohne dass ich weiß, dass da eine Kamera auf mich gerichtet ist. Mag jetzt vielleicht nicht sympathisch sein aber für meine Mundwinkel kann ich nix.

Nachdem wir gute 3-4h am Meer verbracht hatten, zeigte das Regenradar leider eine negative Entwicklung. Auch unser heutiger Standort sollte in den kommenden Stunden völlig und mit absoluter Sicherheit von dicken Regenwolken erwischt werden.

Lösung? Na klar, abermals 6h Autofahrt in den Norden. Da zeigte sich nämlich das nächste Loch.

Auf dem Weg noch ne Schachtel FISH&CHIPS…

Und so tuckern wir also mit unserem fahrenden Wohnzimmer abermals quer durch Neuseeland. Ein bisschen Baustelle hier, ein wenig Schotterpiste da, aber Marc lenkt unser Schlachtschiff souverän über die Kiwi-Straßen.

Die lustigste Geschichte das Tages kommt jetzt aber erst. Wir hatten uns einen Spot am Fluss mit West-Ausrichtung ausgesucht. Für unsere tägliche Jagd nach einem Sonnenuntergang.

Doch knappe 40km vor dem Ziel blinkte plötzlich das Tank-Symbol am Wandschrank auf vier Rädern. Na toll. Tankstellen gibt es in Neuseeland nicht an jeder Ecke. Die nächste Tankstelle, 60km weit weg. Fuck, wie konnte das nur passieren.

Wir entschlossen uns, die Gruppe der Gefährten aufzuteilen. Thilo und meine Wenigkeit wollten den Sonnenuntergang erwischen während Marc und Julian das Auto tanken wollten.

Nachfolgend das ungläubige Staunen von Marc, dass wir wirklich irgendwo zu Fuss ausgesetzt werden wollten. Wir hatten noch Zeit einen Treffpunkt für in genau 2h zu setzen, dann rannten wir los in die Büsche.

Der Weg zu einem guten Spot für den Sonnenuntergang gestaltete sich dann leider auch wesentlich schwieriger als gedacht. Durch die ganzen Regenfälle die Tage zuvor, waren Wege, die noch bei Google Maps verzeichnet waren zu Sturzbächen geworden und ich musste mich mit Thilo und ohne eigentlich notwendige Machete durch das Unterholz kämpfen, nur um am Ende vor einem Fluss zu stehen, an dem es dann absolut kein Weiterkommen mehr gab. Aber immerhin die Drohne konnten wir vom Ufer aus steigen lassen.

Der Tank reichte übrigens noch ganz, ganz knapp bis zur Tanke. Und mit knapp, meine ich wirklich knapp. 1 Liter war noch im Auto! 1 Liter war im Tank! So angespannt und unter Stress hat man Marc selten erlebt. Am Ende ist natürlich trotzdem alles gut gegangen, wir wurden an vereinbarter Stelle wieder eingesammelt und machen uns jetzt auf den Weg zu einem hoffentlich richtigen Campingplatz. Mit Dusche und Strom. Hoffentlich. 😉

Marc, Thilo, Julian und Martin


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