19. März 2017


Terminproblemchen

Unsere Tage an Bord der Aida entwickeln sich zu einer kleinen Planungsherausforderung. Jeden Tag legt das Schiff zu einer anderen Zeit für eine andere Dauer in einem Hafen an und wir müssen irgendwie am Tag den Crashkurs Dreh mit circa zwei bis drei Stunden unterbringen.

Die richtigen Probleme entstehen scheinbar irgendwie aus dem Nichts. So hat heute der Captain unsere sowieso schon knappe Aufnahme durch eine Lautsprecherdurchsage von 15 Minuten in die Länge gezogen. Schön für die anderen Gäste und auch hoch interessant, aber wenn man gerade mitten in einer Aufnahme steckt und alle Lautsprecher auf dem gesamten Schiff plötzlich lostönen, dann darf man eben alles nochmals neu machen.

Und der Kapitän ist ja nicht der einzige… 🙂 Da kommen ja die Durchsagen für die Ausflüge und sonstige Informationen hinzu :-)… Ton auf der Aida… keine leichte Sache!

Wir haben uns heute so früh aufgemacht, um noch an einem leeren Deck bei Sonnenaufgang drehen zu können und schon wieder hat es sich gelohnt auf ein paar Stunden Schlaf zu verzichten.

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Das ist irgendwie das Schöne an der Fotografie. Manchmal wird man eben zu seinem Glück geführt. Viele Momente erleben Fotografen und Fotografinnen einfach mehr als die Menschen ohne bildaufnehmendes Material. Bei uns kam natürlich noch erschwerend hinzu, dass wir um 9.30 Uhr vom Schiff mussten um den Landgang zu beginnen und wir vorher alles im Kasten haben mussten.

Pünktlich ging das Schiff in der Dominikanischen Republik vor Anker und wir konnten mit Booten in Fuhren von circa 100 Personen an Land gebracht werden.

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Tourismusfalle

Nachdem wir für unseren ersten Landtag etwas zu spät mit den interessanten Ausflügen waren, haben wir kurzerhand die Tagesplanung in die eigenen Hände genommen. Und es war ein Segen. Dazu aber noch später mehr.

Wir sprachen am Hafen mit einem Fahrer einer Art offenen Rikscha (oder wie man das auch schreibt!) und buchten das Gefährt samt Fahrer für den gesamten Tag. Louis blieb immer bei uns und stellte somit sicher, dass wir rechtzeitig wieder auf dem Schiff ankamen.

Was am Anfang aber so schön aussah, ergab schnell ein schlimmes Bild. Das Gefährt war ein 125er Moped mit einem selbst geschweißten Stahlkasten mit Holz und Pappe überzogen und nachdem wir Büffel in das Transportmittel eingestiegen waren, war das Limit des Gefährts sicherlich erreicht.

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Wir hinterließen unter ständigem Vollgas eine ätzende Wolke aus Abgas und wurden zudem mit dreifachem Tempo von Lieferwägen und Lastern überholt. Natürlich auch jedes Mal in einem Abstand, der die Kamera samt Arm abreißen würde, käme man auf den fahrlässigen Gedanken nicht rechtzeitig zurück zu ziehen.

So rasten wir stellenweise mit 50kmh Berg hinab und krochen mit 5km/h bergauf. Wir bangten tatsächlich etwas um unser leibliches Wohl.

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WOBEI… der ursprüngliche Plan war ja das offene Gefährt für Fotos zu nutzen um mehr von der Gegend sehen zu können. Und dieser Plan ging de facto auf. Nur eben mit etwas Gefahr für Leib und Leben. Wir konnten prima fotografieren und filmen trotz Pippi in den Hosen… Also Glück im Unglück.

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Was ich allerdings wirklich schreiben muss ist mein Entsetzen über die DomRep. Man denkt ja bei Karibik immer an Luxus und weiße Strände, aber nicht wirklich an Ghetto und pure Armut. Vor allem ist der Unterschied total verrückt und das ist eine Sache, die mir auf der gesamten Kreuzfahrt am meisten zu kämpfen macht.

Der Grund für uns eine Kreuzfahrt zu machen

Ich habe noch gar nicht über unseren Grund eine Kreuzfahrt zu machen geschrieben. Das möchte ich jetzt hier nachholen. Wir drehen unter anderem ja auch unseren CRASHKURS: Das perfekte Urlaubsfoto und wir haben uns viele Gedanken gemacht, wo wir diesen Dreh am besten stattfinden lassen können.

Wir begleiten 14 Tage lang ein tatsächliches Pärchen und bringen beiden Fotografie von der Pike an bei. Dafür benötigen wir Urlaub in Reinform. Und Motive. Haufenweise Motive. Und Abwechslung. Natürlich hatten wir auch überlegt wieder klassisch eine Finca zu mieten. Oder in ein Urlaubshotel an einen warmen Ort zu gehen. Aber das wäre einfach zu eintönig gewesen. Wir brauchen wirklich alle Aktivitäten und Arten von Urlaub, die man irgendwie in 14 Tage pressen kann.

Als nächstes hatten wir auch daran gedacht quer durch Europa zu reisen und jeden Tag mit dem Flugzeug eine andere Stadt anzufliegen. Auch das haben wir schnell von der Liste gestrichen. Es wäre mit all der Ausrüstung einfach nicht möglich gewesen. Wir können kein BackUp machen und keine Ordnung in der Ausrüstung halten bei so vielen Produktionstagen an so vielen Orten.

Also ist und bleibt eine Kreuzfahrt das absolute IDEAL. Man fährt über Nacht von Ort zu Ort, bekommt haufenweise Möglichkeiten, muss sich um keine Logistik kümmern und hat seine Homebase und Schlafzimmer immer mit dabei.

Zurück zu unserem inneren Kampf

Sicherlich ist es kein Problem mit einer Kreuzfahrt im Generellen. Ich habe eher ein Problem mit dem Tourismus in der Karibik. Oder vielleicht gar nicht der Karibik, aber auf jeden Fall war es so in Samana.

Man merkt schon an meinen Sätzen, wie schwer es mir fällt das zu formulieren. Man hält mit einem 380 Millionen Luxus-Dampfer im Hafen, futtert perfektes Frühstück inklusive Pancakes, Cornflakes, Spiegelei und deutscher Würstchen und dann klettert man in ein kleines Shuttleboot, fährt zum Anleger, steigt aus und sieht ein paar hübsche kleine Häuser.

Taxifahrer schieben einem in gebrochenem Englisch förmlich in die Taxen in einer Nah an körperlicher Gewalt grenzenden Art und Weise. Dann plappern die Taxifahrer auswendig gelernte Touri-Wörter und ganze Busse fahren zusammen mit hunderten Touristen an die nächsten „Sehenswürdigkeiten“.

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Kaum bewegt man sich von dem üblichen Wegen weg, trifft man allerdings auf pure Armut. Die Häuser in erster Reihe entpuppen sich als eine Art Fassade. Darin finden sich Shopping-Shopping…da…da…yes…sir…shopping-shopping-goood…

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Die Armut die wir heute gesehen haben war unfassbar. Und ich weiß, es gibt sicherlich schlimmere Orte auf der Welt. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass man vormittags von einem Luxus-Dampfer hüpft und abends wieder zum Sekt, Champagner und lustigen Cocktails mit Hütchen auf der Liege sitzt und die Armut sich entfernen sieht… wow…

Heute haben wir unfassbare Dinge gesehen. Da gab es Kinder, die sich extra zusammen mit weißen Frauen haben fotografieren lassen und da gab es Männer, die sich als MonkeyMan bezeichnend auf eine Palme geklettert sind. Irgendwie ist das Ganze doch ziemlich absurd.

Wobei, sicherlich kein Problem einer Kreuzfahrt… es gibt hier auch große Hotelkomplexe. Es fühlt sich einfach so falsch an…

Zurück zum Positiven!

Natürlich ist das Land wunderschön. Die Dinge, die man sehen kann, sind fantastisch. Wir haben zwar knapp eine Stunde gebraucht, um den Fahrer verständlich zu machen, dass wir nicht die Standard-Touri-Tour wollen und erst die Drohung kein Geld zu zahlen hat die Sache geändert. Selbst die Taxi und Rikscha Fahrer setzen alle Gäste immer an Orten ab, an denen dann Provision bezahlt wird bei evtl. Käufen. Oder eben halt bei Geschäften von Opa, Oma, Schwester oder Onkel.

Wir haben uns irgendwo in den Urwald fahren lassen…

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Wobei wir auch erst später gemerkt haben, dass es doch wieder so eine Touri-Attraktion war… 🙂

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Aber hey… das war es wert… es sah toll aus und es war auch irgendwie ein Erlebnis an sich.

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Traumstrand

Danach haben wir aber auch Tacheles mit unserem Driver Louis gesprochen und verlangt an einen wirklich tollen Strand gefahren zu werden.

Und er hat sein Wort wirklich gehalten.

Nachdem wir zwar mehrfach aufgrund von mangelnden PS oder zu extremen Schlaglöchern aus dem Gefährt aussteigen mussten, kamen wir doch nach einigen Stunden an einen traumhaften Strand an. Mit direkter Sicht auf die AidaMar.

Es waren nur eine knappe Hand voll Touristen dort und es gab eine kleine Strandbar mit frischem, gekühltem Bier.

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Es war einfach traumhaft. Perfekt für Drohnenflüge, toll für Fotos und auch grandios zum Hinlegen und Entspannen. Wir haben natürlich alles gemacht! 🙂

Bis ich dann irgendwie der Ruhe überdrüssig war und auf den Gedanken kam, nach dem Eigentümer des einzigen kleinen Bootes am Pier zu forschen.

Nach 15 Minuten wilden Gestikulierens war der Mann gefunden und ich fragte ganz dreist, ob es möglich wäre das Boot zu mieten. Samt Fahrer… Und die Antwort kam sofort: „20$“.

20 $ und ab geht die Post

Und genau da erkennt man auch die tolle Seite an der Karibik. Unser Kapitän Marten war super freundlich und hat uns für 20$ fast 1,5h lang durch die Karibik geschippert. Hin zur Aida, weg und hin und weg und dann wieder an die Küste ran und wieder aufs offene Meer. Und wir konnten die ganze Zeit filmen und fotografieren.

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Es war traumhaft. ActionCams installiert und umgesetzt, neue Winkel probiert und und und. Wir kamen sogar auf die bescheuerte Idee, die Drohne vom Boot aus starten zu lassen :-). Keine Sorge, alles gut gegangen. Es gibt bloß keine Beweisfotos, weil Marc der Start- und Landeplatz war und ich eben die Steuerung in den Händen gehalten habe.

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Kreuzfahrtschiff AidaMar

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Entschuldigung für den schiefen Hintergrund. Kann man ja im fertigen Foto nochmals korrigieren. Ich lad hier sowieso nur kurz die Bilder aus der Kamera hoch und mache keine Bildretusche mehr.

Wir konnten am heutigen Tag einige unglaubliche Aufnahmen der Aida fotografieren… Sowohl vom Wasser, als auch aus der Luft aus. Dabei ging es mir hundeelend nach dem Fotografieren. Ich bin nicht so gut beim Fotografieren auf schwankenden Nussschalen. Normalerweise wird mir sofort spei übel. Heute habe ich richtig lange durchgehalten. Aber vielleicht auch nur, weil ich wusste, wie wichtig der Tag ist. Wir legen die kommenden Tage immer am Pier an und haben dann keinen so schönen Hafen-Liegeplatz mehr. Also hieß es heute… JETZT ODER NIE… geschweige denn bei dem perfekten Wetter.

Und die Strahlen am rechten oberen Bildrand sind wirklich echt. Irgendeine Art von Passat-Wolken vielleicht. Ich habe sie erst wahrgenommen, als die Fotos auf der Kamera am Strand wieder angeschaut wurden.

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Gegen 16 Uhr betraten wir wieder das Schiff und konnten nach einem kurzen Abduschen, einem kurzen Abendsnack und einem ausgedehnten BackUppen auch noch einen weiteren Crashkurs Dreh beginnen.

2. Drehtermin am Abend

Eine Bildbearbeitung-Sonderfolge ohne Rahel nur mit Artur wurde in der höchsten Bar auf der AidaMar gedreht und wir konnten eine wirklich tolle Folge über Bildbearbeitung und das Urlaubs-Foto-Buch drehen.

By the way… an alle Technikfreaks: Wir haben hier zwei LED Panels mit dabei. BiColor, sodass wir uns an jede Situation anpassen können. Wir nutzen die Panels tagsüber und auch an dunklen Locations des Nachtens. Ohne Kabel und mit einem dicken Sony Akku halten die Leuchten mehrere Stunden unter Volllast und machen tolles Licht.
Zudem ist das Gewicht sehr gering, was besonders bei Flugreisen ja gar nicht so schlecht sein soll. Gell :-)…

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In diesem Sinne starten wir bald unseren nächsten Tag und müssen vorher aber erst einmal die Batterien auftanken.

Thilo, Marc und euer Martin

 


THANKS TO Aida Cruises, Panasonic, Manfrotto, Enjoyyourcamera.

Kommentare (1)

One thought on “CRASHKURS: DAS PERFEKTE URLAUBSFOTO 04

  1. Hallo werte K&G Crew. Mit viel Interesse, aber leider wenig Zeit, verfolge ich hier eure nette Tour. Zum einen weil ich selber begeisterter Fotograf bin und zum anderen weil wir in diesem Jahr unsere erste Kreuzfahrt gemacht haben. Nicht auf der AIDA, dafür auf der MSC Divina, aber auch wir haben in der Dom. Rep gehalten und auch wir waren relativ geschockt und da sprechen mir eure geschriebenen Gedanken gerade wegs aus der Seele. Ich hätte mir diesen Blog gern vor unserer Reise gewünscht aber da wir planen, nochmals solch eine Tour zu machen, werde ich ihn mir vorher einfach nochmal zu Gemühte führen. An dieser Stelle möchte ich einmal ein FETTES DANKESCHÖN an euch richten. Ihr macht einen super Job und ich schaue gern eure Videos, Sendungen und co. (Und nicht nur das ganze gratis Zeugs 😉 Macht weiter so!!! Tschau tschau und noch eine gute Reise.

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