14. April 2017


Der vierte und damit letzte Tag steht an. Es ist Donnerstag um 5.30 Uhr. Wir haben mal wieder allesamt nur circa 4 Stunden Schlaf bekommen. Aber wie sag ich immer, 4 Stunden Schlaf sind viel besser als 2h Schlaf :-). Die Datenmenge ist einfach ziemlich enorm und wir sortieren jeden Abend alle Daten. Drohne, Fotokameras, Videokameras, NinjaRecorderFestplatten etc. Und alleine die 10bit Videofiles sind riesig. Es kommen pro Tag circa. 250gb zusammen.

Heute stehen wichtige Füllszenen an. Wir haben ganz genaue Wünsche und geskriptete Szenen und zwei Szenen sind Zeitrafferaufnahmen. Wir brauchen für chronologische Übergänge Zeitraffer von Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Damit bekommt man im Film nämlich den Zeitsprung hin und zeigt dem Zuschauer visuell an, dass Zeit vergeht und die darauffolgende Szene z.B. eine Nachtszene sein darf.

Problem mit Zeitraffer-Aufnahmen ist eben immer die Tatsache, dass man viel Zeit braucht. Ein Zeitraffer gerade zu Sonnenaufgang dauert gut mal 1-2 Stunden. Und viel kritischer ist die Zeit bei Sonnenuntergang. Denn diese Zeit brauchen wir dringend zum Fotografieren und Filmen des Autos.

Wir können uns also entscheiden. Machen wir einen Zeitraffer oder gehen wir das Auto fotografieren? Die Lösung ist sehr simpel. Wir machen beides! 🙂 Wir haben speziell für Zeitraffer eine relativ einfache gebrauchte mft Kamera und die lassen wir auch mal einen halben Tag in der Natur stehen. Die Kamera hat schon Regen abbekommen und auch die eine oder andere Nacht einsam an dunklen Orten verbracht. Die Kamera wird auf ein unscheinbares Bodenstativ gepackt und relativ bodennah positioniert. Wir suchen uns Stellen, an denen man nicht einfach so vorbei kommt, starten den Zeitraffer und gehen einfach weiter arbeiten. Nach einigen Stunden ist der Akku leer und die Bilder auf der Speicherkarte und die Kamera hoffentlich noch da.

Das klingt jetzt total krass. Ich möchte das aber kurz erklären. Es ist nicht so, dass wir so viele Kameras haben, dass es uns egal wäre ob eine mehr oder weniger da ist. Natürlich wäre es sau blöde, wenn jemand die Kamera mitnehmen würde. Es geht hier aber auch um andere Kostenstellen. Wenn wir zu dritt oder viert genau 4 Tage Zeit haben, dann können wir einfach nicht für einen ganzen Abend die Kamera bewachen. Wir hatten die letzten Tage extrem Glück und wirklich perfekte Sonne am Abend. Normalerweise fällt aber 50% der verfügbaren Tage aufgrund von Wetter oder anderen Gegebenheiten weg. Dann hat man Zeitdruck und muss abliefern. Eine gebrauchte Kamera für 200-300 € ist sozusagen geplantes Risiko… wir tun alles, dass sie noch da ist aber es ist in der Sekunde einfach wichtiger zu produzieren und nicht dumm neben der Kamera zu sitzen. In kritischen Fällen nutzen wir dafür übrigens eine kleine schwarze ActionCam, die man noch besser verstecken kann. Ist dann immer noch 150-200 € aber ist eben noch kleiner und noch weniger gut zu erkennen.

Heute Morgen ist etwas ganz komisches passiert. Als wir zur Kamera wiederkamen, war der Graufilter vor der Kamera auf dem Boden. Alle Aufnahmen ab einem bestimmten Punkt mitten im Sonnenaufgang waren einfach nur noch weiß. 🙁 Wir wissen alle nicht wie sowas passieren kann und warum? Auf jeden Fall war damit das frühe Aufstehen echt für den A…! Und wir dürfen morgen früh nochmals raus! Arg!!!

Nach dem Aufstehen sind wir dann direkt losgefahren in Richtung Malojapass. Einer der schönsten Auto-Pässe was Serpentinen betrifft. So haben wir das jedenfalls im Vorfeld recherchiert.

Auf dem Weg von einen zum nächsten Pass haben wir dann nach kleinen Fotospots Ausschau gehalten. Wir sind wirklich zu 95% fertig mit den Videoaufnahmen. Selbst wenn wir jetzt direkt fahren würden, wir könnten das Video final schneiden. Daher konzentrieren wir uns jetzt hauptsächlich auf das Fotografieren.

Und wir waren keine 5 Minuten im Auto, da haben wir einen Bunkereingang gefunden. 🙂 Total toll im Gegenlicht! Also sofort angehalten und los gelegt.

Auf dem Foto oben positioniere ich das Auto ganz knapp an den Schattenrand. Somit bekommt man mehr Reflexe von oben auf die Karosserie und gleichzeitig ist die Freistellung potentiell höher. Wir arbeiten ja mit mft Kameras und da sind Kleinigkeiten eben auch wichtig. Eine mft Kamera ist einer Vollformatkamera nicht zwangsweise unterlegen. Das liegt eher am Preis und an den verbauten Einzelteilen. Was aber die Sensorgröße betrifft, kann man mit sehr sauberen und cleveren Arbeiten grandiose Freistellungen erzeugen.

Nachfolgend ein kurzes Foto mit der BehindTheSzenes Kamera. Das Foto ist ohne Polfilter gemacht und einfach nur mal so geknipst. 🙂 Aber es lässt erahnen, wie cool die Location war.

Das Foto hat uns mal wieder knappe 60 Minuten gekostet und dann konnten wir endlich weiter zum Malojapass. Und um zu zeigen wie genial die Serpentinen sind, gibt es hier mal eine Drohneuaufnahme vom Pass. Wer mal mit dem Auto oder Motorrad richtig Serpentinen fahren möchte, da wird man fündig.

Für uns war der Pass leider ein kompletter Reinfall. Da fast alle anderen Pässe noch geschlossen sind ist der Malojapass eine der Hauptstrecken in den Süden und für unsere Videoaufnahmen war der Pass einfach zu sehr befahren. Das hat uns mal schlappe 3h gekostet für nix und wieder nix. Sowas nervt aber gehört auch dazu. Dafür gibt es aber auch Zufälle in die genau andere Richtung.

Auf dem Weg zum Malojapass haben wir nämlich wirklich malerische Kulissen gefunden und konnten das Videomaterial nochmals mit Drumherumszenen auffüllen.

Wir arbeiten dafür ziemlich stark im Team. Während sich einer von uns auf die Kamera konzentriert, startet und beendet ein anderer die Aufnahme. So kann sich der Mann an der Kamera voll und ganz auf das Motiv konzentrieren und wird noch beratend unterstützt bezüglich Belichtung und Bildschnitt.

Viele Aufnahmen machen wir dabei aus der Hand aus dem Auto, nutzen aber 180 oder 60 frames. Zusammen mit der Stabilisierung der Kamera kriegt man erstaunlich ruhige Aufnahmen.

Zurück zum Auto… das Chaos wird immer größer. Es stapelt sich die Ausrüstung und wenn wir noch einen 5. Tag produzieren würden, dann wäre heute mal ein Grund-Aufräumen notwendig. Ist es aber nicht, denn heute Abend oder morgen Früh können wir sowieso zusammenpacken.

Eine Sache die Dima, Daniel und mich wirklich geflashed hat ist die Steuerung der Kamera per Wifi und App. Wir witzeln immer, dass es so ein bisschen wie PlayStation in real ist. Wir steuern die Kamera in Belichtung, WB und Fokus komplett aus dem Auto heraus und lösen damit die Kamera auch aus. Die hängt z.B. am Auto dran oder im anderen Auto innen drin. Man kann sich die Bilder direkt in Ruhe und in GROß angucken und es klappt ziemlich einfach. Wir haben uns an der Tanke eine Tablet-Handy-Halterung gekauft und haben die Halterung mit dem MagicArm im Auto montiert. So wichtig war die Sache uns. Ich hätte nie gedacht, dass ich so WLAN-Steuer-Schnickschnack mal wirklich nutzen würde. Dass es dann sogar bei sowas mit einer derartigen Wichtigkeit wäre, das hätte ich mir nicht erträumen lassen.

Bis dahin haben wir aber noch einen Sonnenuntergang und einen Sonnenaufgang. Und das möchten wir nutzen. Die Kulisse ist einfach wahnsinnig toll. An jeder Ecke könnte man Fotografieren.

Auch hier… ein Schuss der nur kurz mit der BTS Kamera gemacht wurde. Aber es zeigt die wahnsinnigen Kulissen einfach super.

Und egal ob für Foto oder für Video. Es gilt immer… wer gute Bilder will, der muss sich schmutzig machen können. Dima nimmt hier gerade einen Teleschuss auf Wasserhöhe auf.

Und heute haben wir alle auch etwas mehr Freiheiten. Jedenfalls viel mehr als die Tage vorher. Ich hab so ein bisschen die Drohnen-Auto-Fotografie im Kopf für den Nachmittag. Ich möchte es schaffen eine tolle Aufnahme des Autos von oben zu machen. Und das ist gar nicht mal so einfach. Man muss Porsche klar erkennen können. Das Auto darf nicht zu klein sein und die Location muss einfach grandios dazu passen. Ja, leicht gesagt, schwer gemacht!!! 🙁

Wir waren in der Zwischenzeit durch St. Moritz auf den Bernina-Pass weitergefahren. Das ist die berühmte Route der Rhätischen Bahn und ein Pass der umrahmt von wirklichen Gletschern ist. Dort haben wir uns dann für den Abend ausgetobt.

Mit der Drohne muss man z.B. extrem mit Vordergrund und Hintergrund spielen. Die Kamera hat ja keine Freistellung, keine Tiefe. Daher ist wichtig gegen das Licht zu arbeiten und zusätzlich eine Motiv-Tiefe einzubauen. In unserem Fall bin ich im Wald gestartet und habe die Bäume im Wald als Motiv-Vordergrund genutzt um das aus dem Wald heraus zu fotografieren. Leicht riskant aber ich habe weder Spielchen versucht noch habe ich das Glück wirklich herausgefordert und die Drohne kam am Ende wieder heile in den Rucksack.

Ich hatte ja oben bereits gesagt, dass wir mit den Video bei 95% stecken. Die 5 letzten % sind Füllszenen und wir haben uns den Sonnenuntergang für den Innenraum reserviert. Auf dem nachfolgenden Foto montiert Dima gerade die Kamera.

Dima war relativ schnell fertig und wir  hatten sogar noch Rest-Sonnenlicht für einige Alpen-Natur-Blumen-Aufnahmen.

Und dann gab es noch weitere Detailaufnahmen :-). Das klingt jetzt hier alles so spielerisch einfach. Aber bis man eine 4K Kamera und das Licht sauber gesetzt hat, bis man evtl. Flecken oder sonstige Details aus dem Bild getilgt hat, da vergeht richtig Zeit. So eine einfache Szene beim Schalten ist nicht in 10 Minuten gemacht. Da will man das Licht nochmals etwas softer und der Swatter muss aufgebaut werden und schon sind nochmals 15 Minuten rum. Meistens ist es auch so, dass genau diese Szenen ich schlecht zeigen kann. Denn dann werden alle Hände fürs Helfen und fürs Arbeiten benötigt und keiner ist mehr da um davon ein Foto zu machen. Wie auch? Dann würde die Arbeit ja noch länger dauern.

Und dann hatten wir heute wirklich viel Glück. Denn unser Pass-Spot hatte das Tal genau in Richtung Westen und wir hatten nochmals zusätzlich circa 30 Minuten. Perfekt für einen neuen Zeitraffer-Versuch. 🙂 Dieses Mal hatten wir eine gleiche Wasserpfütze entdeckt und konnten die Spiegelungen der Pfütze nutzen.

Und eine Stunde später war die Kamera immer noch da :-). Die hat den Sonnenuntergang perfekt mit Spiegellung aufgenommen. Glück gehabt, denn dieses Mal war der Graufilter drauf geblieben.

Und damit war der Tag auch schon vorbei. Wir beschlossen nochmals zurück zum Julierpass zu fahren und dort Quartier für die Nacht auf dem Pass zu beziehen. Damit waren wir Stuttgart schon einige km näher und wir kannten den Pass bereits aus den Tagen davor.

Und hier endet der Tag 4. Für uns ging es danach nur noch weiter mit BackUp und Sichtung. Alle Daten des Tages werden einmal kopiert, danach auf der Festplatte sortiert und im Anschluss werden alle Daten des Tages komplett auf eine zweite Festplatte gezogen. Und in Anbetracht von 300-400GB ist das eben nicht in ner halben Stunde gemacht. Also wer denkt, dass wir direkt um 22 Uhr ins Bett können??? Fehlanzeige. Wir sitzen meistens bis circa 1-2 Uhr zusammen und schieben Daten zusammen. Der Hauptfahrer für den Porsche darf aber immer etwas früher ins Bett. Der muss ja auch ausgeruht sein um diese ganzen halsbrecherischen Aktionen zu fahren. 🙂

In diesem Sinne, viel Spaß beim Osterfest

Euer Martin


Ich möchte hier den Abreisetag noch kurz dran hängen. Es ist zu wenig für einen eigenen Beitrag im Blog aber auch zu viel um es einfach so vergammeln zu lassen. Vor allem heute gab es ein wirkliches Highlight im negativen Sinne. Das absolut Letzte auf unserer Skripting-Liste waren die Tonaufnahmen. Wir hatten noch in der Nacht einige Tonrecordings gemacht aber es fehlten trotzdem einige spezielle Momente.

Und den besten Ton bekommt man mit einem externen Tonaufnahmegerät direkt an der Tonquelle. Wir hatten den Recorder schon in der Nacht in die Nähe des Auspuffs gebracht und hatten leider etwas Windgeräusche in der Aufnahme. Unsere Lösung war, die Tonquelle näher an den Auspuff zu bringen. Lauteres Geräusch und weniger Wind direkt am Fahrzeug. So die Theorie. Wir hatten sogar im Stand im Leerlauf mal probiert wie heiß die Abgase werden. Sind sogar vorsichtig mit der Hand an den Auspuff bei 4000-5000 Umdrehungen ran gegangen. Es war heiß aber nicht so heiß, dass wir dachten, dass es gefährlich für das Gerät werden würde. Maximal rechneten wir damit, dass der Schaumstoff inklusive Mikrofon-Aufsteck-Kapsel kaputt gehen könnten. Und das war uns das Risiko wert… Bloß liegen Theorie, Ausprobieren, Testen mit der Hand und Praxis leider deutlich auseinander.

Wir wollten lediglich einmal Gas geben und kaum 500m fahren. Es ging uns nur um ein Beschleunigungsgeräusch durch 2-3 Gänge. 🙂

Tja, das war das Gerät. Der Porsche hat das komplette Gerät weggeschmolzen. Inklusive dem dicken Gehäuse-Plastik. 🙂 Und das Schlimmste… Die Aufnahme wurde nicht korrekt beendet und ist leider unbrauchbar. 🙁 ARG… Damit gab es doch etwas Schwund am letzten Tag… 🙂 Am Abreisetag sogar noch!

Danach gab es für uns nix mehr zu tun. Nur noch Aufräumen, Zusammenpacken und ab nach Hause.

Und dann ging es auf die Straße. 376km bis Stuttgart Zuffenhausen und dann nochmals knappe 350km bis Köln.

An dieser Stelle nochmals ein dickes Danke an unsere Walkie-Talkie. Auch wenn die Übertragung nicht immer perfekt war, es hat uns oft den Arsch gerettet und hat das Arbeiten viel produktiver gemacht.

Das war es dann auch… wir hatten wenig Verlust. Außer eben den Tonrecorder. Aber im Vergleich zu potentiellen Schäden an Auto oder an sonstiger Ausrüstung ist das alles prima. Wir haben wenigstens gelernt wie heiß Auspuffgase sein können. Aber niemand wurde verletzt und ich hatte jeden Tag Angst, dass die Kamera nicht am Auto hält, dass der Saugnapf abreißt und z.B. den Porsche dahinter beschädigt und natürlich der Porsche dann die Kamera samt Objektiv platt fahren würde… das war das Worst-Case Szenario der letzten Tage und das ist nicht eingetreten. Wir haben 1921GB an Daten auf der Festplatte und jetzt fängt die Arbeit erst richtig an… 🙂 Ich bin wirklich gespannt auf das Gesamtergebnis. 🙂

Es waren stressige aber schöne Tage. Wir haben insgesamt vielleicht so um die 21h in 5 Tagen geschlafen aber niemand von uns hätte weniger erleben wollen. Was ich total krass finde ist die Tatsache, dass alle Arbeit auf einer kleinen orangenen Festplatte auf dem Schreibtisch liegt. Wie kann so viel Arbeit so unscheinbar da liegen??? 🙂 Aber das sind wir Fotografen ja auch gewohnt. Viel Arbeit und nachher kommen ein paar Rohdaten raus 🙂 und wenn wir glücklich sind, dann vielleicht noch ein Bild an der Wand. 🙂

In diesem Sinne ein schönes Osterfest mit eurer Familie.

Euer Martin

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