12. April 2017


Nach einer viel zu kurzen Nacht ging es heute wieder früh los. Sehr früh. Denn noch mehr als bei der Fotografie von Menschen sind wir bei Autos auf das richtige Licht angewiesen. Während man ein Portrait noch aufblitzen oder abschatten kann, so wird dieses Unterfangen bei Autos doch plötzlich wesentlich schwerer. Um aus den schlimmsten Bedingungen noch ein tolles Licht zu holen, dafür haben wir nicht die notwendige Ausrüstung und ManPower dabei.

Daher lieber 1-2 Stunden weniger Schlaf und früher raus. Wir sind auf Sonnenaufgang und Untergang extrem angewiesen. Es sei denn, der Himmel beschert uns eine gigantische Softbox. Und Tatsache, tief hängender Nebel bescherte uns eine riesige weiß-graue Fläche über dem Auto und machte es möglich, sich gezielt auf die Außenbereiche des Fahrzeuges zu konzentrieren.

Wir haben gemerkt, dass unser kleiner Bus ziemlich perfekt für Auto-Jobs ist. Man kann während der Fahrt die Heckklappe halb öffnen und herausfotografieren.

Oder man braucht Saugnäpfe und kann dann die vielen geraden Flächen am Auto nutzen. Zu beiden Spielarten kann ich gleich noch mehr verraten. Wir haben aus einigen anderen Jobs bereits Erfahrungen gemacht und ich kann diese hier auch gerne mitteilen. Vibrationen sind der Feind jeder Außenkamera.

Vorweg aber erst einmal eine besonders wichtige Sache. Und zwar unser Motorola Walkie-Talkie. Warum Motorola, weil es bei Amazon Bestseller war und einfach am günstigsten :-)… wir sind aber sehr zufrieden damit und es ist mit das wichtigste Tool überhaupt. Sämtliche Kommunikation wäre fast unmöglich ohne das Gerät. Vor allem im Ausland, wenn nicht alle im Team Handy-Flatrates haben.
Sei es die Stellung der Vorderräder oder ob das Auto noch etwas vor oder zurück muss. Gerade bei den Drohnen ist wichtig, dass Pilot und Fahrer sich nicht nur absprechen sondern die Positionen timen. Und für den Drohnenpilot nehmen wir das Walkie-Talkie mit der Freisprecheinrichtung mit Sprecherkennung. Bedeutet, der Pilot braucht keinen Sprechknopf zu drücken sondern das Gerät erkennt die laute Stimme und stellt automatisch auf Sendung. Wer Autos fotografieren oder filmen möchte, der braucht ein ordentliches Walkie-Talkie.

Heute haben wir zum ersten Mal das große Ronin ans Vorderauto geschraubt und damit nach hinten raus gefilmt. Das RoninM ist Gyro-Stabilisierungssystem. Damit lassen sich Verwackler und Vibrationen reduzieren und man kann das Ronin auch per Fernbedienung steuern. Einer von uns sitzt also im Auto, nimmt die Daten auf den Datenrekorder von Atomos auf und steuert dabei das Gimbal. Gar nicht so einfach, wenn man rückwärts zur Fahrtrichtung sitzt und Serpentinen abgefahren werden. Ist natürlich immer so ein komisches Gefühl, wenn man so viel Geld außen ans Auto hängt und dann mit ordentlich Stoff durch die Gegend donnert. Jede Bodenwelle könnte das Ende sein. Natürlich versuchen wir das zu vermeiden und machen die Geräte mit bis zu drei Punkten am Auto fest… aber auszuschließen ist es eben nicht.

Allein der Aufbau dauert bis zu 45 Minuten und wir können mit diesem Aufbau nicht ständig durch die Gegend tuckern. Das heißt, nachdem die Szene im Kasten ist: abbauen und weiterfahren. Ich wünsche mir zurück „nur fotografieren“ zu müssen. Video ist nochmals echt ne Herausforderung in zeitlicher Hinsicht.

Gestartet sind wir heute übrigens an der Schwägalp – einer relativ niedrigen Bergüberquerung, auch Pass genannt. Knapp 1400m über Meereshöhe. Die Abfahrt Richtung Autobahn haben wir natürlich mit einigen Stops garnieren müssen. Es gab so viele kleine Momente und Motive, an denen wir nicht so ohne Stop vorbeifahren konnten. Und gegen Mittag ging es dann schlussendlich auf die Strecke gen Süden. Ziel war der Lukmanierpass im italienischen Grenzgebiet der Schweiz. Wenn ich mich recht entsinne, dann waren wir heute in Graubünden. Einem der Gründungskantone der Schweiz und wer denkt, Zürich wäre Schweiz, der war noch nie in Graubünden.

Angekommen war es einfach nur WOW! 🙂 Ideales Wetter und ideale Bedingungen umgeben von 3000 Meter hohen Bergen. Ein grandioser Stausee inkl. Bilderbuch Staudamm und sehr leere Straßen. Idealvoraussetzungen für unsere Fotos und Einzelclips.

Angefangen haben wir mit den Standbildaufnahmen. Die meisten fotografieren wir CAR 2 CAR.

Das bedeutet, dass ein Auto das Motiv begleitet und von Auto 1 das Auto 2 fotografiert wird.

Dabei gibt es viele potentielle Fehler und Schwierigkeiten. Viele waren früher eher kompliziert und aufwendig zu lösen und sind heute kinderleicht geworden.

So nutzen wir z.B. die WLAN Steuerfunktion der App um die Belichtung aus dem Auto heraus zu verändern, die Schärfe zu setzen und auch das Bild auszulösen. Das war früher gar nicht möglich oder man musste mit Zusatzgeräten arbeiten oder eben direkt ins Auto das Tethering machen. Heute löst das Handy das Problem.

Wichtig war heute zudem die Drohne fliegen zu lassen. Und zwar so viel wie möglich. Ich muss zugeben, dass wir keine professionellen Drohnenfilmer sind. Also für mich sind das die Leute, die Tag ein Tag aus die Drohne steigen lassen um ein spezifisches Motiv zu filmen oder zu fotografieren. Z.B. Autos. Wir sind sowas wie Hobbyisten der Drohnenflieger. Lieber etwas vorsichtiger als zu stürmisch. Trotzdem sind die Aufnahmen wichtig und wir müssen uns etwas an die gefährlichen Drohnenaufnahmen herantasten. Natürlich wollen wir dem Auto in kurzer Distanz folgen oder vorausfliegen… aber so einfach ist das halt mal nicht.

Für unsere Mavic inkl. Ersatzdrohne haben wir insgesamt 6 Akkus, können also circa. 120 Minuten in der Luft bleiben. Erfahrungsgemäß läuft das auf circa. 60 Minuten effektive Arbeitszeit heraus und das ist gar nicht so viel, wenn man erst wieder spät am Abend die Akkus laden kann.

Dann ging es gegen späten Nachmittag weiter mit gestellten Fotos. Dabei fotografieren wir vom Stativ, ebenfalls gesteuert und ausgelöst durch die Handy-App, unzählige Fotos für ein fertiges Bild.

  • Eine komplette Belichtungsreihe von +3 bis -3 vom Auto.
  • Eine komplette Serie mit einzeln abgeswatteten Autobereichen.
  • Eine komplette Serie mit dem Graufilter in jeder Position in 20-40° Schritten.
  • Eine komplette Belichtungsreihe des Bildes ohne Auto.

Teilweise ersetzen wir den Swatter dann durch einen Blitz mit Softbox. Kommt ein bisschen auf den gewünschten Look an.

Für die GH5 gibt es, genauso wie für alle anderen Olympus und Panasonic Kameras das Elinchrom System sogar mit HiSync Funktion zum Blitzen bei Belichtungszeiten bis 1/8000. Wir haben einen ELB400 samt HiSync Kopf und Auslöser dabei und fotografieren mit einer 175cm großen Softbox. Damit wird das Licht auch richtig weich und man kann jede Form und Linie des Autos nochmals extra hervorholen.

Kommen wir aber einfach mal zu einer Besonderheit. Ich hätte nicht gedacht, dass es den Hoover Staudamm nochmals gäbe aber die Schweizer haben es tatsächlich gemacht. Ein riesiger Moloch von Beton steht da und hält Wasser auf :-). Niemand weit und breit und man kann sogar auf dem Damm den Porsche fahren bzw. dort filmen und fotografieren. Wo außer in James Bond gibt es denn sowas???

Dieser Damm hat uns 4 Stunden gekostet aber hat uns mit 4h wahnsinnigem Material belohnt.

Und dann war es auch schon wieder 19:53 und die Sonne war weg. Die geht ja so verdammt schnell in den Bergen unter, dass man plötzlich im Dunkeln steht. Also hieß es wieder das Handy rausgeholt, Booking.com App aufgemacht und das nächste Hotel gesucht… Egal was, Hauptsache NAH und mit INTERNET.

Ach ja, und nicht vergessen: die abendliche Reinigung des Autos. 🙂 Die ist natürlich Pflicht.

Heute war ein produktiver Tag. Tolle Fotos, tolle Videos… und wir sind fix und alle…

Viele Grüße, euer Martin

Kommentare (1)

One thought on “EINE PRODUKTION MIT K&G – 02

  1. Nur so nebenbei 😉 Graubünden ist kein Gründungskanton der Schweiz… (Klugscheisser Modus aus). Aber auf jeden Fall spannend zu lesen. Freue mich auf morgen.

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